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Update: GEMA veröffentlicht Stellungnahme

Grooveshark

Während die GEMA den Musikstreaming-Dienst Grooveshark hierzulande abstellt, schließt sich EMI als letzter Major der Klage gegen das kalifornische Unternehmen an.
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Bei einem guten Bluff ist das Timing die halbe Miete – wer zu lange zögert, gerät schnell in Zugzwang. Das muss der Musikstreaming-Dienst Grooveshark gerade am eigenen Leib erfahren. Jahrelang köderte die Plattform Millionen von Usern mit einer umfangreichen Auswahl an kostenloser Musik. Statt die notwendigen Lizenzvereinbarungen von vornherein zu klären, wollte man sich mit einer ausgewachsenen Community zunächst eine solide Verhandlungsbasis gegenüber den Major-Labels aufbauen.

Doch spätestens als die Universal Music Group im November ankündigte, gegen den Dienst der Escape Media Group Inc gerichtlich vorzugehen, hatte es sich mit den Verhandlungen erledigt. Jetzt steht bei über 100.000 illegal hochgeladenen Songs aus dem Universal Katalog ein Streitwert von 15 Milliarden Dollar im Raum. Wenige Wochen später schlossen sich sukzessive Sony, Warner und zuletzt EMI der Klage an.

Hierzulande wurde der Dienst nun abgestellt, was allerdings weniger mit den laufenden Verfahren zu tun hat, sondern vielmehr mit der Verwertungsgesellschaft GEMA. »Aufgrund unverhältnismäßig hoher Betriebskosten stellt Grooveshark den Zugriff aus Deutschland ein«, heißt dort etwas umständlich. Erst folgender Nebensatz verschafft Klarheit: »Wenn Sie die Betriebskosten für Anbieter wie Grooveshark herabsetzen wollen, können Sie eine höfliche Nachricht an die GEMA zu schicken.« Gleichzeitig wird auf den (legalen) deutschen Streaming-Dienst Simfy verwiesen, der in einer aktuellen Pressemitteilung eine Partnerschaft ankündigte.

Am Ende dürfte Grooveshark vor allem als Lehrstück in Sachen digitaler Blauäugigkeit in die Annalen des Webs eingehen – mit einigen Fußnoten zur Dehnung rechtlicher Grauzonen. Wer glaubt mit weit über 30 Millionen Usern im Anhang unter dem Radar tauchen zu können, der kann ebenso ein Kaufhaus für Hehlerware am Kurfürstendamm eröffnen. Die Erfolgschancen dürften in etwa gleich sein.

Update:

Die GEMA hat nun eine Stellungnahme zur Sache auf ihrer Webseite veröffentlicht. Dort heißt es unter anderem: »Der Anbieter Grooveshark hat seinen Dienst in Deutschland - entgegen seiner Angaben - nicht wegen unverhältnismäßig hoher Betriebskosten eingestellt. Vielmehr weigert sich Grooveshark grundsätzlich, den von ihm betriebenen Dienst überhaupt in irgendeiner Form zu vergüten.«