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»Keine Geschäfte mit rechten Meinungen«

Turbostaat über Frei.Wild

Frei.Wild sind nicht vom patriotischen Himmel gefallen. Bei den Südtirolern handelt es sich nicht nur um eine Zumutung sondern auch um das Produkt fragwürdigen Plattenfirmen-Scoutings. Die Band Turbostaat lässt daran keine Zweifel.
Geschrieben am

Viel wurde in den letzten Monaten über das Thema rechtslastige Musik im Mainstream diskutiert beziehungsweise gefightet. Aufhänger waren und sind die unsäglichen Südtiroler der Band Frei.Wild. Tapfere, patriotische Musik von geläuterten Underdogs, die sich dem Shitstorm der linken Meinungshoheit erwehren müssen. In dieser Rolle sieht sich nicht nur die Band gern, sondern auch ihr Publikum. Vom Täter zum Opfer im »Land der Vollidioten«. Alles klar.

Bei all dem Unbill des damit einhergehenden »Man wird ja noch mal sagen dürfen...«, bei all diesem Unbill wird gern die Herkunft des Themas außer Acht gelassen – und damit ist eben nicht Südtirol gemeint. Viel eher wird angenommen, dass der Aufstieg von Frei.Wild einzig auf die Popularität ihrer kruden Thesen zurückzuführen sei. Schlimme Vorstellung in der Tat – und sicherlich nicht falsch. Dennoch bleibt bei dieser Betrachtung außen vor, dass der Frei.Wild-Boom auch ein Produkt, ja, Coup der hiesigen Plattenindustrie ist.

Die Lücke, die die Böhsen Onkelz hinterlassen haben, war dort für diverse Scouts nicht etwa ein Fettfleck sondern vor allem eine kapitale Marktlücke.
Deutlich wird das im Gespräch mit Marten Ebsen und Tobert Knopp von Turbostaat. Jenes führten wir anlässlich ihrer neuen Platte »Stadt der Angst« – und wird in voller Länge erscheinen in Intro #212 (22.04.) und in »Intro die Woche« (19.04.). Hier gehts zu Plattenkritik .

 
»In der Dämmerung fallen ihre Masken
Und das Gewissen ist als erstes vom Schiff
Hallo Echo, heißt sie willkommen
Guter Reibach, gutes Gesicht
Freie Wilde in euren Hallen
Unterm Mantel die alte Idee
Sucht man weiter die Erben der Scheiße
Ich kann nur hoffen, ihr verendet dabei«


(»Pestperle« auf Turbostaat »Stadt der Angst«)

Marten Ebsen: »Das ist für mich nicht unser Text gegen Frei.Wild – auch wenn die es verdient hätten. Mir geht‘s da noch um was anderes, ich bewege mich über Freundschaften viel in der sogenannten Medienbranche, von Major-, Indie- bis zu selbstverwalteten Zusammenhängen, und alle waren sie gesammelt in den letzten Jahren unterwegs, um die Lücke zu schließen, die die Onkelz hinterlassen haben. Und zwar nicht nur spezielle große Plattenfirmen oder abgefuckte Medienzyniker sondern auch welche aus den eigenen Reihen. Das hat mich immer so angewidert: Dieses Spiel mit dem nationalistischen Teufel. Der sollte rechts sein, aber natürlich nicht so richtig, wie ätzend das ist. Frei.Wild waren ja 2013 nicht zum ersten Mal für den Musikpreis ECHO nominiert, das ist jetzt nur so hochgekocht. Und ich verstehe auch nicht die Diskussionen, die es da im Internet jetzt hunderttausend Mal zu führen gilt, ob die rechts sind oder nicht. Es ärgert einen, dass man da das Gefühl bekommen soll, es gäbe zwei Meinungen. Das soll jetzt nicht arrogant klingt: Aber gibt es nicht! Und wenn sich nun ganz viele Indie- und Majorleute gerade in den Arsch beißen, dass sie die nicht gesignt haben, dann finde ich das nicht okay. Es ist nicht in Ordnung, die rechten Strömungen wieder willkommen zu heißen.«

Tobert Knopp: „Ich bin damals angesprochen worden, ob ich für Geld mir Bands angucken kann und zu recherchieren, sind die jetzt zu rechts für den Mainstream oder geht’s vielleicht noch. Habe ich gesagt, wollt ihr mich verarschen? Aber kein Einzelfall, für einen Act wie Frei.Wild wurde viel Aufwand betrieben, es gab Showcase-Gigs, um eben das größte, gerade noch verwertbare Übel zu casten.«

Marten: »Man bekam teilweise das Gefühl, Rechtsrock ist für die Medienleute nur ein edgy Thema, an dem sich dann die Presse reiben kann. Aber es ist jetzt an der Zeit, das zu tun, was gerade auch viele tun, und sagen: Das ist nicht edgy, nicht witzig, nicht geil, es ist einfach kacke. Keine Geschäfte mit rechten Meinungen. Selbst wenn das jetzt total unbohème klingen mag.«

Intro: Als besonders Perfide stellt sich heraus, wie sehr diese Diskussion auch dem Außenseiter-Gebaren der Band in die Karten spielt.
»Ja, was aber auf die gar nicht zutrifft.« Marten ist richtig sauer. „Da steckt ein Musikmanager mit haufenweise Kohle dahinter. Das sehen die Leute bloß nicht, dass sie hier keinen Underdog gegen vermeintlich linke Meinungshoheit unterstützen.

Das komplette Gespräch gibt es in Intro #212 (22.04.) und in »Intro - Die Woche« (19.04)