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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Plum«

Wand

Neben ihrer enormen Produktivität zeigen sich Wand mit dem Psych-Rock auf »Plum« auch angenehm präzise.
Geschrieben am
Die unterschwellige Bewunderung, mit der in Reviews immer wieder die erstaunliche Taktung dieser Fleißbienchen des Psychedelic-Rock hervorgehoben wird, hat fast schon etwas Calvinistisches. Und kaum mit dem Schreiben angefangen, geht auch dieser Text in die Arbeitseiferfalle.

Ja, da staunt man als geborener Tagedieb und Faulenzer, dass einen so etwas tatsächlich mit einer Art Neid erfüllen kann. Aber vier Alben in ebenso vielen Jahren nebst Touren und allem, was dazugehört, sind eben ein überaus respektables Statement, und Strebsamkeit ist ja auch per se nichts Schlechtes. Zumindest, wenn all die Plackerei in einem solch substanziellen Manifest der versponnenen Kaskadenmusik resultiert, wie es das aktuelle Album der personell frisch runderneuerten Wand aus Los Angeles darstellt.

Natürlich wird auch hier der Kosmos nicht neu vermessen, noch wird dem so zerfaserten wie archetypischen Genre irgendetwas Neues hinzugefügt. Was ja auch unmöglich wäre, schließlich ist Psychedelic-Rock per Definition niemals fertig, sondern ständig im Geborenwerden begriffen, im Wachsen und Quirlen, ganz wie die Seele selbst, und somit als musikalische Manifestation des stetig Werdenden und als künstlerisch-naiver Erklärungsversuch des Unergründlichen immer mehr Prozess als Resultat. Was diese silbrig und ultramarin flirrenden Songs in ihrer doppelbödig verwunschenen Präzision umso faszinierender macht, denn Wand klingen bei allem Hang zur ausladenden Geste angenehm konzise.

Die Epik und das Wunder der Existenz liegen hier in Bündelung und Dichte. Fast so, als würde man auf Psilocybin den plötzlichen Drang verspüren, eine minutiöse Inventur des eigenen Daseins auf dem kleinsten Zettel der Welt auszuführen. »Plum« ist ein wunderbares und anregendes Album. Aber eben auch ein seltsam pilzbärtiges.

Wand

Plum

Release: 22.09.2017

℗ 2017 Drag City