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Happy With My Girls

Toast Hawaii Label Night

19.02. - Köln, Studio 672. Client B ist für heute fertig. "Diese Scheißschuhe." Nach getaner Arbeit auf einem Barhocker am Rande des Geschehens sitzend, zeigt sie mit einem durchaus Mitleid erregenden Blick auf das von ihrer Kollegin Client A ausgewählte Schuhwerk. "Ich trage sonst nur Sneaker, dies
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19.02. - Köln, Studio 672. Client B ist für heute fertig. "Diese Scheißschuhe." Nach getaner Arbeit auf einem Barhocker am Rande des Geschehens sitzend, zeigt sie mit einem durchaus Mitleid erregenden Blick auf das von ihrer Kollegin Client A ausgewählte Schuhwerk. "Ich trage sonst nur Sneaker, diese spitzen Dinger mit dem hohen Absatz machen mich fertig", beschwert sie sich. Ansonsten aber gibt es hier heute Abend nichts zu meckern. Der von den Initiatoren als "Little Introduction to Toast Hawaii and Client" bezeichnete Abend lässt bei den Anwesenden keinen Wunsch offen. Andrew Fletcher, als Toast-Hawaii-Labelchef auch der Arbeitgeber der beiden Client-Damen, legt entweder auf oder unterhält sich zwischendurch mit Will von Goldfrapp oder den angereisten Fans seiner Hauptband Depeche Mode. "Warst du vorhin auch schon da, als ich aufgelegt habe?" will er von mir wissen. Als ich das bejahe, deutet er auf Client, die zu dem Zeitpunkt an den Turntables stehen, sagt: "I'm better than them" und lacht dann dreckig, bevor er wieder an dem Strohhalm seines Getränks saugt. Die DM-Fans wiederum freuen sich, wenn Fletch in seinem DJ-Set den einen oder anderen Depeche-Remix spielt (Fletcher kämpft sich zur Zeit für eine Remix-Compilation durch 18 CDs mit bekannten und unbekannten Remixen), oder gehen einfach auf den großen Herren zu, um mit ihm zu quatschen und/oder sich von ihm ein Autogramm geben zu lassen.

Client wiederum nutzen den völlig entspannten Abend, um in ihr 80er-Jahre-DJ-Set den einen oder anderen Song ihres Debütalbums einzubauen. Dieses wird die erste LP auf Fletchers Toast-Hawaii-Label sein, das er jetzt an den Start bringt. Die beiden sich aus dieser Tatsache ergebenden Annahmen widerlegt Fletcher vehement: Nein, Toast Hawaii sei kein Elektrolabel. Und, nein, eine Soloplatte werde er auch nicht veröffentlichen. Die Aufnahmen dazu habe Martin Gore zwar kürzlich bei einem Londonbesuch in seiner alten Wohnung wiedergefunden, Gore weigere sich aber, das Band rauszurücken. "Veröffentlichen will ich das sowieso nicht. War eh nur ein als Spaß gedachtes Rock'n'Roll-Projekt. Ich habe gesungen, Dave zum Beispiel hat Schlagzeug gespielt, und wir haben Songs gecovert", beschreibt Fletcher die in den Berliner Hansa Studios parallel zur "Black Celebration"-LP aufgenommenen Songs. Und ob er jemals eine weitere Band auf Toast Hawaii rausbringen werde, das könne er zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht sagen. So wie er sich zur Zeit um Client kümmere - von der Produktion über das Marketing bis zur Promotion -, das ginge ja ohnehin immer nur mit einer Band auf einmal. Und ob er jemals eine andere Band finden würde, die so gute Songs schreibt, das bezweifle er ebenfalls. "Letztendlich wird irgendwann sowieso das Telefon klingeln, und dann bin ich wieder zwei Jahre unterwegs", sagt er beinahe resigniert. Bis dahin wolle er mit Client und Toast Hawaii aber schon mal einiges angeschoben haben, damit die Sache auch ohne ihn weiterlaufen und er mit Depeche Mode arbeiten könne.

Der Plan könnte aufgehen: Parallel zum Single-Release von "Price Of Love" im April spielen Client in Schweden auf einem Festival, weitere Auftritte im Sommer sind schon so gut wie sicher. Irgendwann will man dann die fertige LP nachschieben. Die ersten Stücke daraus werden von den Gästen im Studio 672 jedenfalls wohlwollend aufgenommen. Kein Wunder, eine gewisse Affinität zu Elektropop kann man von DM-Fans schließlich erwarten. Und leert sich die Tanzfläche dennoch - ein Stück aus Fletchers Remix-Sammlung holt die Leute wieder zurück. Der strahlt dazu und freut sich sichtlich, dass er im Mittelpunkt stehen kann und endlich einmal nicht als fünftes Rad am Wagen wahrgenommen wird. "I'm happy with my girls", sagt er zum Abschied. Geil, denke ich, als ich draußen trotz Kölsch-Konsum und langer Unterhose versuche, würdevoll auf mein Fahrrad zu steigen, da haben er und ich ja sogar was gemeinsam.