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Kolumne: Neues aus Jules Welt

Vom Winde verwöhnt

Ärger mit den Zeugen Jehovas? Hausverbot bei Dating-Portalen? Mit dem Moped zum Melt? In Jules Welt geschehen Dinge, die ahnt man nicht mal! Diese Woche: Waxing für Anfänger.
Geschrieben am

»Ziehen Sie bitte schon mal Hose und Schlüppi aus.« Ich starre die Frau neben meiner Liege an. Hat sie mich gerade gesiezt und gleichzeitig »Schlüppi« gesagt? Anscheinend. Sie heißt Cindy, hat langes, braunes Haar und ein dazu passendes, braunes Gesicht. Ihre Augenbrauen sind stark nachbearbeitet. »Waren sie schon mal hier, Frau Müller?« Ich schüttle den Kopf.

Cindy zieht sich Gummihandschuhe über und lässt die Enden dabei geräuschvoll gegen die Handgelenke schnappen. Ich ziehe mich aus. Dann lege ich mich auf diese Pritsche. Neben mir brodelt ein 10-Liter-Eimer voller zäher, gelber Flüssigkeit. »Ist das ... heiß?«, frage ich vorsichtshalber nach. Cindy nickt. Blöde Frage. Sie klatscht mir einen Batzen Wachs auf meine gepuderten Beine und verteilt alles mit einem Spachtel von Knöchel bis Schambein. Die Masse brennt sich unverzüglich durch die ersten paar Hautschichten. Schon jetzt habe ich meine absolute Schmerzgrenze erreicht. Mit einer umständlichen Handbewegung zieht Cindy das erkaltete Wachs ab. Die Bahn will kein Ende nehmen. Mir bleibt die Luft weg.

 

»Das machen wir jetzt noch ein paar Mal. Dann aber langsamer.« Ich überlege, ob es unhöflich wäre, zu gehen. Aber keine Chance. Cindy verbrennt mir erbarmungslos meine kompletten Beine, um mir dann alle Haare samt Wurzel genüsslich auszureißen. Mein Körper hüllt sich sofort in ein uniformes Meer aus roten Punkten und brennt vor sich hin.


Ich bin noch apathisch am Zittern, als Cindy schon auf meine mühsam gezüchteten Schamhaare guckt. Ich schäme mich passenderweise. Dann zwirbelt sie ein paar Enden zwischen ihren Fingern. »Was machen wir denn hiermit Schönes?« Ich ahne Schreckliches! Als kochendes Wachs über meine Bikinizone läuft, zucke ich unkontrolliert. Der Ohnmacht nahe, verfluche ich die Welt. Und Trends. Und alle Männer. Und alle Frauen, die keinen Haarwuchs haben. Und alle Depiladoras. Während Cindy mit ihrer Nase über meinem Schambein hängt und einzelne Haare mit einer Pinzette auszupft, fragt sie: “Und? Gucken Sie heute auch Fußball?« Ich hasse diese Frau! Es ist ja schon eine Frechheit, dass sie sich sadistisch in meinem Intimbereich austobt, aber ein Gespräch über Sport? Das geht nun wirklich zu weit!

 

Dann hält sie mir einen Spiegel hin. Untenrum. “Und? Gefällt’s Ihnen?« Von gefallen kann man wirklich nicht sprechen .... Durch meine vertränten Augen sehe ich eh nichts. »Ja. Spitze«, lüge ich und hoffe, dass sie jetzt endlich von mir ablässt. Aber nichts da. »Jetzt drehen Sie sich bitte auf den Bauch und halten Ihre Pobacken auseinander.« Cindy sagt das so, als wäre es das Normalste der Welt! Hallo? Ich glaub, es hackt! Soll sie doch selber meine Pobacken auseinanderhalten!! Aber Cindy meint es ernst.


Davon hat man mir noch nie erzählt. Niemand hat mir jemals gesagt, dass man beim Intimwaxing seine eigenen Pobacken halten muss! Ich kam her für Glamour, glatte Haut und ein paar kühle Cosmos, so, wie es das Fernsehen mich gelehrt hat, und jetzt liege ich mit den Händen auf meinem Arsch und meinem Gesicht in die Liege gedrückt sabbernd unter der kichernden Cindy!


Mein Leben hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Mein Bankkonto auch. Ich schwöre hoch und heilig, bei meinem Schamhaar: So etwas Menschenverachtendes mache ich nie, nie, nie wieder!

 

Jule Müller - Philosophin, Fotografin, Frau und Kobold. Jule Müller ist Anfang 30, lebt in Berlin und erlebt Abenteuer. In ihrer Kolumne schreibt sie nun regelmäßig darüber. Noch mehr Abseitiges findet sich auf ihrem Blog mymagictypewriter.com

 

 

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