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Ibiza Pet Sounds Aus Dem Schwabenland

Turntablerocker

Seitdem Raubkopien von neuen Alben oft schon Monate vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin in den illegalen Online-Tauschbörsen auftauchen, haben die Plattenfirmen einiges unternommen, dies zu verhindern. Journalisten werden zu Listening-Sessions geladen, auf denen das neue Werk zwar gehört, ab
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Seitdem Raubkopien von neuen Alben oft schon Monate vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin in den illegalen Online-Tauschbörsen auftauchen, haben die Plattenfirmen einiges unternommen, dies zu verhindern. Journalisten werden zu Listening-Sessions geladen, auf denen das neue Werk zwar gehört, aber nicht mitgenommen werden darf. Statt CDs werden Kassetten mit sattem Grundrauschen verschickt, auf CDs werden digitale Störgeräusche eingebaut oder die Lieder ausgeblendet. So verständlich der Ärger der Industrie ist, so sehr nervt es, wenn man am Schreibtisch sitzt und über Lieder berichten soll, die mit Piepsen und Fades durchsetzt sind und kurz nach der Hälfte gänzlich verstummen.

Die Turntablerocker (alias Michi "Hausmarke" Beck und DJ Thomilla) gehen da weitaus angenehmer vor. Die Lieder ihres neuen Albums "Smile" sind zwar auch nicht in voller Länge auf der Promo-CD enthalten, werden aber mittels kurzer Radiosuchgeräusche und Fake Commercials ineinander geblendet, so dass man gar nicht den Eindruck hat, um etwas betrogen worden zu sein. In die Stücke sind Tiergeräusche gemischt, eine schöne Idee, auch wenn De La Soul sie bereits auf ihrem Album "Buhloone Mindstate" hatte. Wie macht die Kuh? Und wie der Hahn?

Michi Beck: "Wir haben uns für die Aufnahmen Anfang Mai ein kleines Häuschen auf Ibiza gemietet. Um diese Zeit ist die Insel total leer und unglaublich saftig und blühend. Wir haben Vocals im Auto aufgenommen und Gitarren unter Bäumen eingespielt mit Vogelgezwitscher im Hintergrund, daraus entstand die Idee mit den Tiergeräuschen." Thomilla: "Es war unglaublich entspannt dort, da nimmt man auch ein paar technische Widrigkeiten in Kauf. Zum Beispiel, dass die Monitore flackern, wenn jemand Staub saugt, oder man die Geräte ausschalten muss, wenn die Waschmaschine benutzt wird."

Bei soviel Beschaulichkeit auf der balearischen Rancho Relaxo ist es eigentlich verwunderlich, dass aus "Smile" kein betuliches Chill-out-Album geworden ist, sondern eine Ansammlung ziemlich lebendiger und frischer Clubtracks. Es gibt deutlich weniger Samples als beim Vorgänger "Classic", das Tempo ist insgesamt etwas höher, ihren Hang zu eingängigen Melodien und poppigen Strukturen haben die beiden Schwaben jedoch nicht verloren.

Thomilla: "Bei unserem ersten Album war das für uns ein völlig neues Terrain, diesmal haben wir uns deutlich mehr getraut. Wir haben viel mehr selbst eingespielt, haben Samples oft nur als Inspiration genutzt. Die sind dann in der Regel irgendwann wieder rausgeflogen."

Michi Beck: "Wir hatten uns vorgenommen, eine durch und durch clubbige Platte zu machen, und hatten dann ständig das Gefühl, aufpassen zu müssen, dass es nicht zu poppig wird. Wir haben den klassischen Songaufbau scheinbar stärker in uns drin als die klassischen Clubtracks, die ja meistens länger und straighter laufen und in denen viel weniger passiert als bei unseren Stücken."

Trotzdem. Auch wenn auf "Smile" in der Tat eine Menge passiert, sollte Four Music ernsthaft eine Sonderveröffentlichung der Promo-Version in Erwägung ziehen. Menschen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne und einem Herz für Tiere werden begeistert zugreifen. Da bin ich mir sicher.