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»Verschleppt«: Neues aus Sawbrücken

So war der Tatort gestern

Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten »Tatort«.
Geschrieben am

Im Vorfeld des Saarbrücker Tatorts »Verschleppt« rief Schauspieler Stefan Becker in einem Interview die Zuschauer dazu auf, den letzten Fall des vom SR geschassten Ermittlerduos Kappl/Deininger nicht anzuschauen. Das Drehbuch sei schlecht, es enthalte zahlreiche Logikfehler. Nun ist das erstens nichts, was der neueste Fall exklusiv für sich beanspruchen könnte und zweitens wissen PR-Profis, dass eine solche Aussage natürlich erst recht die Geier und Katastrophentouristen anzieht. Zudem scheint Stefan Becker derzeit einfach ein bisschen verstimmt zu sein, immerhin verlief die Trennung wohl nicht so einvernehmlich, wie man auf Seiten des Senders pflichtbewusst kommentierte.

Die kurze Zündschnur seines Darstellers hat Kommissar Deininger offenbar geerbt, jedenfalls WIRD ZIEMLICH VIEL GEBRÜLLT. Jedes Verhör, jeder Fehler eines Kollegen endet in einer cholerischen Schimpftirade, so wie jede Kamerafahrt im gleißenden Spektrallicht am Ende eines langen Korridors zu enden scheint. Denn »Verschleppt« ist in erster Linie wohl als Versuch zu deuten, den Sonntagabendzuschauer subtil für den Torturehorror von »Saw« bis »Hostel« zu begeistern. Fast scheint es, als hätte jemand jene Vorlagen mit den Schauspielern von »Vorsicht, Falle« neu verfilmen wollen. Denn - um es vorwegzunehmen - das grausamste an »Verschleppt« sind tatsächlich jene 0815-Horror-Stilmittel, die sich an ätherischen Mädchen, Kinderabzählversen und dem ausdruckslosen Kindergesicht einer Aushilfs-Christina-Ricci abarbeiten. Kombiniert mit Fahrstuhl-Kamerafahrten durch die Erdschichten wie wir sie beispielsweise auch aus den »Fraggles« kennen.
[usercomment=http://www.intro.de/forum/plink/3/1075711636/1327265484]Mann, aus dem Fall hätte man echt was machen können, der war ja höchst beunruhigend und gruselig.[/usercomment]
Der eigentliche Plot ist dabei nicht mal das Problem und hätte mit etwas mehr Inszenierungskompetenz zu wesentlich mehr gereicht, als »Verschleppt« am Ende zu bieten hat. So lebt der letzte Fall des gegenwärtigen Saarbrücker Duos vor allem von der durchaus vorhandenen Spannung, was man ja auch von Fußballspielen behauptet, die spielerisch wenig zu bieten haben. Dass zwar einerseits durchaus differenziert zwischen Kindesmissbrauch und Pädophilie unterschieden wird, die Darstellung des pädophilen Verdächtigen Andi Mollet (Thomas Bastkowski) und seines Psychologen Dr. Vogeler (Andreas Anke) sich aber wiederum holzschnittartig aller Klischees bedient, muss als weitere Beleg herhalten, dass hier mit etwas mehr Mühe und Sorgfalt mehr drin gewesen wäre. Als letzter Vorhang für das scheidende, eigentlich sympathische Duo Kappl/Deininger (Maximilian Brückner / Stefan Becker) indes immer noch alles andere als die Beleidigung, zu der sie Stefan Becker hat machen wollen.

Das war super: »Gut geschlafen trotz der harten Kissen?« - Deininger und Kappl haben mal wieder am Schreibtisch übernachtet.
Das war mies: Den Vater des Opfers parkt die Polizei kurz ausgerechnet in dem Raum, wo alle Indizien und Fotos des vermeintlichen Täters hängen. WTF?

Nächsten Sonntag (29.01.) ermittelt dann wieder Bodenseepferdchen Klara Blum und ihr jungenhafter Kollege Perlmann in »Schmuggler«.

Den aktuellen »Tatort« kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.

»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
Im Forum diskutieren Intro-User über vergangene und aktuelle Tatorte.

Alle Texte zum Thema »So war der Tatort gestern« unter
www.intro.de/spezial/sowardertatort.