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Umsonstfestival steht vor dem Aus

Keine Rheinkultur 2012

In einer Pressemitteilung gaben die Veranstalter bekannt, dass es keine 30. Rheinkultur in 2012 geben wird, die Zukunft des Festivals sei ungewiss.
Geschrieben am

Auf der Homepage des Rheinkultur-Festivals wurde heute Morgen, am Tag des Mauerfalls, eine bestürzende Nachricht veröffentlicht: »Um es kurz zu machen: die Gesellschafter der RhEINKULTUR GmbH haben entschieden, dass es 2012 keine 30. RhEINKULTUR geben wird. Eine Zukunft für das Festival darüber hinaus ist ebenfalls ungewiss. Die Gründe dafür sind zahlreich.«
 
2010 stand das renommierte Umsonst-und-Draußen-Festival »R(h)einkultur« durch Ausbleiben der Besucher – statt der üblichen 180.000 kamen 2010 nur 60.000 an die Rheinaue – mit einem Schuldenberg von etwa 40.000 Euro noch kurz vor der Pleite. Innerhalb kürzester Zeit gelang es dank der Initiative »Rheinkultur Retter«, dem Rheinkultur-Förderverein und mithilfe der Unterstützung von Freunden, Besuchern und Fans sowie einem großen Benefizabend die drohende Krise abzuwenden und eine gute Rheinkultur 2011 auf die Beine zu stellen.

Doch warum dann die Absage der 30. Jubiläumsausgabe? Die Veranstalter »RhEINKULTUR GmbH« nennen in ihrer Pressemitteilung eine Vielzahl von Gründen, sie haben es sich mit ihrer Entscheidung, »eine drei Jahrzehnte dauernde Festivaltradition zu beenden«, nicht leicht gemacht.

Die »RhEINKULTUR GmbH« betont in ihrem Statement zwar ausdrücklich, dass man nicht pleite sei, gab jedoch zu, dass der finanzielle Unterbau immer etwas fragil war. Maßgebend für die Absage der Rheinkultur 2012 seien letztendlich die Anforderungen, die es in organisatorischer, logistischer und vor allem personeller und finanzieller Hinsicht zu bewältigen gibt. Diese seien im Rahmen des Festivalkonzeptes einfach nicht mehr erfüllbar.

Ein weiterer Grund für die Absage ist auch »die kontinuierliche Ungleichbehandlung im Vergleich zu anderen in Bonn stattfindenden Großveranstaltungen« – wie z. B. bei Auflagen und Anforderungen, die beispielsweise die ÖPNV oder Lautstärkeemissionskontrolle betreffen. Bedeutung und Strahlkraft des Festivals werden laut Veranstalter von der Stadt Bonn unterschätzt. Man dankt zwar für die Zuschüsse, sieht aber bei der Verteilung dieser eine klare Unterschätzung des Festivals seitens der Stadt.
 
Auch der Anstieg an alkoholisierten und aggressiven Jugendlichen und deren Verhalten bei Anreise und auf dem Gelände, wurde von den Veranstaltern als Grund aufgeführt. Dieses Verhalten stehe im krassen Gegensatz zur Motivation der Veranstalter und der Grundidee des Festivals. So kam es 2011 zu einem Zwischenfall während der sonst so freidlich verlaufenden Rheinkultur: Zwei rivalisierende Gruppen schürten aggressive Stimmung im Bereich der HipHop-Bühne, die den Abbruch des Konzertes der Band Haftbefehl zur Folge hatte. Eine Gruppe von Fans reagierte auf diesen Abbruch gewalttätig und stürmte kurzerhand die Bühne, worauf Polizei und Security gezwungen waren, den Bereich zu räumen – das weitere Programm auf dieser Bühne wurde komplett abgesagt.

Es wäre ein immenser Verlust, wenn die Institution Rheinkultur gänzlich aus der Festivallandschaft verschwinden würde. Ein Funken Hoffnung bleibt: Laut Bonnet.de wird die Stadt Bonn Gespräche mit den Veranstaltern aufnehmen, um Lösungen zu finden, die eine Fortsetzung der Rheinkultur ermöglichen.Reaktionen aus der Medienlandschaft:

»In einer zunehmend verkommerzialisierten Welt ein Umsonstfestival in unmittelbarer Stadtnähe anzubieten war etwas ganz besonderes. Deshalb ist der Verlust der RhEINKULTUR ein Verlust an Popkultur, nicht nur am Rhein.«
Peter Sommer / WDR Rockpalast / www.rockpalast.de

»Die Rheinkultur ist ein Mitglied der ersten Stunde im europäischen Festivalverband Yourope. Das Engagement der Exponenten Sabine Funk und Holger Jan Schmidt in den letzten 10 Jahren, vor allem in den Bereichen Health & Safety und Sustainability for Events ist beispielhaft. Ihr Einsatz hat sich maßgeblich auf die positive Entwicklung in diesen Bereichen ausgewirkt und somit auf die Verbesserung europäischer Standards an Festivals. Das Ende der Rheinkultur ist ein großer Verlust für die europäische Festivalszene und wird von Yourope mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. Gerade im Vergleich zu anderen Europäischen Ländern und deren Festivals, müsste es eigentlich selbstverständlich sein, dass sich die Behörden und Sponsoren aus der Region Bonn/Köln um den Verbleib dieses kulturellen Großanlasses für die gesamte Bevölkerungen bemühen. Das finanzielle Engagement ist im Vergleich zur kulturellen Wirkung der Veranstaltung geradezu minimal.«
Christof Huber / Geschäftsführer und Vorstandsmitglied / Yourope - The European Festival Association / www.yourope.org

»Bonn ohne Rheinkultur ist schwer vorstellbar. Und leider ist das wohl meistens so: die Stadt merkt erst, was sie hatte, wenn es weg ist. Und nur Beethoven reicht dann wohl eben nicht.
Mit der Rheinkultur verlieren wir zudem einen echten Vorreiter im Bereich Green Festivals in Deutschland. Das Team um Sabine Funk und Holger Schmidt hatte schon nachhaltig produziert, als andere das Wort noch nicht einmal kannten. Bleibt zu hoffen, dass zumindest ihr Wissen der Branche erhalten bleibt. Wenn nicht in Bonn, dann eben woanders...«
Jacob Bilabel / Gründer Green Music Initiative / www.greenmusicinitiative.de