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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Master Sessions 1

Up, Bustle & Out

Die Theorie ist folgende: wenn eine Kultur ein bißchen ermattet, dekadent wird und der eigene Antrieb nachläßt, ständig neu die Sonne ans Firmament zu pinnen, dann ist das Beste, was sie tun kann, sich mit möglichst vielen anderen Kulturen zu vermischen. Was für die alten Römer galt, trifft heute ge
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Autor: intro.de

Die Theorie ist folgende: wenn eine Kultur ein bißchen ermattet, dekadent wird und der eigene Antrieb nachläßt, ständig neu die Sonne ans Firmament zu pinnen, dann ist das Beste, was sie tun kann, sich mit möglichst vielen anderen Kulturen zu vermischen. Was für die alten Römer galt, trifft heute genauso auf die Tanzmusik-Kultur (klar, Reinheitsgebote sind manchmal auch anregend, etwa bei Konzept-Techno) zu. Aber die Ergebnisse sind meist entzückend, wenn man mit Respekt und Verständnis agiert - siehe Afrobeat-House oder brasilianischen NuJazz. So ähnlich denkt und handelt das Musikerkollektiv Up, Bustle & Out um Honcho Senor Rudi schon lange: die Truppe reist bevorzugt durch die sogenannte Zweite und Dritte Welt, sammelt Klangfragmente auf ihren Minidiscs und amalgamiert sie im heimatlichen Großbritannien mit modernen Beats. So eine Art akustische Reise-Diashow also. Über ihre Musik schrieb mal jemand treffend, sie sei leider nur in Coldcut-DJ-Sets erträglich, denn allein genossen einfach zu ethno-daddelig und teesockig. Davor rettet sie auf diesem ersten wirklich großartigen Up, Bustle & Out-Album die trendige Hausfrauen-Tourismus-Insel Kuba. Die „Master Sessions 1“, zur Hälfte auf dem schwülen Eiland entstanden, verströmen Lebensfreude ohne Trekking-Seligkeit. Statt dessen zeigen sie, wie sehr Musik, besonders rhythmusorientierte, in allen Kulturkreisen - vor allem sonnenbeschienenen - als universelle Sprache funktioniert. Zwischen astreinen Buena Vista Social Club-Stücken und tief unten pumpenden Dopebeats entfaltet sich hier ein wunderschönes kleines Sommerjuwel. Eklektizismus lebt länger, breit gestreute Genvermischung stärkt nämlich das Immunsystem.