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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Verena Reygers im Gespräch mit James Friley

Wer zum Teufel ist eigentlich James Friley?

James Friley bahnt sich von Kentucky aus seinen Weg zu Produzentenruhm – ohne Glamour, sondern mit Schüchternheit und sympathischer Gestrigkeit: Sein Auto fährt mit Kassettendeck, seine Musik setzt auf Beach-Boys-Flair.
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James Friley alias Idiot Glee ist ein Mann, der das unauffällige Leben schätzt: Er wohnt in Lexington, einer mittelgroßen Stadt in Kentucky. Trägt Karohemden und Wollpullis, die ihn wie eine Mischung aus Physikstudent und Lebensmittelkontrolleur wirken lassen. Und manchmal isst er ein Eis. Oder er fährt Auto. Dass er dabei ganz oldschool Musikkassetten hört, macht ihn schon wieder besonders. Dass es sich dabei bevorzugt um »Pet Sounds« von den Beach Boys handelt: zeitlos. »Ich habe das Tape vor einigen Jahren auf dem Flohmarkt gefunden und es danach nonstop im Auto rauf und runter gehört. Erst Später wurde mir klar, wie sehr mich das für meine eigene Musik beeinflusst hat.« Als Idiot Glee setzt der 23-Jährige auf butterweiche Keyboard-Melodien mit nölendem Gesang. Gerade kantig genug, um den Pop auflaufen zu lassen. »Post-doo-wop« nennt er das. Ein Sound, der ähnlich unaufgeregt daherkommt
wie sein Schöpfer, es aber in sich hat, wenn man die spröde Oberfläche aufkratzt.
Ideal für das Londoner Label Moshi Moshi, das mit Künstlern wie Hot Chip, James Yuill
oder Kate Nash schon immer einen Riecher für den freundlichen Musiker von nebenan
hatte, der in seinem Schlafzimmer die hipsten Partys feiert. Vom NME heißt es über Idiot Glees Debüt »Paddywhack«, es sei die Art von Musik, die Panda Bear machen würde, hätte er Sinn für Humor. Um sich dann an anderer Stelle über Friley lustig zu machen, weil er als Mormone weder trinke noch fluche. Um in Lexington mit diesen – nennen wir sie ruhig – Charaktereigenschaften negativ aufzufallen, braucht es wahrscheinlich aber nicht mal den religiösen Hintergrund: Die 250.000 Einwohner-Stadt zählt zu den saubersten in ganz Amerika. Sympathisch, wenn Friley diese Tugendhaftigkeit seines Wohnorts als angenehm bezeichnet, um im nächsten Satz Berlin für seinen »shitty look« zu loben. In Lexington lebt Friley auch deshalb, weil er dort klassisches Klavier studiert hat, bevor er sich vor anderthalb Jahren für die Laufbahn als Vollzeitmusiker entschied. Der bescheidene Erfolg gibt seiner Entscheidung zwar recht, bloß zum Leben reicht es dann doch nicht. »Ich habe auch noch nicht herausgefunden, wie das überhaupt funktionieren soll«, sagt er, und man möchte ihm durchs Telefon einen Zehn-Dollar-Schein zustecken.



Vor Kurzem hat Friley wieder einen Job angenommen: In einem Restaurant sitzt er an der Kasse. Er mag den Job – »weil ich damit Geld verdiene«. Neben Geld wünscht sich der Newcomer noch mehr Selbstbewusstsein: »Bei einigen Live-Shows hatte ich im letzten Jahr Probleme mit dem technischen Equipment. Das macht mich dann immer wahnsinnig.Ich werde nervös und vor Aufregung ganz rot im Gesicht«, gibt er zu. »Am schlimmsten ist für mich die Vorstellung, dass das Publikum denkt, ich sei ein mieser Musiker. Aber ich muss lernen, damit klarzukommen, das lockerer zu nehmen.« Was wir Idiot Glee deshalb zuversichtlich mit auf den Weg geben wollen: Mit Schüchternheit haben es auch schon andere zu Ruhm gebracht.