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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Daunendecke mit Sahnehäubchen

Toro Y Moi

Irgendwo verloren im Zeitkontinuum des Pop liegt der Geheimeingang zum Herzen des großen romantischen Träumers. Chaz Bundick (alias Toro Y Moi) hat die Pforte gefunden – und sich den Schlüssel dafür einfach selbst gedreht.
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Irgendwo verloren im Zeitkontinuum des Pop liegt der Geheimeingang zum Herzen des großen romantischen Träumers. Chaz Bundick (alias Toro Y Moi) hat die Pforte gefunden – und sich den Schlüssel dafür einfach selbst gedreht.
 
Bei der Sonderführung durch ein Synthiemuseum in Calgary zum Abschluss seiner Nordamerika-Tour mit Caribou bekam Chazwick Bundick richtig feuchte Finger: „Selbst auf super raren Synths durften wir spielen“ – das Rumschrauben an den alten Maschinen war für ihn einer der Höhepunkte seiner Konzertreise.

Vor einigen Jahren war der 23-jährige gelernte Grafiker aus Columbia, South Carolina da noch etwas zurückhaltender: Nach (verhassten) Klavierstunden und (schüchternen) Akkorden auf seiner ersten Gitarre vom Pfandleiher bekam Chaz zu seinem 15. Geburtstag einen Vierspurrekorder geschenkt. Es dauerte geschlagene sechs Monate, bis er es wagte, das Gerät auch auszuprobieren.

Heute, als Toro Y Moi, fackelt Chaz nicht lange, samplet gerne und schnell, liebt die Ecken und Kanten von Sounds, die er dann mit viel Hall in eine flauschige Daunendecke bettet. Man könnte beides, das Zögern und Überstürzen, als zwei Seiten seiner Auffassung des Zeitkontinuums verstehen. Musik, Grafik, Fotografie sind für ihn immer dann gut, wenn sie dieses Kontinuum außer Kraft setzen: „Die besten Stile sind zeitlos. Und ich möchte Songs schreiben, die zeitlos wirken.“

Mit Einflüssen von Shoegaze-Bands über Italo Disco bis zu Glitch-Hop setzt sich Toro Y Moi tatsächlich ziemlich unbestimmbar irgendwo auf die Sinuswelle, die von den Beach Boys zu Animal Collective führt. „You Hid“ zum Beispiel, eine so bittere wie schöne Funk-Ballade von seinem Debütalbum „Causers Of This“, wird noch in Jahren Rausschmeißer-Hit auf Indie- und Techno-Partys sein. Der Song scheint nur aus einem Sample gemacht, in Zeitlupe gedehnt, durch den Filter gedreht, schmutzig, grobkörnig, warm. Darüber romantisch zerstäubtes Falsett: „When you’ve gotta go, go away, go away!“

Vielleicht hat Chaz hier einen Dialog zwischen zwei Seiten seines Selbst zu einem Song gemacht. Auf jeden Fall kennt er das Gefühl, allein mit sich selbst zufrieden zu sein: „Als ich mit Toro Y Moi begonnen habe, war das nur für mich, und so möchte ich es auch in Zukunft halten. Dass nun andere die Musik gut finden und mich unterstützen, ist das Sahnehäubchen obenauf.“