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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kleines Label auf großer Fahrt

Übersee in Übersee

Ab jetzt exklusiv bei uns im Blog: Die Erlebnisse der Crew von Übersee Records in Lateinamerika.
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Ab jetzt exklusiv bei uns im Blog: Die Erlebnisse der Crew von Übersee Records in Lateinamerika.

Epilog

In den frühen 90ern zog es einen gewissen Manu Chao nach Lateinamerika, um sich von der dortigen Musikszene inspirieren zu lassen. Das Leben ist keine Einbahnstraße, also ist der Rückweg spätestens seit Anfang des neuen Jahrtausends auch nach Europa offen und bereichert die hiesige Musiklandschaft. Bands wie Panteón Rococó, Abuela Coca, Karamelo Santo, La Vela Puerca oder No Te Va Gustar sind nur ein Teil der Bewegung, die irgendwo zwischen Rock, Punk, Ska, Reggae und heimischen Rhythmen wie Cumbia oder Murga die alte Welt zu erobern. Wer schon einmal erlebt hat, wie sich die angeblich so zurückhaltenden Westeuropäer kollektiv von der Musik in einen Rausch versetzen lassen, wird die Faszination verstehen. Wer nicht: sofort Abhilfe schaffen!

Nach unzähligen Konzerten, Festivals und Gesprächen mit den Bands, wollten wir unbedingt auch mal über den großen Teich und das Ganze hautnah erleben. Keine zwei Monate nach der Idee sitzen wir über dem Atlantik im Flieger nach Montevideo und werden dort mit Kameras und Laptop ausgestattet die Bands beobachten und die Musikszene am Rio de la Plata unter die Lupe nehmen. 10 Tage mit massig Konzerten, Festivals, Studiobesuchen, durchzechten Nächten und Treffen mit alten Bekannten und vielen, vielen neuen interessanten Künstlern liegen vor uns! Für Euch sind wir quasi immer auf Rhythmus-Höhe und werden über das Riesenfestival Pepsi Music genau so berichten wie über die so interessanten kleinen Geschichten abseits der großen Bühnen, die es wohl nur in Buenos Aires und Montevideo zu erleben gibt!


19.09.2007, Hannover - Atlantik


Sagt sich ja schnell mal eben: Die Welt ist ein Dorf! Dummerweise ist es dann aber bei der körperlichen Erkundung doch wieder ein ganz schön Großes…Morgens pellen wir uns zu einer Zeit aus dem Bett, die wir nur noch theoretisch kennen. Es ist kalt. Die Luft ist klamm. Tja, der sprichwörtliche heiße Herbst in Deutschland eben. Jetzt geht's erst mal in den Zug. Berlin-Tegel nach Madrid-Barajas ist ja schnell gemacht. Wenn da nicht unser Kameramann Kolja wäre, der laut der Zollbeamten eine verdammte Ähnlichkeit mit Ben Becker hat. Nur ganz knapp konnte er seiner ersten Autogrammstunde entkommen, aber die Vorführung unseres kompletten Equipments machte irgendwie mehr Spaß als sonst - Promibonus eben. Über die viel zu voll gestopften Sitzreihen des Iberia-Jets mit einem Platzangebot ausreichend nur für die Sieben Zwerge und dem Nepp-Angebot eines Pappsandwichs für zehn Euro (!) kann man sich - nein, man muss sogar - ärgern, aber die gut sieben Stunden Aufenthalt in Spaniens Kapitale machen das schnell vergessen.Wir genießen die Sonne, die entspannte Atmosphäre, das pulsierende Leben in den schmalen Gassen und tauchen ab in die wunderbare Welt der Bars und Tabernas. So gegen Mitternacht sind wir wieder am neben London-Heathrow größten Flughafen Europas. Und bei genauerer Betrachtung der Crew und unserer Mitreisenden beschleicht uns das dumpfe Gefühl, dass wir mit Abstand die Jüngsten sein dürften. Das Bordpersonal ist im Schnitt geschätzte 60 und mindestens die ersten fünf Reihen der Passagiere dürften vom Abitreffen 1907 aus aller Welt anreisen. Geballte Erfahrung, die uns "jungen" Hüpfern Mitte 30 einen spaßigen 13-stündigen Trip verheißt. Der geht an sich auch bisher ganz relaxt über die Bühne und ein Blick aus dem Fenster des Airbus 340 offenbart einen wunderschönen farbenfrohen Sonnenaufgang: jetzt kann der Spaß mal so richtig losgehen!

20.09.2007 Montevideo


Langsam taucht ein grauer Dunst am Horizont auf. Der Dunst verfliegt aber nicht, stattdessen stehen am Rande des Dunstes auf einmal Häuser und wir schnallen endlich, dass die Satellitenbilder, die wir uns vorher angeguckt haben, Recht hatten. Das ist der Rio de La Plata! Das riesige Delta hat eigentlich eher Ausmaße der kompletten Ostsee und der Strom mit den beiden Metropolen Montevideo und Buenos Aires nimmt soviel Schlamm mit in den Atlantik, dass er von oben eher hellbraun aussieht.
Wir landen. Der Abitreffen-Jahrgang klatscht! Dabei hat der Pilot doch nur seinen Job gemacht...

Montevideo International Airport
besitzt eher den Charme eines Provinzflughafens, als den des Hauptflughafens eines souveränen Landes, welches einst die Schweiz Lateinamerikas war: hier sind die Banken der Welt zu Hause! Und noch mehr Schwarzkonten. Wir fahren in einem Bus an den Ufern des Rio vorbei und sehen die Skyline vor uns liegen. Unser Hotel ist gleich gegenüber dem Teatro Solis, einem der renommiertesten Theater der Stadt, in dem auch die Oper zu Hause ist. Es ist nicht wirklich wärmer als in Deutschland, aber die Stadt versprüht sofort diese lateinamerikanische Gelassenheit. Von der Größe her mit Hamburg vergleichbar, aber mit der hektischen Betriebsamkeit von Castrop-Rauxel.

Dann geht's los in ein altes Kino, in dem Abuela Coca schon aufgebaut haben und fleißig am Soundchecken sind. Großes Kino mal ganz im wörtlichen Sinne! Abuela Coca waren schon 3 Mal in Europa auf Tour und wir haben uns immer mindestens 2 Mal gesehen. Bei jeder Tour gab's kleine Änderungen im Line-Up, sei es aus familiären oder gesundheitlichen Gründen. Jetzt stehen sie da alle vereint auf einer Bühne und plötzlich ist aus der Koks-Oma eine Big Band geworden: 3 Gitarren, Bass, 5 Bläser, Keyboards, 2 Percussions und 2 Schlagzeuger, die sich ein Set teilen. Die Band ist mit professionellem Engagement bei der Sache, aber ein Blick hinter die Kulissen offenbart den Grund des ausgedehnten Soundchecks. Die beiden Shows zum 15-jährigen Bandjubiläum werden beide aufgezeichnet und als CD+DVD veröffentlicht.

Übersee Records ist ein Plattenlabel aus Hannover, das sich ganz und gerne auf Bands aus dem lateinamerikanischen Raum spezialisiert hat. Für INTRO berichten sie aus Übersee.

.: www.intro.de/blog :.
.: www.uebersee-records.net :.