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So war's in Dortmund: Ein neues Zeitalter

TTNG live

Das neu zusammengesetzte Math-Rock-Trio TTNG aus Oxford, bislang als This Town Needs Guns bekannt, macht auf seiner Deutschlandtour in Dortmund halt und offenbart neben viel Herausragendem nur einen einzigen Kritikpunkt.
Geschrieben am

02.02.2013, Dortmund, FZW

Math-Rock also. Dieses ominöse Genre, das so hochkomplex, hochgradig schwierig und verschachtelt sein soll. TTNG – formerly known as This Town Needs Guns – wird gerne und überall in diese Schublade gesteckt. Und das wahrscheinlich auch zu recht. Rhythmisch differentes, zügelloses und rasendes Schlagzeugspiel, unzählbare Gitarrenpickings und präziseste Bassbegleitung im Zusammenspiel, ergänzt um den Gesang des neuen Sängers Henry Tremain, bringen das neu formierte Trio aus Oxford ins Dortmunder FZW mit.



Dass es bei dieser Genreschublade angeblich einer so hohen Konzentration und Anstrengung bedarf, ist an diesem Abend nicht zu spüren. Ein Gitarrist, der im nerdigen Strickpulli über seinem schlacksigen Oberkörper fast gelangweilt auf seinem Griffbrett hoch und runter fährt und ansonsten fast gelangweilt durch den Raum blickt. Ein Drummer, der zeitweise wirkt, als ob er die doppelte Zahl Arme hätte und dabei noch punktgenau und präzise jede 1/16 und 1/32 trifft. Und natürlich ein Bassist, der über diese Hochfrequenzmusik noch seinen Gesang legt, auch während er, wie bei »Left Aligned«, neben seinem Bass noch eine Gitarre um die Schultern gehängt hat. Sein gesetzter und getragener Gesang ist der Hauptgrund dafür, dass trotz hoher Geschwindigkeit kein einzelner Song hektisch oder angestrengt wirkt. Dass das Trio keineswegs im Auge hat, Geschwindigkeitsrekorde zu brechen, wird bei der tollen Unplugged-Version von »2 Birds, 1 Stone And An Empty Stomach« und in den sehr langen Pausen zwischen den einzelnen Liedern deutlich. Dann werden immer wieder Dinge auf der Bühne getapet, die Saiten perfekt nachgestimmt (»My E-String is being a little bitch!«) oder auch Monitore umgestöpselt.
 

Der größte Teil des Songmaterials stammt vom gerade veröffentlichtem »13.0.0.0.0«, das im Kern die Maya-Kultur zum Thema hat. Was zunächst wegen überfrequenter medialer Thematisierung in letzter Zeit (Stichwort Weltuntergang) ein wenig einfältig wirkt, ist bei genauerer Betrachtung nur logisch. Die Zahlenreihe »13.0.0.0.0« bezieht sich auf die Kalenderzählung der Maya, genauer den ersten Tag eines neuen Zeitalters. Im Hinblick auf die Bandentwicklung insofern sinnig, da sich fünf Bandmitglieder verabschiedet haben, nur Gitarrist Tim Collis geblieben ist und die Umbennenung in TTNG erfolgte. Herausgekommen ist ein Album, das deutlich abgeklärter und reifer klingt als noch das ungestüme Debüt »Animals«. Man spielt mit elektronischen Elementen herum, beim Anwärter auf den Songtitel des Jahres »Nice Riff, Clichard« werden sogar Assoziationen an Aphex Twins »Rubber Johnny« wach.
 

Obwohl TTNG mit zwei Alben angereist sind, ausgedehnte Pausen einlegen und nicht wirklich angestrengt wirken, findet das Konzert schon nach 50 Minuten – effektiv wohl 35 – und ohne Zugabe ein Ende, was man eindeutig als Negativpunkt anrechnen darf. Es ist der Einzige.