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Waffenbrüder - A Tribute To OHL / Brigade Staatsfeind - Brigade S.

Diverse

Nerds und Anti-Imps können aufhorchen, wenn das "Brigade S."-Album mit einem Sprach-Sample startet: "Dies ist eine Aktion der Brigade Staatsfeind!"
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Nerds und Anti-Imps können aufhorchen, wenn das "Brigade S."-Album mit einem Sprach-Sample startet: "Dies ist eine Aktion der Brigade Staatsfeind!"

 

Die Ansage stammt aus einem TKKG-Hörspiel mit dem klangvollen Namen "Das Geiseldrama" (Folge 26), die Buchvorlage dazu aus den frühen Achtzigern, der Jugendbuch-Autor mit dem Pseudonym Stefan Wolf verarbeitete darin das Befinden des konservativen BRD-Bürgers bezüglich der RAF. Daraus ergeben sich obszöne Gauner-Fantasmen, eingeparkt in recht affirmationstauglicher Sprache. Was so viel heißt, dass z. B. die Bandenmitglieder sehr treffende Namen besitzen: Francesca Oliviri (spielt auf den RAF-Konnex zur Brigade Rosso an), Arved von Lotzka, Hanna Neu - und vor allem Felix Ohnesorge.

Dessen Name spielt kaum verschleiert auf Benno Ohnesorg an. Der gewaltsame Tod jenes Studenten 1967 war stets eng verbunden mit dem Bruch, den die radikale Linke dieser Zeit gegen den Staat herbeiführte. Die sogenannten Haschrebellen aus West-Berlin schlossen sich zu einer terroristischen Vereinigung zusammen, die den Namen "Bewegung 2. Juni" trug. Benno Ohnesorgs Todesdatum sollte immer darauf verweisen, dass der Staat zuerst geschossen hatte. In den Köpfen von Reaktionären wie Stefan Wolf (vor wenigen Jahren verstorben) wurde allerdings nachträglich aus dem Opfer ein Täter. Unzweideutig sichtbar in seiner Namensgebung der Figur Felix Ohnesorge. Tja, so sah's also hinter den Kulissen der fiktionalen Terrorgruppe aus.

 

Zu den Waffen, Brigade Staatsfeind. Die aktuelle Band, die sich diesen verweisträchtigen Namen gab, sucht dabei allerdings nicht den radikalen Background, sondern fährt eher auf die restpolitische Trash-Karte. Bierig selbstironischer Oi-Punkrock, der durch den betonten Ruhrpott-Slang des Gesangs für Außenstehende letztlich leider kaum goutierbar ist. Freunde von Bands wie Ruhrpottkanacken und Eisenpimmel (die ja ca. 90 % der Intro-Leser ausmachen) können aber drauf einsteigen. Das OHL-Tribute habe ich mir nur schicken lassen, um Jan Müllers Bierbeben als proto-rechts zu entlarven.

 

Immerhin gelten OHL zwar nicht als Nazis, aber dennoch als punkkonservative Dummköpfe. Selbst das Zentralorgan der Szene, das Magazin Plastic Bomb, nennt den Kopf der Band stets: deutsches Würstchen. Und nicht "Deutscher W.", wie sein offizieller Sinnlos-Alias geht. Aber es kam alles anders: Der Hass-Song auf Deutschland, den Bierbeben aus der Vorlage machten, ist neben "Steifheit" sicher ihr bestes Stück. Unglaublich. Der Rest dieser Platte hier allerdings: zum Davonlaufen. Bis auf den Bonus-Track. Eisenpimmel (die schon wieder) verhöhnen das OHL-Original "Gebt uns Arbeit" - denn sie wollen gar keine. Recht so.