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Die schönsten Orte mit den schönsten Menschen

Tocotronic live in Erlangen

Beim Konzert in Erlagen legen Tocotronic den Begriff reizend in allen Deutungsvarianten aus und werden dafür frenetisch gefeiert. (Foto: Henri Schmidhuber)

Geschrieben am

09.03.2018, Erlangen, E-Werk


Auch wenn das Intro mit dem ersten Akt »Tanz der Ritter« aus »Romeo & Julia« von Sergei Sergejewitsch Prokofjew erhaben beginnt und sich Tocotronic vor einem Sternenhimmel im Halbdunkel auf der Bühne versammeln, um mit »Die Unendlichkeit« das Konzert angemessen bedeutungsvoll zu beginnen, wird doch schnell klar, dass dies ein eher treibender Abend werden wird. Dirk von Lowtzow hat zum letzten Erlangen-Auftritt dazu gelernt. Damals rief er provokant »Hallo Nürnberg« in die Runde und erntete kalkulierte Buh-Rufe – diesmal lautete es, »Hallo Erlangen« und nach dem pflichtgemäßen Lokal-Applaus folgt ein eingeschobenes »Hallo Nürnberg, hallo Fürth, hallo Bamberg« und eine über das Publikum hereinbrechende »Electric Guitar«. 

Von Lowtzow samt Band ist an diesem Abend extrem charmant gestimmt und er sagt Dinge wie »Wir spielen nicht in den größten Hallen. Aber dafür an den schönsten Orten für die schönsten Menschen«. Er lobt das Publikum als »reizend«, wobei die Band ja nicht minder »reizend« sei und lässt sich kichernd auf Publikumseinwürfe wie »dufte« und »knorke« ein. 

Wie zum Beleg für diesen flauschigen Charme-Angriff sitzen auf dem Verstärker ein Plüschfuchs mit seinen Stofftierkollegen und beobachten die Szenerie. Von Lowtzow reizt aber auch mit kleinen politischen Einwürfen als er einmal die Anarchistin und Feministin Emma Goldmann zitiert (»Wenn ich nicht dazu tanzen kann, ist es nicht meine Revolution«) und dem Publikum dann eine »Kapitulation« vor die tanzenden Füße wirft oder ein anderes Mal auf das Wahlergebnis in Erlangen anspielend »Aber hier leben, nein danke« ankündigt. 

Sehr gut gelaunt und extrem spielfreudig folgt an diesem Abend ein beseeltes Stück nach dem anderen und das Publikum ist bei Songs wie »This Boy Is Tocotronic«, »Drüben auf dem Hügel« oder »Sag alles ab« wie entfesselt. In dieser Setlist geht leider das zarte, solo mit Gitarre vorgetragene »Unwiederbringlich« fast unter – erst am Ende des Liedes stellt sich im Publikum die nötige Ruhe ein, um die gerade sehr treffenden letzten Zeilen wie »Es gab noch keine Handys / Es war alles Gegenwart / Die Zukunft fand ausschließlich / In Science Fiction Filmen statt« aufzunehmen. Doch der Abend steht nicht umsonst im Zeichen des Charmes und es folgt mit »Zucker« ein weiterer reizender Song mit dem die Band alle regelrecht umarmt. 

Von Lowtzow stellt seine Band Arne Zank, Rick McPhail und Jan Müller – »Der Dorian Gray des Pop« gegen Ende des Konzerts einzeln vor, in knapp zwei Stunden haben sie 21 Songs aus 25 Jahren Bandgeschichte gespielt und nach den ersten Zugaben und dem bereits abgespielten Outro, kommen sie noch einmal zurück, um ein eindringliches »Freiburg« abzuliefern – eine Hass-Hymne auf die Kleinstadt, aus der von Lowtzow einst wegzog um in Hamburg den Rest der Band kennenzulernen, um mit dieser weitere Hymnen für Outsider zu schreiben: Und auch wenn diese wie beim Konzert in Erlangen schon teils ergraut sind wie die Musiker selbst (außer Müller natürlich, der ist nur »Gray«), alle Lieder werden lauthals und lebendig mitgesungen – Tocotronic sind mit jedem solchen Live-Auftritt von der »Unendlichkeit« auf dem Weg zur Unsterblichkeit. Dass dieser Abend in jedem Sinn reizend ist, belegt zudem die Tatsache von »Freiburg« als letztem Song, denn es wird ja kolportiert, dieses Lied käme nur dann am Schluss, wenn der Abend richtig intensiv war.

Tocotronic

Die Unendlichkeit (Deluxe Version)

Release: 26.01.2018

A Vertigo Berlin release; ℗2018 Tocotronic Neu Gbr, under exclusive license to Universal Music GmbH

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