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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

INSANE CLOWN POSSE

Wahnsinn in 2-Liter-Flaschen

Watt is en Juggalo? Ganz einfach: Ein Juggalo steht ab 11 Uhr morgens im strömenden Regen vor dem Club, hat sich clowngleich geschminkt und in Schale geschmissen, schüttet Faygo Pop, das in Detroit beheimatete Gesöff der armen Leute, in sich hinein und wartet. Schließlich soll hier in gut zehn Stund
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Autor: intro.de

Watt is en Juggalo? Ganz einfach: Ein Juggalo steht ab 11 Uhr morgens im strömenden Regen vor dem Club, hat sich clowngleich geschminkt und in Schale geschmissen, schüttet Faygo Pop, das in Detroit beheimatete Gesöff der armen Leute, in sich hinein und wartet. Schließlich soll hier in gut zehn Stunden die Band spielen, die in Detroit längst und neuerdings auch in den gesamten USA jedes Kind kennt: INSANE CLOWN POSSE, zwei Gestalten, die eher "Pennywise" aus Stephen Kings "Es" als die lustigen Clowns vom Zirkus Krone sind.
Daß das heute anwesende Publikum eher auf effekt- und showverliebte Musik aus ist, macht sich in der Umbaupause nach dem Supportact bemerkbar, als KORN-Töne aus der PA die ersten Moshpits nach sich ziehen. Schließlich geht das Licht aus, und das ist durchaus symbolisch zu sehen: Was hier in den nächsten anderthalb Stunden passiert, spottet jeder Beschreibung - hier trotzdem ein Versuch: Die Bühne ist übervölkert mit bis zu zwanzig Zombies, die plötzlich hinter irgendwelchen Grabsteinen auftauchen und über die Bühne wanken. Ein gebeugter alter Mann mit Schaufel, Bart und Laterne - klar, der Friedhofswärter - schleicht durch die Gegend, Rednecks werden geköpft und anschließend der tobenden Menge zum Fraß vorgeworfen, und mittendrin zwei dreadlockige weiße Clowns, die man vor allem deshalb von den Fans unterscheiden kann, weil sie Mikros tragen. Violent J und Shaggy 2 Dope sind sich ihrer Vorbildfunktion durchaus bewußt und unternehmen lustige Singspiele mit den größtenteils minderjährigen Juggalos. "Unsere Fans wissen: Hier ist es okay, sich wie ein Idiot zu benehmen", so Violent J zuvor im Interview. Und als hätten sie's gehört, kreischen die Massen begeistert auf, als die große Gruft in der Bühnenmitte geöffnet wird und die ersten Liter Faygo Soda auf sie niedergehen. 500 sollen es heute sein, schließlich ist Halloween und man nicht zum Spaß hier. Mit spritzenähnlichen Kanonen hilft die Zombie-Crew, auch die Menge weiter hinten zu bedienen, schließlich haben die Dinger eine Reichweite von bis zu 20 Metern, und aus größeren Wannen wird geschüttet, was das Zeug hält. Das letzte Lied wird zum Anlaß genommen, die Meute auf die Bühne zu holen - es sind noch Faygo-Reserven da, die aufgebraucht gehören. Schlußendlich muß abgebrochen werden, sämtliche Bühnenaufbauten sind total kaputt, die halbe Halle steht unter Limonade, alles stinkt, klebt und läßt den Reinigungsdienst die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Summa summarum also ein grandioses Spektakel, das zwar erst ab zwei Promille so richtig Spaß macht, dann aber auch zu etlichen Arm- und Beinbrüchen führt. Unbedingt ansehen!