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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

c/o pop - Die Conference

Viele Emotionen im Raum

25.08.2005, Köln, Panoramahaus Köln Deutz, Donnerstag zehn Uhr morgens. Das Panoramahaus am rechten Rheinufer ist in graue Regenschleier gehüllt. Doch frühe Stunde und trübe Wetteraussichten tun dem geschäftigen Treiben in der Festivalzentrale der c/o pop keinen Abbruch. Mit viel Elan eröffnet TV
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25.08.2005, Köln, Panoramahaus

Köln Deutz, Donnerstag zehn Uhr morgens. Das Panoramahaus am rechten Rheinufer ist in graue Regenschleier gehüllt. Doch frühe Stunde und trübe Wetteraussichten tun dem geschäftigen Treiben in der Festivalzentrale der c/o pop keinen Abbruch. Mit viel Elan eröffnet TV-Moderator Dieter Moor im Gespräch mit Fred Kogel, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender der Constantin Film AG, Ex-Sat-1-Programmchef und noch früher Radiomacher in Bayern, in Business-tauglicher Talkmanier die "Conference", den Kongressteil des Festivals. Wo es sich jetzt Anzughosen und Sneakers zwischen den Stühlen gemütlich machen, wurde vor wenigen Stunden noch mächtig geschwitzt. Egoexpress und Acid Pauli gaben in der Nacht zuvor stilgerecht die Marschrichtung für die nächsten Tage vor und sorgten für eine massive Szenezusammenrottung aller verfügbaren Kölschen Elektronikkreativkräfte. Viele schöne Menschen, Lautstärke, Euphorie - und als Draufgabe der Domblick als Geschenk.

Aber zurück zum nüchternen Tagesgeschäft. Bei der Conference soll es vor allem um Bestandsaufnahmen und Zukunftsausblicke in den maßgeblichen Bereichen des Musikgeschäfts gehen. Am ersten Kongresstag steht nach der Moor-Kogel-Einführung auch gleich der zentrale Faktor der aktuellen Entwicklungen im Brennpunkt: Null und Eins, sprich digitale Inhalte und die Verbreitung derselben. Eine Spur zu brav werden in den Panels zu "Popfernsehen in der digitalen Nische" (u.a. mit Intro-Autor Georg Boskamp als Vertreter von Trace TV), Download-Shops und Netlabels (moderiert von Intro-Autor Moritz Sauer) jeweils allgemeine Einführungen in die Materie gegeben, die den fachkundigen und interessierten Gästen mehrheitlich wohl bestens vertraut sind.

Allerdings ergeben sich bereits aus den durchwegs überlegt und sinnvoll besetzten Panels interessante Konstellationen. So bietet in der Diskussion über Netlabels Marcel Janovsky von Treibstoff Recordings und MPO als Vinyl-Pragmatiker einen spannenden Gegenpol zu Martin Wisnowski von 2063music.de: Engagierte Labelarbeit mit dem Ziel, als Unternehmen zu funktionieren trifft auf die idealistische Selbstausbeutung für frei verfügbare Musik im Netz. Und im Gespräch zur Zukunft des Musikfernsehens offenbart allein die Situation, in der sich Tobias Trosse von Viva plus befindet, die paradoxe Gesprächsgrundlage: Seine Verärgerung über den MTV-Viva-Deal ist durchaus herauszuhören, allerdings hütet er sich davor, zu konkrete Aussagen zu treffen, da er noch sechs Monate lang an seinen Brötchengeber gebunden ist und erst danach sein Glück als Selbstständiger versuchen will. Danke auch für das knackige Statement: "Alles im Fernsehen ist scheiße, ich gucke zu Hause überhaupt nicht mehr."

Das Panel zu Urheberrecht und den Creative Commons Lizenzen beweist einmal mehr, dass die Fakten, die durch die Möglichkeiten und die Nutzung des Internets speziell im Hinblick auf Musikkonsum geschaffen wurden, unseren Denkgewohnheiten und natürlich auch den gesetzlichen Regelungen mindestens einen Schritt voraus sind. So spannend sich die Diskussion auch gestaltet, ein Lösungsansatz für diese Problematik scheint trotz der Möglichkeiten, die Creative Commons bieten, noch in weiter Ferne zu liegen.

Die Zeit verfliegt bei solch fesselndem Konferenzstoff, das Panoramahaus gibt am frühen Abend wiederum die Bühne für eine massive Szenezusammenrottung, diesmal der altgedienten sowie gegenwärtig rackernden JournalistInnengilde, denn die MCs Carolin Matzko und Klaus Walter zelebrieren einen Festakt für 25 Jahre Spex. Der vollzieht sich - wie könnte es anders sein - in Form von angeregt intellektueller Unterhaltung und der Präsentation von geheimem Videomaterial aus den Redaktionsräumen. Für das beste Schlusswort an einem diskussionsreichen Tag sei Hans Nieswandt gedankt: "Hier schweben noch viele Emotionen im Raum. Die werden sich heute Abend bestimmt noch auf wundersame Art entladen." In diesem Sinne: Zweite c/o-Pop-Nacht, du magst kommen!