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Virtueller DJ-Battle: Du kommst hier nicht rein

turntable.fm

Das vielversprechende US-Startup turntable.fm ist außerhalb der USA nicht mehr erreichbar – zu unklar war die rechtliche Situation.
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Als der US-Dienst turntable.fm im Mai online ging, ließ sich schnell erahnen, dass hier zum ersten Mal auf schlüssige Art und Weise die kommunikativen Vorzüge der Sozialen Netzwerke mit dem Unterhaltungswert von Webradios und Streaming-Plattformen verbunden wurden. Im gleichen Zug durfte man allerdings auch schon die rechtlichen Querelen befürchten, die das Thema Musik-Streaming naturgemäß mit sich bringt – erst recht wenn ein regelrechter Hype um eine solche Plattform entsteht.

Nun kann man nur mutmaßen, ob die Köpfe hinter turntable.fm (Seth Goldstein und Billy Chasen), nicht mit einer solchen Aufmerksamkeit gerechnet oder das Thema Lizenzierung schlicht ignoriert haben. Sicher ist, dass der Dienst nun für IPs gesperrt ist, die nicht den USA zuzuordnen sind.

Das Prinzip von Turntable.fm ist so einfach wie suchtgefährdend: In grafischen Chaträumen darf man sich entweder hinter die virtuellen Plattenspieler oder auf die binäre Tanzfläche begeben. Den Platz auf der DJ-Kanzel muss man sich allerdings mit bis zu 4 weiteren Mitstreitern teilen. Die Crowd ist zum Fachsimpeln und Bewerten aufgefordert, mit positiven Urteilen sammelt der DJ Punkte, die wiederum zum Erwerb auffälligerer Avatare dienen. Der Reiz liegt hier aber nicht nur im aktiven DJing, sondern auch darin, einfach nur mal zuzuhören und neue Impulse zu bekommen. Die riesige Song-Datenbank deckt dabei wirkliche jede Nische ab, von nerdigem Post-Dubstep bis hin zu obskurem Lofi-Pop – alles in genre- und stimmungsspezifischen Räumen geordnet. Und da ist man schon beim Kern des Problems: Der ausgewachsene Fundus speist sich nämlich aus der Datenbank des Unternehmens MediaNet – freilich ohne die Streamingrechte geklärt zu haben. Die müssten theoretisch mit den Plattenfirmen selbst ausgehandelt werden - und das ist kostspielig und langwierig.



Ob sich das aufwendige Prozedere zur Klärung der Rechte für den Markt außerhalb der USA lohnt, ist dabei mehr als fragwürdig. Wünschen würde man es sich auf jeden Fall, denn so viel Spaß hat schon lange kein Web-2.0-Start-Up mehr gemacht.

Für Martin Weigert von netzwertig.com ist die Sachlage dann aber relativ klar: »Alle User von außerhalb der USA, die sich nun in turntable.fm-Entzug üben werden, dürfen sich keine Illusionen machen: turntable.fm reicht der US-Markt genauso aus, wie er für Börsenneuling Pandora oder den Videoservice Hulu bisher das einzige Einzugsgebiet war. turntable.fm braucht die internationale Anwenderschaft nicht.«