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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Vom 1. - 4.12.: Modeselektor, Jahcoozi, Matias Aguayo u.v.a.

Worldtronics Festival in Berlin

Es gibt weit mehr gute elektronische Musik als nur die der westlichen Hemisphäre, wie das Festival Worldtronics in Berlin beweist.
Geschrieben am
Ein guter Beat sollte eigentlich überall verstanden werden. Jedenfalls gibt es weit mehr gute elektronische Musik als nur die der westlichen Hemisphäre, wie das Festival Worldtronics in Berlin beweist. Silvia Fehrmann vom Haus der Kulturen der Welt kann sogar erklären, wie das dortige Kuratorium tickt.

Silvia, was wird deiner Meinung nach durch Worldtronics deutlicher: dass die Welt in der elektronischen Musik eine lingua franca gefunden hat oder dass elektronische Musik im Gegenteil stark regional geprägt und unterschiedlich ist?
Beides gilt. Elektronische Musik ist in der Tat eine lingua franca: Elektronische Musiker in Buenos Aires oder in Tokio haben alle mit einer ähnlichen Plattensammlung angefangen. Das ABC ist da übrigens sehr oft deutscher Krautrock und Kraftwerk. Was aber in jeder Region gesampelt, geloopt, mit Beats unterlegt wird, ist dann im Ergebnis jeweils ganz anders. In meiner Herkunftsstadt Buenos Aires reicht das z. B. von absolut minimaler, streng konstruierter Elektronik bis zur Cumbia digital. Das Spannende an Popkultur ist ja gerade, dass sie gleichzeitig global und lokal codiert ist.

Spielt bei eurem Booking bzw. beim Kuratieren der Veranstaltung eher die deutlich erkennbare Herkunft der Musik eine Rolle, oder ist das absolut nachrangig?
Was wir suchen, sind elektronische Überraschungen. Wenn in Nairobi deutscher Techno auf lokalen HipHop trifft, wenn Matias Aguayo in Mexiko elektronische Feldforschung betreibt, wenn DJ Txarly Brown in Barcelona Rumba Catalana elektronisch aufmischt, dann interessieren uns die Ergebnisse, weil sie ihre eigene Qualität haben und eben nicht unseren Erwartungen entsprechen. Und jeder Abend hat dann auch unterschiedliche Klangfarben. Am Barcelona-Abend bespielen die Musiker Laptop Folk, Minimal Techno, Latin Jazz und Rumba Catalana. Klar, da lässt sich die Herkunft erkennen, aber vor allem geht es um spannende Musik.

Was macht z. B. die russische Szene aus? Worauf kann man sich einstellen/freuen, wenn man den von Natasha Padabed kuratierten Abend besucht?
Als Kuratorin des Skif Festivals in St. Petersburg ist Natasha Padabed eine Expertin in Sachen russische Electronica. Für Worldtronics hat sie den Mainstream vermieden und sich in die subkulturelle Szene begeben. Ihre Fundstücke sind absolut hörenswert, meine persönlichen Lieblinge sind Kim & Buran, benannt nach einem Zeichentrickfilm der UdSSR: Zwischen "Captain Future", "James Bond" und "Die Straßen von San Francisco" spielen sie mit blubbernden Synthies, herrlich schwülstigen Frauenchören und Streicherlinien, wie sie in den 70er-Jahren zum guten Ton gehörten. Aber auch Pixelords aktuelle Clubmusik oder die hyperaktiven Polka-inspirierten Breakbeats von Vikhornov machen Spaß.

Steht ihr als Worldtronics eigentlich im Austausch mit ähnlich ausgerichteten Veranstaltungen in anderen Teilen der Welt?
In diesem Jahr dockt ja das Sonar Festival aus Barcelona bei uns an – Detlef Diederichsen hat sich in der dortigen Musikszene umgeschaut. Auch im kommenden Jahr werden wir unsere Fühler weltweit in ähnliche Unternehmungen ausstrecken. Von Kanada bis Australien gibt es noch vieles zu entdecken.