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Transference

Spoon

Spoon basteln weiter an ihrem von Indie losgelösten Sound und erreichen damit hörenswerte Ergebnisse.
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Spoon basteln weiter an ihrem von Indie losgelösten Sound und erreichen damit hörenswerte Ergebnisse.

Eine Rezeptionskategorie der Popkritik ist in den tausend Jahrzehnten Popmusik nie käsig geworden: Wenn eine Band alt wird und bloß sich selbst reproduziert, betrachtet man das argwöhnisch. Das Urteil lautet kategorisch: Daraus kann ja nichts werden, früher klang das frischer. Diesen Innovationszwang haben nur ganz wenige Bands des Underground überwunden, Guided By Voices etwa. Ähnlich wie sie gehörten Spoon in ihren jungen Jahren mit Alben wie "Girls Can Tell" zur innig geliebten Indie-Wohlfühlfraktion, mit einem einfachen und sinnlichen Ansatz in bester Lemonheads-Tradition.

Doch Spoon wählten in den Folgejahren im Kontext ihrer Zunft reichlich unkonventionelle Wege, suchten neue, artifiziell anmutende Ausfahrten, zumeist in früheren Rock- und Blues-Spielarten, und sind damit und mit halbgaren Alben wie "Ga Ga Ga Ga Ga" auch mal gehörig auf die Schnauze gefallen. Der Mut hat die Band um Britt Daniel dabei aber nie verlassen, wohl auch aufgrund eines Bewusstseins um die eigenen Songwriter-Qualitäten, und dafür belohnen sie sich jetzt mit "Transference" erstmals selbst.

Denn die Platte ist zwar weiterhin weit von Indie-Ohrwürmern entfernt, sie klingt aber in ihrem reduzierten und trocken groovenden Ansatz seit Längerem mal wieder durchgehend stimmig. Daniel hat von Postpunk à la Gang Of Four genommen, auch von den Kinks und mehr denn je von den Beatles und damit eine Rockplatte geschaffen, die sich zwar nur in Ausnahmen umstandslos emotional erschließt, die aber aufgrund ihrer manchmal sogar irritierenden Ideen durchgehend spannend und sogar erhebend wirkt. Das, was man Franz Ferdinand und Konsorten in ihren jungen Tagen zuschrieb, passt bei dieser routinierten Band erstmals wieder richtig: Das klingt nach Artschool-Rock, wie er die 1970er vorantrieb. Wahrlich eine Aufgabe für Fortgeschrittene. Spoon haben lange bis hierhin gebraucht, jetzt sind sie am nächsten Etappenziel angekommen.

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