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Musikindustrie entdeckt Stalking

Verklagen reicht nicht

Wenn es um das Verklagen der eigenen Kundschaft geht, pocht bekanntlich sowohl die Musik- als auch die Filmindustrie auf die Einhaltung bestehender Gesetze, schließlich sind sie es auch, die mit finanzstarker Lobbyarbeit kräftig ihre Ausgestaltung beeinflussen. Es gibt allerdings auch Bereiche, bei
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Wenn es um das Verklagen der eigenen Kundschaft geht, pocht bekanntlich sowohl die Musik- als auch die Filmindustrie auf die Einhaltung bestehender Gesetze, schließlich sind sie es auch, die mit finanzstarker Lobbyarbeit kräftig ihre Ausgestaltung beeinflussen. Es gibt allerdings auch Bereiche, bei denen schon einmal ein Auge zugedrückt wird. Jedenfalls häufen sich in letzter Zeit Berichte von Leuten, die sich von der Recording Industry Association of America (RIAA) bzw. der Motion Picture Association of America (MPAA) verfolgt fühlen. Wäre man Jurist, man würde wahrscheinlich von Stalking sprechen.

Da wäre zum Beispiel die Geschichte von Patricia Santangelo, einer allein erziehenden Mutter von fünf Kindern, die im letzten Jahr von der RIAA verklagt wurde und deren Fall für einiges Aufsehen sorgte. Wie deren Anwalt gegenüber der Internetseite p2pnet berichtete, habe man versucht, seine Mandantin einzuschüchtern, indem man persönliche Informationen über ihre Kinder sammelte: "They've started to push back aggressively. They're going after her children - and this time not directly so they can get around certain protections the children have. They had information about the children that wasn't public, or wasn't supposed to be public, and it's of great concern not only that that they were able to obtain it, but also that they wanted it."

Doch nicht nur der Müll von Hausfrauen, die immer wieder ihre Unschuld beteuern, wird durchwühlt, auch Nikki Hemming, die als CEO von Sharman Networks unter anderem die Tauschbörse KaZaA betreibt, kam beispielsweise in den Genuss einer mehrmonatigen, ununterbrochenen Überwachung.

Und da man sich nicht schon wieder das Verschlafen einer Entwicklung vorwerfen lassen wollte, setzt inzwischen auch die MPAA Privatdetektive auf die Betreiber unliebsamer Seiten an. "For those of you who haven't followed the Swedish news, a quite funny (or tragic) thing has surfaced: Apparently, on several different occasions, MPAAs Swedish lawyers hired a private eye to stalk me! This must've been very entertaining for the poor Tex Murphy clone doing the actual groundwork, as my daily activites can basically be summed up as "eat, sleep, work" (often on very odd hours)", schildert zum Beispiel ein Pirate-Bay-Mitarbeiter seine Erlebnisse im Blog auf der Seite der schwedischen BitTorrent-Suchmaschine.

Im jüngsten, bekannt gewordenen Fall zahlte die MPAA offenbar 15.000 US-Dollar an einen Hacker, der dafür Informationen über die Macher von torrentspy.com beschaffen sollte. "We don't care how you get it", soll hier laut diesem Bericht die unmissverständliche Anweisung gelautet haben. Das wäre exakt dieselbe Haltung, welche die Industrie immer wieder an den Internetusern kritisiert.