×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Smudo und Michi Beck über Schwaben und Badener im Nationaltrikot

Und die WM, Fanta 4?

Die Fantastischen Vier im Gespräch mit 11Freunde-Redakteur Tim Jürgens über Fußball und Musik.
Geschrieben am
Für die Fantastischen Vier gibt es Wichtigeres als Fußball. Dennoch diskutierten Smudo und Michi Beck mit 11Freunde-Redakteur Tim Jürgens über die gesellschaftlichen Parallelen zwischen dem Spiel und Musik. Mit interessanten Erkenntnissen: Warum keine Band je die Wahrnehmung eines Vereins erreichen wird. Wie sich Michi Beck in der Gesellschaft von Profis fühlt. Und ob es einen Zusammenhang zwischen sportlichem Erfolg und dem schwäbischen Wesen gibt.

Albert Camus hat mal gesagt: "Alles, was ich über Moral und menschliche Verpflichtung weiß, verdanke ich dem Fußball." Für euch als Band nachvollziehbar?
Smudo: Mich fasziniert dieser Zirkus, der um den Fußball gemacht wird: Die Technik eines perfekten Schusses. Das globale Gedächtnis der beiden Teams, die gegeneinander spielen. Die Fans. Das betriebswirtschaftliche Geschachere. Ein  Biotop, bei dem man wunderbar zuschauen kann. Und natürlich bilden sich auf dem Rasen und Drumrum alle gesellschaftlichen Bereiche ab: den Haudrauf, den Sensiblen, den Trickser.

Michi Beck: Wenn ich unsere Band in eine Aufstellung packen müsste, wäre Andy Y. der Torwart. Der Mann, der uns den Rücken freihält. Thomas D. ein Mittelstürmer…
S.: Ein Abstauber?! Und Du bist dann wohl der Libero?
M.: Den gibt es nicht mehr. Aber Du und ich wir wären die Spieler irgendwo dazwischen.

Wasserträger oder Führungsspieler?
M.: Bei uns gibt es nur Führungsspieler – das ist manchmal auch das Problem.
S.: Wir haben einen Torwart, einen Mittelstürmer und zwei Mannschaftskapitäne. Ähm, zweieinhalb.
M.: Ich bin eineinhalb Mannschaftskapitäne.

Spaß beiseite. Thomas D. ist nur eine halber Teamkäpt’n?
S.: In vielen globalen Image- und Strategiefragen ist Thomas etwas weniger interessiert als Michi und ich.

Die Festivalsaison fällt diesmal mit der Fußball-WM in Südafrika zusammen. Ein Blick in den Fanta-4-Tourplan verrät: Ein Grund für Euch, keine Gigs zu spielen?
M.: Mir war wichtig, dass ich alle Spiele der Deutschen sehen kann, möchte so viel wie möglich von der WM mitbekommen. Wegen des Vorrundenmatchs gegen Ghana habe ich extra eine Verabredung verschoben.
S.: Ich bin ja Motorsportfan und mein Fußballkonsum ist eher wie bei vielen Mädchen.

Das bedeutet?
S.: Ich bin nur bei den wichtigen Spielen dabei.

Ihr macht im Juni fast gar nichts – obwohl das neue Album "Für dich immer noch Fanta Sie" Mitte Mai erschienen ist. Eine betriebswirtschaftliche Entscheidung, weil sich wegen der WM ohnehin niemand für Musik interessiert?
M.: Ich glaube, bei der WM 2006 im eigenen Land war die Euphorie besonders. Da sind fast alle Dinge, die außerhalb des Turniers liefen, danebengegangen. Aber diesmal wird das nicht so extrem. Diesmal werden sich vor allem am Anfang zunächst nur die echten Fans dafür interessieren.

Der Bundestrainer, Jogi Löw, stammt aus Baden, wird von vielen aber als Schwabe assoziiert.
M.: Er ist Bodensee-Badenser, der seltsamerweise schwäbisch spricht.
S.: Und zwar so ein süßliches Schwäbisch wie der Klinsmann.

