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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

hört mit uns Platten: Hoppla, ich tanze!

Trentemøller

Arno Raffeiner fand in seiner Plattentasche alte Favoriten von Anders Trentemøller und ging sie mit ihm durch.
Geschrieben am
Obwohl der Titel seines Albums an ein ähnlich betiteltes Werk von Tom Petty erinnert, winkt der Mann in slicker schwarzer København-Fashion entschieden ab. Damit habe sein zweites Künstleralbum "Into The Great Wide Yonder" nun wirklich nichts zu tun. Statt Heartland-Rock findet Arno Raffeiner in seiner Plattentasche zum Glück auch einige alte Favoriten von Anders Trentemøller:

Rufige Cru "Darkrider" (1992)

An dieses Stück kann ich mich erinnern, habe ich echt lange nicht gehört. Die ersten Sachen, die ich produziert habe, waren ja Drum'n'Bass. Das war die erste elektronische Tanzmusik, die ich überhaupt gehört habe.

Da steckte eine spezielle Energie drin, fast wie bei einer Punk-Band, genauso roh. Ich war damals mit meiner Schule in London und bin in diesen finsteren Kellerclub gegangen. Da lief dieser Sound, der mich total umgeblasen hat. Zurück in Kopenhagen habe ich dann gleich meinen ersten Sampler gekauft.



Fennesz "Endless Summer" (2001)
Das klingt großartig! Die Gitarren erinnern mich teilweise an Mazzy Star, eine meiner Lieblingsbands.
Fennesz hat die meisten Sounds dieser Platte aus Gitarrenklängen gebaut, zugleich ist alles sehr prozessiert. Er schafft damit so ein hitziges Wüstengefühl wie auch am Anfang deines neuen Albums.
Genau, das war auch meine Assoziation. Ich wollte den gesamten Sound auf dem Album sehr warm haben. Alle einzelnen Spuren wurden auf Band aufgenommen, in einem alten Studio optimiert und dann zurück in den Computer gespielt. Und stimmt, da gibt es auch eine atmosphärische Entsprechung: diese Wüstenatmosphäre, die Lonely-Rider-Gitarren.



Gonja Sufi "Sheep" (2010)
Ah, das Stück kenne ich! Habe ich gerade auf einem Blog gehört. Es hat so einen 70s-Vibe mit diesen Schlagzeug-Beats. Ich muss mir gleich den Namen noch mal notieren.
Gonja Sufi lebt in Las Vegas und fährt zum Aufnehmen ab und zu raus in die Mojave-Wüste. Wie schreibst du denn deine Songs?
Die Texte schreiben ja die Sänger, darin bin ich nicht so gut. Mit der Musik geht es meist ganz einfach los: Ich sitze in meinem kleinen Heimstudio am Klavier und spiele. Die ganze Produktion kommt erst später. Ich glaube, meine Nachbarn werden langsam verrückt, ich muss mich mal nach einem Studio außerhalb umsehen. Aber ich liebe es, in der Nacht Musik zu machen. Es ist so ruhig, kein Telefon stört, die ganze Stadt schläft. Ich mag diese Einsamkeit, ich mag es, zu wissen, dass ich irgendwie alleine in meiner eigenen Welt bin.
Nahe an einer Wüste zu leben wäre da bestimmt nicht das Schlechteste.
Stimmt, das wäre was! Nach Las Vegas gehen, Inspiration aus der Stadt mitnehmen und dann nachts in die Wüste fahren, um Musik zu machen.



Auf der nächsten Seite: Tangerine Dream, Cocteau Twins, Pantha Du Prince,

Tom Petty? Der Mann in slicker schwarzer København-Fashion winkt entschieden ab. Damit habe sein zweites Künstleralbum "Into The Great Wide Yonder" nun wirklich nichts zu tun. Statt Heartland-Rock findet Arno Raffeiner in seiner Plattentasche zum Glück auch einige alte Favoriten von Anders Trentemøller:

Tangerine Dream "Thru Metamorphic Rocks" (1979)
Oh, Tangerine Dream, ich liebe ihre Sachen! Die Arp-Solina-Strings, die sie benutzt haben, mag ich sehr. Bei der Arbeit am neuen Album habe ich nie gedacht: "Ich will etwas machen, das wie dies oder jenes klingt." Aber Sachen wie Tangerine Dream habe ich früher sehr oft gehört. Dieser spezielle Vibe taucht daher auch in meiner Musik auf, ohne dass mir das bewusst ist. Es passiert einfach. Ich liebe diese verträumten atmosphärischen Klänge, die Phaser-Vocals, die dicken Chorus-Gitarren-Pads. Aber andererseits mag ich auch Bands wie My Bloody Valentine und The Jesus And Mary Chain mit ihren krachigen Gitarren, was man vielleicht weniger raushört. Was ich speziell an diesem Song mag, ist, dass er an einem Punkt beginnt und sich zu etwas komplett anderem entwickelt. Ich versuche auch in meiner Musik solche Kontraste zu haben, zwischen Schönem und Unheilvollem, zwischen kalt und warm. Ich liebe es, wenn du einen Track hörst und nicht weißt, wohin er dich noch führen wird.



Cocteau Twins "Pandora (For Cindy)" (1984)
Da bekomme ich Gänsehaut! Vor allem das letzte Stück meines Albums, "Tide", ist von Cocteau Twins inspiriert. Elizabeth Frasers Stimme ist so unglaublich.
Hast du das in deinen Teenager-Jahren gehört?
Zuerst habe ich eher The Smiths und The Cure gehört, dann Echo & The Bunnymen und all diese englischen Bands. Ich weiß gar nicht, ob man das damals wirklich Indie nannte. Etwas später habe ich eben Tangerine Dream, Cocteau Twins und Dead Can Dance entdeckt, so mit 15 vielleicht.



Pantha Du Prince "Behind The Stars" (2009)
Wow, das ist verdammt noch mal großartig! Wer ist das?
Pantha Du Prince. Das ist auf dem Hamburger House-Label Dial erschienen.
Aha, ich bin nicht so auf dem Laufenden bei aktueller Dance Music. Kann ich das Album vielleicht haben? Ich lege heute Abend auf, es wäre großartig, davon einen Edit zu machen.
Was legst du denn derzeit als DJ auf?
Ich spiele schon auch Techno, und diesen Track könnte ich auf jeden Fall spielen. Aber ich mag es, plötzlich ein Suicide-Stück aus den 70ern reinzumischen oder Indie-Folk-Zeug, einfach ungewohnte Sachen, mit denen ich die Leute auf eine Reise mitnehme. Ich versuche das Publikum ein bisschen zu überlisten, sodass es plötzlich zu etwas tanzt, das mit Techno überhaupt nichts zu tun hat: "Hoppla, ich tanze ja gerade zu den Beatles!"



[tour artist=Trentemøller]