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So war's in Düsseldorf: Fokusverschiebung

Volcano Choir live

Nicht nur in küchenpsychologischen Gesprächsrunden werden Fokusverschiebungen gerne als Ratschlag erteilt. Auch bei Volcano Choir im Düsseldorfer Zakk kann dies hilfreich sein.
Geschrieben am

15.11.2013, Düsseldorf, Zakk

 

Es lässt sich kaum eine Berichterstattung über Volcano Choir finden, in der nicht Bon Iver-Kopf Justin Vernon die tragende Rolle einnimmt. Dafür, dass dies hier auch nur in Teilen anders sein wird, entschuldigt sich der Autor dieser Zeilen im Vorhinein bei den Collections Of Colonies Of Bees. Mit eben jenen bildet Vernon schon seit 2005 gemeinsam den Volcano Choir.

Dieser Fokus auf den Sänger mit dem überraschend schütteren Haar ist aber nicht nur eine musikjournalistische Eigenart, sondern zieht sich auch durch weite Teile des Publikums. Vor allem die unterhosenwerfenden Die-Hard-Fans von vorne rechts vermitteln neben Lächerlichkeit vor allem den Eindruck einer kritiklosen, schon religiösen Ehrerbietung an den Mann aus Wisconsin. Der steht seines Zeichens hinter seinem Pult mit den verschiedensten, ausgiebig genutzten Autotune- und Stimmverzerr-Effektgeräten und erinnert dabei passenderweise nicht selten an einen Priester in seiner Kanzel. Dieses religiös angehauchte Spektakel treibt Vernon dabei selbst auf die Spitze indem er gegen Ende des Konzerts den Song »Still« vom 2009er-Album »Unmap« mit den Worten ankündigt, dass es »kind of a prayer« sei.

 

Dabei lohnt sich eine Fokusverschiebung durchaus. Denn der musikalische Kosmos in dem sich Volcano Choir bewegen, lässt einen bei genauerem hinsehen – oder besser hinhören – viele kleine, aber dafür umso großartigere Dinge entdecken, für die Vernons Gesang nur die viel zitierte Kirsche auf der Sahnetorte ist. Da wäre zum Beispiel die unglaubliche Dichte bei »Acetate«, bei der so viele kleine Spielereien stattfinden, dass die Band den Song drei Mal an einem Abend spielen müsste, um die gesamte Bandbreite an Ideen erfassen zu können. Oder kleine technische Feinheiten, wie wenn das Signal von Chris Rosenaus Akustik-Gitarre nicht nur live gesamplet, sondern dabei auch noch digital verfremdet und so ins Weltall geschickt wird.

 

Dass darunter die Kohärenz innerhalb der gesamten Songdiskographie und damit auch innerhalb der Konzert-Setlist ein wenig leidet, ist selbstverständlich. Aber dieses changieren zwischen einzelnen Klangwelten wie Folk- und Post-Rock, sowie Ambient ist eben auch nur eine weitere Form von Fokusverschiebung.