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Jahre im Schwebezustand

Vimes im Gespräch

Eine kleine Fanbase haben Vimes bereits – schließlich gab es seit ihrem Bestehen unzählige Auftritte, außerdem kursieren einige Songs und Videos im Netz. Mit »Nights In Limbo« liefert das Duo nun sein Debüt ab. Warum Vimes damit vielleicht sogar Mexico City zum Ausflippen bringen, und wieso man lieber nicht auf dem SXSW spielen sollte? Senta Best hat nachgefragt.
Geschrieben am
»Wir hätten auch vor zwei Jahren schon ein Album raushauen können«, sagt Julian Stetter, und Azhar Syed ergänzt: »Allerdings ging es uns nicht darum, einfach nur eine Ansammlung von Songs aufzunehmen, sondern ein schlüssiges Gesamtpaket zu produzieren, das viele Facetten von uns vertritt und letztlich auch nachhaltig ist.« Dementsprechend lange haben Vimes aus Köln auch an ihrem Debüt herumgefrickelt und sich immer wieder gefragt, ob sie einfach zu viele und zu unterschiedliche Ideen haben, um das alles auf ein Album packen zu können. Es ist also schön und beschissen zugleich, wenn der eine (Julian) aus der Clubtrack-Ecke kommt und der andere aus dem Popsong-affinen Bereich (Azhar). Dass die Songs in Gemeinschaftsarbeit entstehen und die Rollen nicht klar definiert sind, macht die ganze Nummer auch nicht einfacher. Fürs Debüt wurde also eine Art Schiedsrichter dazu bemüht: der Kölner Produzent Jochen Naaf. Gemeinsam bastelten die drei aus dem Wust an Vimes-Material ein extrem vielschichtiges Album, bei dem jeder Track an genau diese eine Stelle gehört. »Nights In Limbo« erstaunt beim ersten Hören. Und dann wächst es. Und wächst weiter: Clublastige, teils sogar klobige, roughe Electro-Sounds irgendwo zwischen House und Techno werden abgelöst von smoothen Songs mit 80er-Jahre-Einschlag. Der allerdings kam »versehentlich aus Azhars Gehirn«, wie Julian betont. Mit den 80ern haben die beiden eigentlich nicht viel zu schaffen. 


Vor »Nights In Limbo« ist viel passiert: Vimes wurden zweimal zum SXSW nach Texas eingeladen. Was jedoch besser klingt, als es letztlich war. Beim ersten Mal ließ Azhars Visum zu lange auf sich warten (falscher Name für die strengen US-Einreisebedingungen). Beim zweiten Mal schafften sie es zwar in den Flieger und auf das Festival, wurden dort aber ziemlich desillusioniert, wie Julian erzählt: »Das ist schon ‘ne richtig finstere Veranstaltung, die mehr auf das Business als die Musik ausgelegt ist. Viele kleinere Bands werden da so durchgeschleift, nachdem sie etliche Kosten wie Anreise und Übernachtung auf sich genommen haben. Wir hatten das Glück, für mehrere Slots gebucht zu sein, durften aber beispielsweise bei einem nur in Zimmerlautstärke ohne Monitor und Soundcheck spielen, während unsere einzigen Zuschauer, fünf desinteressierte Businesstypen, sich gerade ihr Mittagessen reinschoben.«  

Mehr Erfolg hatten Vimes in Mexico City: Nachdem sie als Hot-Chip-Support-Act auf der Bühne gestanden hatten, waren sie dort gleich in einer ganz anderen Liga unterwegs. Schnell wurden sie als der heiße Shit aus Deutschland gehandelt und spielten später sogar ein Headliner-Konzert – mit gerade mal einer Single im Gepäck. »Auf einmal stehst du in Mexico City auf der Bühne, der Vorhang geht auf, und der Laden ist voll, und alle rasten aus, bevor du auch nur einen Ton gespielt hast«, wundert sich der eine Teil des »heißen Shits« noch immer. Der andere kann dazu nur nicken.  

VIMES

Nights in Limbo

Release: 12.02.2016

℗ 2016 Humming Records

Vimes »Nights In Limbo« (Humming / Rough Trade / VÖ 12.02.16)