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Gruscheln unter Freunden

Virginia Jetzt! Live

Virginia Jetzt!-Konzerte sind die Popmusikvariante von Studi-VZ: Es wird gegruschelt, gegrüßt und alte Freundschaften untermauert. Ganz nebenbei gibt es dazu noch einen ganzen Haufen richtig guter Popsongs.
Geschrieben am
16.03.07, Köln, Gloria.

Jugendzentrum war gestern. Aber trotz der Rückkehr in die Clubs sind Virginia Jetzt! immer noch die netten Jungs von nebenan, die ein Großteil der heute abend im schmucken Gloria anwesenden Menschen bestimmt als Top-Freunde in ihrem MySpace-Profil haben. Dieses Gefühl, dass die Band all ihre Fans persönlich kennt und mit diesen irgendwie auch im ganz normalen Leben befreundet ist, hatte man schon während der Juze-Tour, der Merchstand bringt es aber erschöpfend auf den Punkt: Nino&Thomas&Mathias&Angelo&ich. Im Foyer dann tummeln sich auch noch (Teile) der Kölner Bands Klee&Wolke&Erdmöbel, kurzum: Es ist ein großes Cliquentreffen.

Als ich den Saal betrete, wähne ich mich schlagartig in meine Landjugend zurückversetzt. Sind das etwa Fiddler's Green, jene resistente Fränkisch-Folk-Truppe, die seit gefühlten zwanzig Jahren die Bierzelte der Republik beackert, um den Leuten dort den Off-Beat zu erklären? Sind sie nicht, obwohl die Eckdaten stimmen. Zox spielen eine angenehme Mischung aus Folk, Erwachsenen-Rock und Ska, inkl. eines begnadeteten Fiedlers und machen ihre Sache mehr als ordentlich, nimmt man die Reaktion des Publikums als Bewertungsgrundlage. Deutlich zurückgenommener agieren im Anschluss die Münsteraner Samba, die Mitte der Neunziger einmal durchaus starke 15 Minuten ('Zuckerkick') hatten, seitdem aber etwas von der Bildfläche verschwunden sind. Routiniert spielen sie sich durch ein Set ohne größere Aufhorcher, zumal sie unverständlicher- wohl aber konsequenterweise auf die alten Hits ('Flach und aus Milch') verzichten, es sei denn, sie haben es gespielt als ich gerade meine Jacke abgegeben habe.

Dann kommt 'Eleanor Rigby' vom Band bzw. nur die Geigen und Nino&Thomas&Mathias&Angelo stürmen die Bühne. Alle sind jetzt schon glücklich, vor allem auch, weil Drummer Angelo wieder genesen ist - die Band musste am Abend zuvor in Kassel zum wiederholten Male ein Konzert absagen. Mit 'Singen & singen' und 'Liebeslieder' decken sie den Themenkomplex "Besetzte Sprache, Verstehen und Nicht-Verstehen" gleich mal zufrieden stellend ab, vielleicht ist dieser thematisch offensive Einstieg noch der ausufernden Deutschtümelei-Diskussion anlässlich ihres letzten Albums 'Anfänger' geschuldet. Jetzt aber gilt 'Land unter', mit so einem Slogan können dann auch die Kritiker von einst vermutlich wieder leben. Nino redet vom Karneval und davon, dass 'Ein ganzer Sommer' mit dem recht interaktiv gestalteten Blitz-und-Donner-Teil im Idealfall ein veritabler Schunkler geworden wäre bzw. ja eigentlich ist, er erkennt im Publikum einen MySpace-Freund wieder, weil der sogar das gleiche Shirt trägt, wie auf seinem Profil.

Genau genommen ist dieser Abend die Popmusikvariante von Studi-VZ, es wird gegruschelt, lieb gegrüßt und alte Freundschaften untermauert: Susi von Klee überrascht alle Beteiligten mit dem Spontan-Duett 'Dreifach schön', was sich allerdings als nicht besonders Duett-tauglich herausstellt. 'Bitte bleib nicht, wenn Du gehst', 'Das ganz normale Leben', 'Wahre Liebe' - irgendwer hat dafür einmal das Signet "Wohlfühl-Pop" erfunden, vermutlich war das abwertend gemeint. Ich müsste mich aber doch arg verbiegen, wenn ich sagte, dass ich mich bei der ganzen kollektiven Seligkeit hier extrem unwohl gefühlt hätte. Im Gegenteil, ich hatte einen guten Abend und war einfach nur: Zufrieden. Habe ich auch so im Neon-Forum geschrieben.