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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Van Dyke Parks

Wer zum Teufel ist eigentlich

Neben der nicht hoch genug einzuschätzenden Rolle als Arrangeur, Produzent und Texter für 60er-Jahre-Künstler wie Tim Buckley, The Byrds, Beach Boys oder Phil Ochs ist Van Dyke Parks auch immer wieder als Solokünstler in Erscheinung getreten. Sein reflektierter Umgang mit Popmusik galt nicht weniger als zukunftsweisend. Von dieser Superkraft legen nun dank der Wiederveröffentlichung seine ersten drei Soloalben erneut Zeugnis ab.
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»Ich habe nie versucht, einen Radiohit zu schreiben. Diesen Zug habe ich definitiv verpasst«, so die Selbsteinschätzung des Mannes, der, wenn es nach den anderen Musikern seiner primären Schaffensepochen – den 60ern und 70ern – geht, als unglaubliches musikalisches Genie gilt. Statt sich bei all der Huldigung selbst ins Zentrum zu stellen, zieht es Van Dyke Parks vor, am Rande zu agieren. Auf dem Cover seines Debütalbums »Song Cycle«, erschienen 1968, zum Höhepunkt der Hippie-Mania also, sieht man ihn mit bravem Seitenscheitel und nerdiger Hornbrille. »Ich war Gegen-Gegenkultur«, kommentiert er das Foto heute. »Ich habe zwar auch der Gegenkultur gedient, aber ich stand immer ein bisschen außerhalb.«
Tatsächlich wahrt das Album große Distanz zur Emotionalisierungsrhetorik damaliger Rockmusik, indem es Gitarren durch filigrane, extrem formalisierte Orchesterarrangements ersetzt. Parks dazu: »Die Leute assoziieren die späten 60er immer mit Psychedelic, Peace and Love – völlig marginal in Relation zu den TV-Bildern von in Napalm getränkten vietnamesischen Babys, die jeden Abend zum Dinner in unsere Wohnzimmer gesendet wurden.«

Auf dem 1972 erschienenen Album »Discover America« und dem drei Jahre später veröffentlichten »Clang Of The Yankee Reaper« gibt er die Autorenschaft als Songwriter vorübergehend auf, um mittels obskurer Calypso-Songs aus Trinidad einen fremden Blick auf die USA in den Fokus zu rücken. Auf diese Weise entstehen zwei legere Konzeptalben über Kolonialismus.

Legendär ist Van Dyke Parks’ Zusammenarbeit mit Brian Wilson anlässlich von »Smile«, jenem sagenumwobenen Beach-Boys-Album, 1966/67 aufgenommen, das offiziell erst 2011 erschien. Heute sind Parks’ Gefühle gegenüber dem Werk zwiespältig: »Ich denke, ›Smile‹ gehört zu der Sorte Platte, über die die Leute eher reden, als dass sie sie tatsächlich hören.« Seine Reaktion auf die aktuelle Beach-Boys-Reunion mit Brian Wilson fällt ebenfalls argwöhnisch aus: »Es wäre doch furchtbar zu denken, dass jemand Brian zu dem Album gedrängt hat, um Geld zu machen, oder?« fragt er spöttisch.

Mit 69 Jahren ist Van Dyke Parks so aktiv und produktiv wie nie zuvor: Ende 2011 erschienen sechs inhaltlich sozialrealistisch ausgerichtete 7-Inch-Singles, die dabei helfen sollen, das klassische Songformat zu rehabilitieren. »Das Songformat ist die größte Chance für politischen Austausch. Um der Politik ein Echo zu geben und die Erde zu schützen, braucht man Agitation in Form von Songs. Ich bin immer noch dabei zu lernen, wie man den Song perfektioniert. Ich glaube, die besten Songs liegen noch vor mir.«