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und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

»Und Äktschn!«

Immer donnerstags präsentieren wir euch die wichtigsten neuen Kinostarts und weitere Trailer.
Geschrieben am

»Und Äktschn!«: Hitler? Wurscht!

 

Gerhard Polts Hitlerfilm ist gar kein Film über Hitler, sondern ein Film über Hitlerfilme. Ein Film über Deutschland und seine Liebe zum »Untergang«.

 

Im bayrischen Neufurth sind die Protestschilder gegen den Fluglärm allgegenwärtig, die Straßen ansonsten leer. In dem Kaff hegen nur Sparkassen-Filialleiter Faltermeier und der erfolglose Filmemacher Hans A. Pospiech höhere Ambitionen. Faltermeiers Idee des Kultursponsoring, die »Goldene Klappe« für ein herausragendes Filmprojekt, kann deshalb bloß einen Gewinner haben.  Und Pospiech hat Großes vor. »Hitler privat« möchte er auf der Leinwand zeigen. Mit dem Feuer eines verkappten Genies, dem nach eigener Auffassung lediglich die Kohle fehlt, um ein echtes Genie zu sein, zieht er den örtlichen Filmclub in die Sache hinein.

»Und Äktschn!« heißt Gerhard Polts Film über Pospiechs Provinzposse. Er setzt sich ästhetisch kaum von den Hobbyfilmkünsten der Hauptfigur ab, wirkt wie ein Fernsehspiel oder ein Tatort. Die Morde sind halt schon eine Weile her, Juden kämen in seinem Film auch gar nicht vor, wie Pospiech hervorhebt. Später am Set, wo es um Hitlers Schnurrbart oder seinen Tonfall geht, trichtert der Regisseur dem Ensemble ein: »Was historisch richtig ist, bestimme ich!«  Eine Aussage, die auch die Macher des Blockbusters »Der Untergang« unterschreiben müssten. Die Assoziation ist kein Zufall, erinnert Pospiechs Hitler doch stark an das Führer-Gespenst aus dem »Untergang«. Eigentlich möchte Günther Fleischbauer den Gröfaz, im Gegensatz zu Bruno Ganz, als lächerliche »Wurscht aus Braunau« darstellen. Als Depp, der er seiner Meinung nach gewesen ist. Aber weil Grete, Verzeihung Eva Braun, dauernd nörgelt, der Führer habe doch »Charisma« gehabt, sonst wären ihm schließlich die Millionen nicht nachgelaufen, wird »Adi« allmählich zum Wutführer von Ganzschen Ausmaßen. Zum Glück können bayrische Streifenpolizisten die Hochzeit der beiden im Führerbunker noch verhindern, sie wären ja doch nicht zusammen alt geworden.


Pospiech-Darsteller und Ko-Autor Gerhard Polt ist mittlerweile 71 Jahre alt. Er pflegt die Detailversessenheit eines Loriot, aber Polt witzelt weniger aristokratisch, er ist ein Kabarettist des kritischen Bürgertums, wie es in der Bundesrepublik gewachsen und nun vom Aussterben bedroht ist. Seit den 1970er Jahren hat er viele Preise gewonnen und sich pflichtbewusst revanchiert, sprich mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten angelegt. 1987 feierte er mit »Man spricht deutsh« unter der Regie von Hanns Christian Müller einen beachtlichen Kinoerfolg. Später war er mit der Biermösl Blosn und den Toten Hosen unterwegs, auf CDU- oder CSU-Veranstaltungen werden seine Filme aber wohl niemals laufen.


»Und Äktschn!« ist ein stellenweise beißend komisches, mitunter trotzig kalauerndes Alterswerk. Distanzieren, wie es Helge Schneider nach seiner Hauptrolle in Dani Levys »Mein Führer« tat, muss sich davon niemand, weder  Gisela »Eva« Schneeberger noch Robert »Adi« Meyer, und auch nicht Prashant Prabhakar als indischer Koch Herr Suk, der in Pospiechs Version der Geschichte den Goebbels gibt. Sowohl die deutsche Gesellschaft als auch das Kino, das sie hervorbringt, zieht Polt durch ihren eigenen Saft. Mit der Erkenntnis als Sahnehäubchen, dass man keinen Film über den Menschen Hitler machen kann, ohne die Massen, die ihn wählten und für ihn mordeten, vom Nationalsozialismus freizusprechen, die Opfer zu verhöhnen und sich selbst lächerlich zu machen. Da wird einem noch mal klar, was für eine miese Farce »Der Untergang« war.

 

R: Frederick Baker; D: Gerhard Polt, Gisela Schneeberger, Robert Meyer

 

 

 

Auf der nächsten Seite: »Robocop«, »Free Birds« und »Meine Schwestern«

»Robocop«

 

Polizist Alex Murphy wird bei einem Anschlag beinahe getötet. Der Konzern OmniCorp eröffnet ihm eine Chance auf körperliche Wiederherstellung, indem sie Alex als Testobjekt in einen hochentwickelten Roboteranzug stecken. Der Science-Fiction-Klassiker aus den 80ern bekommt im Remake eine zeitgemäße Optik verpasst und verhandelt altbekannte Probleme im Konfliktfeld der Menschmaschine: Künstliche Intelligenz, die Rebellion der Schaltkreise und die Kehrseite moderner Verbrechensbekämpfung.

 

 

 

 

 

»Free Birds - Esst uns an einem anderen Tag« (auch in 3D) 

 

Rasante 3D-Fabel über den Truthahn Rieggie, der erkennt, dass er und seine Artgenossen nur ein Teil der menschlichen Verwertungskette sind. Vom Präsidenten höchstpersönlich begnadigt, beginnt mit dem Verlassen der Farm eine absurd-komische Reise, die den Vogel letztendlich sogar ins 17. Jahrhundert katapultiert.

 

 

 

 

 

»Meine Schwestern«

 

Linda, mit einem schweren Herzfehler zur Welt gekommen, ahnt im Angesicht einer komplizierten Operation, dass mit 30 Jahren ihr Leben enden könnte und begibt sich mit ihren Schwestern Katharina und Clara auf eine Abschiedsreise zu Orten der gemeinsamen Erinnerung. Lars Kraumes Drama erzählt von Gefühlsstrategien und familiärem Zusammenhalt in Erwartung des Todes eines geliebten Menschen.