Habt Ihr eine Erklärung dafür, warum nach der Jahrtausendwende ausgerechnet zwei schwäbisch sprechende Trainer die deutsche Nationalelf wieder auf Erfolgskurs brachten?
M.: Vielleicht spielt da der Fleißaspekt eine Rolle, die Zuverlässigkeit, die im schwäbischen Gen verankert ist. (lacht.)
S.: Alles reiner Zufall. Sonst wäre früher auch das rheinische Wesen im Fußball revolutionär gewesen, denn von dort kamen viele Trainer. Als Kind dachte ich jedenfalls immer, dass Fußballtrainer grundsätzlich rheinisch sprechen.

Weihnachtslieder und Fußballsongs haben in kargen Musikzeiten immer noch das Zeug zum Evergreen, zumindest wenn sie Hitpotential haben.
M.: Aber leider spiele ich in einer Band, in der sich drei Mitglieder nur sehr beiläufig für Fußball interessieren.
S.: Im Übrigen machen wir ohnehin keine geplanten Songs, sondern schreiben über die wichtigen, bedeutenden Leitlinien und Gefühle unseres Lebens. Obwohl wir fraglos alle den Flavour von Fußball klasse finden.

Den "Flavour von Fußball"?
S.: Hör dir mal "Troy" an. Die Backings, einige Chöre, das sind einige Referenzen an Fußballschlachtrufe.

Was macht die Atmosphäre beim Fußball so außergewöhnlich?
S.: Stimmung passiert beim Fußball einfach. Was wir beim Konzert durch Ansagen oder Musik inszenieren, entsteht beim Fußball über eine unerwartete Aktion oder weil zwei gegnerische Fangruppen zusammen in einem Stadion sind und singen.
M.: Siegen und besiegen ist ein Urinstinkt, der bei Menschen unfassbare Euphorie oder Trauer hervorruft. So etwas gibt es bei darstellender Kunst einfach nicht.

Letztes Jahr habt ihr in Stuttgart ein Konzert vor 60 000 Zuschauern gespielt – wie beim Fußball. Ist das Stadionkonzert immer noch die Königsdisziplin für eine Band?
S.: Das lässt sich so nicht sagen. Natürlich war es ein bewegender Moment, vor so vielen Menschen zu spielen. Aber ein Clubkonzert hat auch seine besonderen Reize.
M.: Es war auch deshalb sehr bewegend, weil der komplette VfB-Stuttgart-Kader im Publikum war.

Gibt es viele Schnittstellen von euch zu den Profis des VfB?
M.: Wir haben auf der Meisterschaftsfeier des VfB 2007 gespielt. In solchen Momenten sind wir schon gegenseitig aufeinander stolz. Im Stadion wurde später dann auf der Anzeigentafel auf unser Konzert am Cannstatter Wasen hingewiesen.
S.: Da wäscht eine Hand die andere.
M.: Ich finde es super, dass wir in dieser Stadt eine Größe erreicht haben, wo wir auch über den Fußball in Verbindung zu den Leuten treten. Das schmückt uns. Denn ganz ehrlich: Die Größenordnung eines Klubs wie dem VfB kann eine Band nicht erreichen.
S.: Mit anderen Worten: Für dich, Michi Beck, mit den VfB-Profis auf du und du zu sein, ist der Eintritt in den Adelsstand.
M.: (lacht.) So ungefähr.

Mit Sami Khedira, Serdar Tasci und Cacau stehen drei Stuttgarter im WM-Kader.
M.: Und Mario Gomez kommt eigentlich auch von uns. Aber man muss auch loslassen können.

Glaubt Ihr, die Löw-Truppe hat das Zeug zum Weltmeister?
M.: Es betrübt mich zwar, aber ich kann es mir nicht vorstellen. Vielleicht eher Argentinien?

Smudo, wer wird Weltmeister?
S.: Wenn das Material hält: Sebastian Vettel. Das würde ich mir wünschen. Womit wir dann doch beim Motorsport gelandet wären.
S.: Obwohl Jenson Button auch verdammt stark fährt. Gönnen würde ich es Felipe Massa.
M.: (nachdrücklich.) Smudo, wer wird Fußball-Weltmeister.
S.: Woher soll ich das wissen?