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Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards

Tom Waits

Auf Tom Waits kommt man immer wieder zurück – sagte ich einem Freund am Telefon, als die Rede davon war, dass ein neues Album angekündigt ist. Der Sänger begleitet uns beide nun fast ein halbes Leben. Und während die Alben des einen oder anderen Künstlers, die uns mal einen Sommer lang gefielen, län
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Auf Tom Waits kommt man immer wieder zurück – sagte ich einem Freund am Telefon, als die Rede davon war, dass ein neues Album angekündigt ist. Der Sänger begleitet uns beide nun fast ein halbes Leben. Und während die Alben des einen oder anderen Künstlers, die uns mal einen Sommer lang gefielen, längst im Regal verstauben, greifen wir auf Waits eben doch immer wieder zurück. Eine Konstante, von denen es gar nicht allzu viele im Leben eines Musikfans gibt. Und meine Güte – der Mann macht seit über 30 Jahren Musik und klingt überhaupt nicht so wie andere Männer, die seit über 30 Jahren Musik machen. Dirty old man, yes – boring old fart, no. Freilich schafft es Waits mittlerweile in die Top-50-Albumcharts, ist akzeptiert im Kulturbetrieb, ein gefragter Macher von Theater- und Filmmusiken, passt nicht mehr so ganz ins „Lexikon der Außenseiter“ hinein, wie er aus den vergilbten Seiten des antiquarisch erstandenen rororo-Buchs „Rock Session 5“ herausschaut. Aber: Unangepasstheit schützt vor Langweiligwerden – hier geht es weiterhin auf. Seit seinem Album „Swordfishtrombones“ (1983), als er mit seinen Barjazz-Tagen brach, begegnet uns der dreifache Tom Waits: Es gibt den Rumpel-Bluesmann („16 Shells“), den erstaunlich zarten Balladensänger („Downtown Train“) und den von Kurt Weill und Harry Partch inspirierten Avantgardisten („Black Rider“). Sein neues Dreifachalbum spiegelt diese Dreifachheit wider: Die Songs auf der mit „Brawlers“ („Krakeeler“) überschriebenen ersten CD sind im Blues verwurzelte Nummern mit urig verzerrten Röhren-Amp-Sounds und durch Uralt-Mikrofone gesungenen Vocals – zwischen Howlin’ Wolf, Captain Beefheart und T.Rex oszillierend. „Low Down“ ist ein Garagen-Rocker, auf dem Waits’ zwanzigjähriger Sohnemann Casey kräftig mitklampft. Scheibe Nummer zwei („Bawlers“) präsentiert den Songwriter und Schöpfer von sensiblen Balladen an Piano und gezupfter Gitarre, darunter das Ramones-Cover „Danny Says“, und die dritte CD („Bastards“) versammelt Waits’ Ausflüge in die Welt der Avantgarde. Die Dreierscheibe ist neues Album und Raritätensammlung zugleich. Rund die Hälfte der insgesamt 54 Songs wurden bereits an anderer Stelle veröffentlicht, etwa die Beiträge zum „Dead Man Walking“-Soundtrack. Auf „Bastards“ finden sich der Weill-Tribut „What Keeps Mankind Alive“ und die schräge Interpretation des Zwergensongs „Heigh Ho“ aus dem Disney-Film „Schneewittchen“ sowie Spoken-Word-Performances eines Bukowski-Gedichts und des Kindermärchens aus Büchners „Woyzeck“. Absonderlichkeit rules. Ein Hoch auf den dreifachen Waits.