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So war's in Köln: Wild, laut, exzessiv

TURBOSTAAT LIVE

Beim Tourabschluss im Kölner Gebäude 9 leeren die Husumer Punkrocker von Turbostaat ihre letzten Energiereserven und lassen nicht nur das Publikum verschwitzt zurück.
Geschrieben am
04.06.2013, Köln, Gebäude 9

Mit Punk ist es ja so eine Sache. Bis vor wenigen Jahren schienen die Affen im Zoo kultivierter als jeder Punkrock-Fan. Wollte man unten durch sein, half es, sich als bekennender Punk-Fan zu postulieren. In Deutschland gibt es demzufolge nicht allzu viele Punkbands, denen es gelungen ist, die harten Jahre unbeschadet zu überstehen. Turbostaat haben jedoch, statt die Richtung zu ändern, einfach immer weitergemacht und sich damit ihren Weg in den von Gitarren geprägten Teil der Popkultur des Landes gebahnt. Ihr hermetisch-bellender Sound avancierte so in den Nullerjahren zum Markenzeichen-Sound des Genres.

Das Konzert in Köln war schon Wochen vorher restlos ausverkauft. Unter großem Applaus und erwartungsvollem Gebrüll betreten Turbostaat am Samstagabend kurz nach 22 Uhr die Bühne. Es dauert keine zwei Songs bis der Erste auf den Händen der Fans durch die Menge surft. Diese Spektakel wiederholt sich dann, ganz stilgerecht, während des gesamten Konzertes im Minutentakt. Das Gebäude 9 wird zum Tollhaus. Gut anderthalb Stunden preschen Turbostaat ein musikalisches Highlight nach dem nächsten raus. Das neue Album »Stadt der Angst« ist vor allem durch die kontraststarken Texte zu den Vorgängerplatten markiert. Statt Ostsee, Watt und Weite herrscht ein urbaner Wahn, der sich schließlich auch im Albumtitel wieder findet. Live sind Turbostaat aber vor allem eines: wild, laut und exzessiv.

Ihrem Ruf als absolute Powerband werden Jan, Marten, Rotze, Tobert und Peter auch an diesem Maiabend mehr als gerecht. Jan schwitzt auf der Bühne die letzten Wasserreserven seines Körpers raus, statt langer Zwischenansagen liegt der Fokus auf den Songs. Auch wenn die Band sich nun erst einmal auf ein paar Tage Auszeit freut, scheint es, als wollten sie der Bühne an diesem Abend gar nicht »Tschüss« sagen. Band und Publikum scheinen von der kollektiven Punk-Rebellion nicht genug bekommen zu können. »Ich glaube, das war in all unseren Jahren die beste Tour«, sagt Jan am Ende dankend zu den Fans. Und das mag was heißen, bei einer Band, die auf eine so hysterische Geschichte zurückblicken kann wie Turbostaat.