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Rückblick: The Streets »A Grand Don't Come For Free«

Vor zehn Jahren

Am 10. Mai 2004 erschien mit »A Grand Don't Come For Free« das wohl wegweisendste und nachhaltigste Album von Mike Skinner. Thees Uhlmann rezensierte das Album in Intro #116 - ein Rückblick.
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»Ich mag Spiegel. Vor allen Dingen, wenn sie in der Waagegerechten liegen!« Diesen schönen, drogenbejahenden Satz sagte mir vor einiger Zeit ein netter Bekannter mit einem nicht wegzudiskutierenden Drogenproblem, aber auch einem fantastischen Musikgeschmack. Und ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich das erste Mal The Streets bei ihm hörte und innerhalb von Sekunden zum Fan wurde. »Geezers need excitement / if their live don’t provide it / they turn to violence / common sense, simple common sense.« Das ist der Jugendbeauftragte der Grünen und das sympathische Crashkid von nebenan in einem Satz. Und ja, auch auf der neuen Platte hagelt es wieder solche Sätze.

Ich fuhr als Beifahrer durch die Häuserschluchten von Frankfurt und hörte es laut und wusste: »Wer so was schreibt, muss was drauf haben. Mehr als die anderen!« Man riecht fish and chips und hört die Sozialisation in einer gewachsenen Popkultur aus jedem Ton seiner Musik. Man spürt den Stolz auf die neuen Sneakers, die heute Morgen noch bei Footlocker geklaut wurden und heute Abend noch in der Disco gezeigt werden. »Eminem aus England für Schlaue«, hätte ich in die Anzeigen gehauen. Das wiederum erinnert mich an einen Mitarbeiter eines konkurrierenden Blattes, dessen Firma sich neulich ein innerbetriebliches Fortbildungsseminar gegeben hat.


»Niemals ›ich‹ sagen in Artikeln! Niemals schreiben: ›Das ist ECHT gut!‹« Zum Glück fällt Mike Skinner unter Musik und nicht unter Journalismus. Sind doch Definitionsmacht und »Ich« die Säulen, auf denen er seine Kunst und Brillanz stützt! Und immer noch unterscheidet sich die neue Streets-Platte, Gott sei Dank, vom HipHop, wie wir ihn zu 90% kennen. Wie singen die Boxhamsters so schön auf ihrer neuen Platte: »Ich hab lang genug zugeschaut, wie HipHop diese Welt versaut.« Dafür ist neben gebrochener Rhythmik auch unbedingt der Wille zur Melodie spürbar. Der Wunsch nach Akkordfolgen. Der Drang zum Song. Genau das schafft Mike Skinner immer wieder. Er hat wohl wieder bekifft vor einem Keyboard gesessen und mit einem Kollegen gebastelt. Was Skinner in 24 Stunden erlebt, dafür benötigt Bubba Sparxxx schon einige Jahre. The Streets haben es natürlich schwer, ihr erstes Album zu toppen. Vielleicht kann man das auch gar nicht, denn es gibt manche Sachen, die sind beim ersten Mal am allerbesten. Alle Sachen, bei denen man immer dem ersten Erlebnis hinterherläuft. Der erste Besuch bei McDonalds zum Beispiel. Das Stehen in der Schlange. Der erste Biss in das weiche Brötchen mit dem Geschmack des Kulturimperialismus. Danach ist alles nur noch das zweite Mal! Man kennt es schon. The Streets halten den Level, und man kann nur hoffen, dass sie noch lange bis morgens um fünf Songs schreiben. Für eine der zwölf besten Bands, die es momentan überhaupt nur gibt.

 

Aus Intro #116 / Mai 2004

 

The Streets »A Grand Don't Come For Free« (Locked On / 679 / Wea / VÖ: 10.05.2004)