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No more Hintergrund-Man

Tomboy

Samba-Woche in einer Kopenhagener Grundschule. Ein wahres Paradies für klein Tomas! Der greift sich jede Rassel, jede Conga, jedes Holzstöckchen, das er nur finden kann, und trommelt tagelang herum wie ein Wilder. Ab sofort ist er lost in Rhythm, und er weiß ganz bestimmt, was er später mal werden w
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Samba-Woche in einer Kopenhagener Grundschule. Ein wahres Paradies für klein Tomas! Der greift sich jede Rassel, jede Conga, jedes Holzstöckchen, das er nur finden kann, und trommelt tagelang herum wie ein Wilder. Ab sofort ist er lost in Rhythm, und er weiß ganz bestimmt, was er später mal werden wird: Schlagzeuger. Mit zehn Jahren schon fängt er mit dem Drummen an und hat seither nicht mehr aufgehört – auch wenn der inzwischen ganz schön ausgewachsene Tomas Barfod seit einiger Zeit als Studiofreak, Produzent, von New York über Paris bis München heißbegehrter Remixer und DJ mindestens noch mal so viel Furore macht wie als Schlagzeuger seiner Hipster-Kapelle WhoMadeWho. Tomas: “Ich habe damals in dieser Samba-Woche gelernt, all diese südamerikanischen Percussion-Instrumente zu spielen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Latin- und Afro-Einflüsse in meinen Beats immer noch aus diesen frühen Schultagen stammen.”
Erst drei Jahre ist er her, dass Tomas Barfod alias Tomboy seine ersten Soloreleases veröffentlicht und zeitgleich mit WhoMadeWho genau die richtigen Cover-Versionen eingespielt hat, die schnell auf jeder Styler-Party rotierten. Mittlerweile hat er die Labels Gomma und Get Physical mit seinen Tracks zwischen Booty Disco und Acid Pop beliefert und vor kurzem auch Turbo von Posterboy-DJ Tiga, der derzeit immer seine Michael-Douglas-Geschichte auspackt, die natürlich auch hier erzählt werden muss: Beim gemeinsamen Abschwitzen im Fitnessraum eines Hotels in L.A. hatte Tiga einen mit Tomboy geladenen Ghettoblaster dabei, und Michael fand’s einfach supergeil. Tomas fühlt sich dadurch natürlich geehrt, aber so richtig aus dem Häuschen wäre er erst, wenn Pharrell Williams sich als Tomboy-Fan outen würde. Wer weiß, so, wie Tomboy jetzt sein erstes Album “Seriøs” mitten rein in die heiße Disco-Rock-Italo-Acid-Suppe spuckt, könnten selbst Mainstream-Hit-Fabrikanten aufmerksam werden. Im Gegensatz zu manch anderem, schnell verheizten Sound-of-Now-Act hat Tomboy immer mehr zu bieten als nur auf Hochglanz polierten Stylefaktor. Zwischen Dancefloor und Pop schafft er Raum für musikalische Substanz: für ausgefuchsteste Rhythmen, die trotzdem leicht ins Ohr gehen, für lyrische Klarinettenklänge – und andererseits ist da immer auch der nötige Rums, den es im Club zum Arschwackeln braucht.
Ist nach seiner Kickstart-Karriere hinter Beatboxen, Mischpult und Plattentellern das echte Trommeln immer noch das Größte für Tomas, so wie damals, vor langen Jahren in der Samba-Woche? “Ich muss zugeben, dass ich lieber im Studio sitze, als live aufzutreten. Klar liebe ich es, ein tolles Konzert mit WhoMadeWho zu spielen, aber noch viel besser gefällt es mir, mit meinem Equipment rumzutüfteln. Ich bin eigentlich doch eher so der Mann-im-Hintergrund-Typ.” Na, mal sehen, wie lange Tomas Barfod das nach diesem Debütalbum noch bleiben kann.