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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Adam Green live

Truth or Consequence

07.06.04, Düsseldorf, Zakk Irgendwann musste es ja einmal passieren und nun ist es soweit: Fast das gesamte Publikum ist jünger als ich! Ein Mädchen taucht sogar mit seiner Mutter zusammen auf! Aber willkommen, Mädchen, willkommen, Mutter, Adam Green ist schließlich für alle da, und wer sagt, da
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07.06.04, Düsseldorf, Zakk

Irgendwann musste es ja einmal passieren und nun ist es soweit: Fast das gesamte Publikum ist jünger als ich! Ein Mädchen taucht sogar mit seiner Mutter zusammen auf! Aber willkommen, Mädchen, willkommen, Mutter, Adam Green ist schließlich für alle da, und wer sagt, dass man von etwas Gutem je genug kriegen kann? Der ranzige Pfirsich ist dementsprechend jetzt schon eine Weile auf der Neverending-Deutschland-Tour, und bis auf das Hamburger Konzert im Februar war dem Verlauten nach auch alles ausverkauft. Ist ja auch klar, immerhin hat der Kerl nicht nur Access All Areas zur Strokes-Garderobe, sondern auch das mindestens zweitbeste Album des letzten Jahres gedroppt. Wer ihn einmal sah, der muss ihn lieben, also finde ich mich zusammen mit meiner scheckigen Crüe im atemberaubend tollen Zakk zu Düsseldorf ein, wo nur die Türsteher etwas säuerlich meine Begleitung mustern. Aber ich händige ihnen ein Schild aus: Oh-oh-oh-oh, Freunde von mir!

Man muss jetzt einmal ganz ehrlich sagen, dass es in Köln immer den Anschein hat, als müssten Popfans für ihre Leidenschaft dergestalt büßen, dass sie sich in schimmligen Grotten in entlegenen Industriegebieten dem Raubmord und der Pilzlunge ausliefern. Anders das Zakk: Während die Sonne romantisch über der Werdener Straße untergeht, findet man sich gemächlich in der waghalsig konstruierten Halle ein, die man bewundernd und staunend in Richtung Biergarten durchquert. Hier bestellt man sich in entspanntester Hausbesetzerlaune ein kühles Flaschenbier mit dem herrlich lautmalerischen Namen Grolsch nebst einer Bratwurst, die möglicherweise noch besser schmeckt als die auf Schalke. Und prahlt der Düsseldorfer vielleicht pausenlos mit seinem Juwel? Nö! Kann man mal wieder sehen, wie prollig Köln dagegen doch ist.

Egal. Die Bühne nehmen an diesem Abend als erste Missouri "aus Hamburg und Nürnberg", die uns vor irritierenden Filmprojektionen zum Tanzen auffordern. Damit gemeint ist diese Art Tanz, die Besucher des Orange Blossom Festivals auch immer aufführen, wenn jemand auf der Bühne Neil Young covert. Ich will mich gerade dazu überreden lassen, als eine Bratwurstwolke zur Tür reinweht und meine Pläne über den Haufen wirft. Easy come, easy go! Missouri ist jedenfalls prima Bratwurstessmusik, und ich würde mich freuen, wenn diese Formulierung in zukünftigen Werbetexten auftauchen würde.

Adam Green sagte mir, ein Gradmesser seines Deutschlandfaibles sei unter anderem die Tatsache, dass er nun schon seine letzten drei Geburtstage inklusive des aktuellen 23. (Illuminati!) in hiesigen Metropolen verbracht habe. Außerdem ließ er vernehmen, dass sein nächstes Album erst nächstes Jahr rauskommen würde, weshalb wir bei den neuen Songs ganz besonders die Ohren spitzen müssten. Dazu muss man uns nicht überreden, und als er dann endlich die Bühne betritt, leert sich der Biergarten bis auf die letzte Mücke. Mr. Green erscheint im legeren Jeans'n'T-Shirt-Look und in typischer Gaston-Körperhaltung vor seiner dünnen Band und wackelt mit den Armen. Alle applaudieren und brüllen rum. Neben mir revidiert jemand ihre Einschätzung, Adam Green sehe "voll scheiße" aus. Adam Green intoniert inbrünstig sein Repertoire. Er ist der Anti-Robbie-Williams. All die neuen Songs kommen aus seiner obersten Schublade. 'Jessica' ist eine schwarze Messe. Wenn die ersten fünf Reihen den kompletten Text von 'No Legs' mitsingen, ist das geiler als das neue Slipknot-Album. Und es ist alles wahr.

Nach einer knappen Stunde und 'Salty Candy' scheint Schluss zu sein. Aber wo waren diese illustren Coverversionen? Wo war 'Born to run'? Wo war 'Crystal Ship'? Geduld! Ist ja nicht so, dass der Typ nicht selber Klassiker in die Welt setzen könnte! 'Dance with me' rockt die In-Crowd wie sonst nur 'Baby's gotta die tonight'. Und dann gibt's 'What a Waster', sozusagen by public demand, von der großartigen englischen Rockband The Libertines. Die müsst ihr mal hören, die sind super! 'Kokomo', was einem auf seiner Beach Boys-Best of ja immer irgendwie peinlich war, klingt bei Adam Green witzig und profund. Everybody knows a little place like Kokomo - an diesem Abend könnte das für einige das Düsseldorfer Zakk gewesen sein. Perfekter Abend, wir sehen uns dann in Haldern.