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starwars für die sinne

Voivod

Nachdem der langjährige Sänger und Mitstreiter Denis Belanger die Band verlassen hatte, stürzte das zurückgebliebene Duo Michael Langevin (d.) und Denis "Piggy" d'Amour (g.) in so etwas wie ein mentales Loch. Aufforderungen aus dem Umfeld, die Band doch einfach aufzulösen, brachte die zwei ins Grübe
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Autor: intro.de

Nachdem der langjährige Sänger und Mitstreiter Denis Belanger die Band verlassen hatte, stürzte das zurückgebliebene Duo Michael Langevin (d.) und Denis "Piggy" d'Amour (g.) in so etwas wie ein mentales Loch. Aufforderungen aus dem Umfeld, die Band doch einfach aufzulösen, brachte die zwei ins Grübeln. Michael war schon fast soweit, sich nur noch auf seine Computer-Animationen zu konzentrieren. Da auch der Posten des "Tieftöners" schon seit einiger Zeit vakant war, gab es nur eine Lösung: Ein Bassist, der singen kann, mußte her.
Manager Pierre Paradis war dann der Mann mit dem richtigen Riecher. In einem Club in Toronto sah er eine unbekannte kanadische Formation namens LIQUID INDIAN, bei der ein gewisser Eric Forrest sang und den Bass zupfte. Er ahnte, daß dies der richtige Mann war und setze ihn in einen Zug Richtung Montreal. Schon nach 20 Minuten Jammen auf altem VOIVOD-Material war klar, daß Eric das Line-up der Band wieder komplettieren würde. "Zuerst einmal war es eine enorme Herausforderung für mich, überhaupt mit den beiden zu spielen. Ich bin seit Jahren ein großer Fan ihrer Musik und kenne die alten Songs ziemlich gut, so war es kein Problem, mit ihnen zu jammen. Die Tatsache aber, plötzlich Mitglied in einer meiner Lieblingsbands zu sein, mußte ich doch erst einmal verarbeiten", schildert Eric seine Gedanken zur neuen Situation.
In kürzester Zeit komponierte das Trio nun neue Stücke und nahm sie auf. Das Ergebnis dieser Schaffensperiode dokumentiert sich auf dem Album "Negatron", welches die Band musikalisch in ihre "Killing Technologie"-Zeit zurückkatapultiert. Der hochgradig experimentelle Pfad ihrer letzten Alben wurde zugunsten trashiger Orgien im Soundgewand der Neunziger verlassen. "Wir hatten eine Menge Frust zu kompensieren. Durch die negativen Äußerungen aus unserem Umfeld hatten sich jede Menge Aggressionen in uns aufgebaut, die wir nun musikalisch wieder rauslassen konnten. Wir waren total heiß darauf, es allen zu zeigen, daß VOIVOD noch lange nicht am Ende sind. Daß 'Negatron' so hart ausgefallen ist, resultiert sicherlich aus diesen Umständen, bestimmt aber auch aus der neuen Trio-Konstellation. Als Trio arbeitet eine Band einfach am effektivsten, und ich bin mir sicher, daß viele Leute unser neues Material mögen werden", resümiert Michael. Da gerade die harte Fraktion immer wieder einen enormen Konsumwillen zeigt, ist diese Einschätzung sicherlich nicht in Abrede zu stellen, denn bei der Güte des neuen Albums sollte sich, neben der schon lange währenden Kritiker-Anerkennung, auch endlich der kommerzielle Erfolg einstellen.
Michael ist so etwas wie das Multitalent in dieser Band der intelligenten Köpfe. Neben seinem Part als Schlagzeuger zeichnet er auch für alle Covergestaltungen verantwortlich, die er zum Großteil an seinem Computer entwirft. Zu dieser Arbeit gesellt sich auch schon seit längerem, daß er an die Videos der Band mit Hand anlegt. Hierbei arbeitet er mit dem gleichen Soft-Image-Programm, mit dem auch die Saurier-Animationen zu Spielbergs "Jurassic Park" entstanden sind. Zu dem Stück "Insekt" hat er eine mechanische Ameise kreiert, die auch auf dem Cover zum neuen Album zu sehen ist.
Die futuristischen Texte stammen bei VOIVOD fast nie aus der Feder eines einzelnen Mitglieds, sondern sind immer auf die Gesamtheit der involvierten Musiker und ihrer Missionen zurückzuführen. Wen wundert's, daß Michael auch hier seine Finger im Spiel hat. "Ich habe mich immer schon für Cyberspace und fremde Intelligenzen interessiert. Bevor wir VOIVOD gründeten, studierte ich Nuklearphysik. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich bemerkt habe, daß neben meiner Universität einige andere, unwissend und unabhängig voneinander, an Bauteilen für Laserwaffen des SDI-Projektes arbeiteten. Ich konnte diese Arbeit nicht länger mit meinem Gewissen vereinbaren, deshalb habe ich das Studium abgebrochen. Die Texte von VOIVOD richten sich gegen diese nuklearen Waffen und biotechnologischen Experimente, wobei letztere darauf abzielen, eine Rasse von Supermenschen zu kreieren. 'Nanoman' handelt von diesem Thema. Den Text dazu habe ich zusammen mit Ivan Doroschuk (Ex-MEN WITHOUT HATS-Sänger, a.d.V.) geschrieben."
Neben diesem Gastbeitrag ist auf "Negatron" ein weiterer bekannter Name involviert. Jim "Foetus" Thirwell schrieb den Text zu "DNA" und singt dieses Stück auch. Ein Resümee spare ich mir in diesem Fall, denn VOIVOD sind eine große Band, die für sich selbst spricht und immer noch eine Nasenlänge voraus ist!