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International gathering of the Krauts

»Tribute To Jaki Liebezeit« in Köln

Es sollte ein Tribute, ein Jahrgedächtnis, eine Verbeugung vor dem »einflussreichsten Drummer aller Zeiten« sein, aber es wurde viel mehr: Ein Treffen von Freunden aus der musikalisch fruchtbarsten Phasen (west-)deutscher Musik.
Geschrieben am
22.1.2018, Köln, Philharmonie

»Die große kosmische Musik«, nannte man es gern auch hierzulande. »Krautrock« nannten es die Engländer liebevoll. Mittendrin: Jaki Liebezeit, berühmt als Schlagzeuger der Gruppe Can aus Köln, einer Stadt, in die er eigentlich wegen Manfred Schoof und der mit ihm evolvierenden Free-Jazz-Szene gezogen war. Dass er dann aber auf Stockhausen-Schüler und verschiedene andere Freaks gestoßen war, um mit ihnen bewusst alles zu vergessen, was sie zuvor gelernt hatten und unter dem Namen Can ein neues Kapitel in der Musikgeschichte aufzuschlagen, konnte ja niemand ahnen.

»He was a martial artist on the drums«, meint Jah Wobble und möchte damit aufzeigen, dass keine von Jakis Bewegungen hinterm Schlagzeug unnötig oder unüberlegt waren. Ein »economic drummer« sei Jaki gewesen, schiebt der ehemalige PIL-Bassist zusammenfassend nach, kurz bevor er vor der voll besetzten Kölner Philharmonie auf die Toms haut, den Groove dann an Marc Layton-Bennett übergibt und zum Bass greift. Es folgt eine der minimalistischsten Jam-Sessions, die der Hochkulturtempel je von Drums und Bass durchgebolzt bekam.

Vor Jah Wobble hatte die aus Taiwan stammende Pi-hsien Chen ein klassisches Stück am Flügel gespielt. Sie war noch eine junge Frau gewesen, damals, als Can beim Bildhauer Ulrich Rückriem auf Schloss Nörvenich ein Tonstudio einrichteten, um unter anderem »Tago Mago« aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt sei sie von den Klängen, die da durch die Tür drangen, fasziniert gewesen, weiß der durch den Abend führende Manos Tsangaris (Teil von Jaki Liebezeits Drum Ensemble Drums Off Chaos) zu berichten. Pi-hsien Chen selber huscht nur schüchtern lächelnd hinter ihr Instrument, spielt wunderschön und verschwindet auf gleiche Weise wieder.

Es ist wie ein Klassentreffen hier, bzw. wie Tsangaris es ausdrückt, Treffen eines erweiterten Freundeskreises. So war in der ersten Konzerthälfte bereits Jochen Irmler von Faust aufgetreten oder Helmut Zerlett, der mit Jaki bereits ab 1974 diverse Alben und Aufnahmen gemacht hatten. Und auch das Publikum ist mehrheitlich aus dieser Generation und weiß die Protagonisten selbstverständlich einzuordnen, jedenfalls den Großteil. Bei Jah Wobble werden nochmal die durch Public Image Ltd. auftretenden Querverbindungen aufgefrischt. »Wie hieß der denn nochmal..?« »Johnny Rotten hieß der!«

In der zweiten Hälfte des Tributes sorgt zuerst die perkussive Piano-Performance von Irmin Schmidt für einen musikalischen und die anschließende Session für einen musikhistorischen Höhepunkt: Damo Suzuki (Can) spielt erstmals gemeinsam mit Michael Rother (Neu!), Gerd Dudek, Drums Off Chaos und Helmut Zerlett – eine Kombination wie aus einem wirren Fiebertraum, einzig verbunden durch den an diesem Abend omnipräsenten Jaki Liebezeit. Und um alldem noch die Krone aufzusetzen, erscheint dann Gianna Nannini, wirft ganz zur Freude Helmut Zerletts mit Glitter aus ihren Hosentaschen um sich und versucht die Philharmonie zum Mitklatschen zu bewegen, worauf das Publikum schließlich auch eingeht. Für Jaki.

Can

Anthology (Remastered)

Release: 01.08.1993

℗ 1993 Spoon Records

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