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Ein Festival von Nerds für Nerds

Timo Kumpf über das Maifeld Derby

Kaum ein Festival, das sich in den letzten Jahren so fix aus eigener Kraft zu einer Landmarke der Festivallandschaft entwickelt hat wie das Maifeld Derby in Mannheim. Auch 2018 wird es wieder zu den wichtigen Openern der Freiluftsaison zählen – ein guter Grund, mit Veranstalter Timo Kumpf zu sprechen, solange er noch die Ruhe dafür hat.
Geschrieben am
Timo, seit 2011 veranstaltest du das Maifeld Derby, das von dir gemeinsam mit anderen Absolventen der Mannheimer Popakademie ins Leben gerufen wurde. Wo hat die Praxiserfahrung mittlerweile die Akademie-Theorie relativiert?
Also, ich bin schon immer Praktiker. Mein erstes Festival habe ich mit 16 veranstaltet, und vor dem Maifeld Derby hab ich in meinem Heimatdorf zwölf Jahre lang das Noisepollution Festival gemacht (damals auch immerhin schon mit Antitainment, Long Distance Calling, The Hirsch Effekt und anderen). Das Studium hatte neben etwas fundierterem Wissen vor allem einen großen Einfluss auf mein heutiges Netzwerk inklusive meinen Geschäftspartnern, Freunden und auch meiner Band.

Apropos Geschäft: Inwieweit kämst du persönlich nur mit dem Festival allein und ohne deine Arbeit als Booker und Konzertveranstalter finanziell über die Runden?
Keine Chance. Das Maifeld Derby funktioniert in dieser konsequenten Ausrichtung nur durch Quersubventionen. Aktuell noch vor allem durch unsere eigenen Veranstaltungen – 2018 kommen nach dem Derby noch Limp Bizkit und Judas Priest ins Zelt – aber langfristig hoffe ich auf einen Ausbau der Kulturförderung in unserem Bereich. Hier gibt es zwar durchaus positive Entwicklungen bei uns in Mannheim, aber für viele Entscheider ist Pop = Pop = Kommerz, egal, ob James Blake oder Andreas Gabalier. Das fördert weiter die Kluft zwischen E- und U-Musik, die wir mit dem Maifeld Derby zu überbrücken versuchen.

Du betreibst das Festival mit Ökostrom, LED-Lampen, CO2-neutralen Druckerzeugnissen und lokalen Produkten. Gibt es in dem Bereich noch Ziele?
Wir setzen noch alle Punkte um, aber wir kommunizieren es nicht mehr so offensiv. Letztlich geht es ja vor allem darum: Tue Gutes und erzähle davon. Aber hier ist es in der Tat so, dass wir nix mehr zu erzählen haben. Die wichtigsten Punkte à la Regionalität sieht man aber noch an allen Ecken und Enden des Festivals, das ist wichtig.

Essen und Bier von regionalen Anbietern – ist das »nur« Nachhaltigkeit oder auch Eigennutz?
Spielst du mit dem Eigennutz auf meinen Durst an? Eine unserer Brauereien hatte auf der Rechnung statt »Freiware« übrigens mal »Eigenverzehr« vermerkt. Ich glaub nicht, dass die angegebenen sieben Fässer gereicht haben, aber da musste ich schon schmunzeln. Das ist dann auch der wichtigste Punkt: Hinter unseren Hauptbrauereien stecken Leute, die für ihre Sache genauso brennen wie wir für unsere. Das sorgt für tolle Produkte und einen einzigartigen Vibe.

Man gewinnt das Gefühl, dass ihr das Festival vom »Geheimtipp« zum Musikmedientreff entwickeln konntet. Ist allein das Booking dafür verantwortlich? 
Intern bezeichne ich uns gerne mal als Festival »von Nerds für Nerds«. So hat es sich auch ergeben, dass viele Medien und Musikbusiness-Vertreter im Laufe der Jahre den Weg zu uns gefunden haben. Diese Entwicklung führe ich zu 90% auf das Programm zurück und zu 10% auf die offenen Bierhähne nach Feierabend.

Ein anderer Trend ist die Entwicklung von Großveranstaltern zu Aktiengesellschaften. Spürt ihr so was im Booking, oder taucht ihr in eurem Segment darunter durch?
Wir spüren die steigende Konkurrenz schon enorm. Insbesondere die Gagenentwicklung der internationalen Festivals ist absurd. Die meisten unserer Bands sind im Ausland wesentlich erfolgreicher – ein Fakt, den man auch mal untersuchen müsste –, und finanziell kann man hier kaum Anreize liefern. So etwas wie die sensationelle Verpflichtung einer Band wie The National im Jahr 2014 halte ich nicht mehr für möglich.

Und ferner noch eine Entwicklung: Festivalgängern widerstrebt es immer mehr, aus Altergründen zu Hause zu bleiben. Werdet ihr mit euren Fans zusammen altern oder das Programm ewig jung halten?
Och, da versuche ich schon die Waage zu halten. Unser Programm soll weiterhin alte Helden und neuen heißen Scheiß vereinen. Ich hoffe halt, dass sich weiterhin ausreichend junge Menschen so intensiv mit Musik beschäftigen und die VerRTL2isierung nicht weiter fortschreitet.
Maifeld Derby § 15.-17.06. Mannheim § Aldous Harding, Alex Cameron, All Them Witches, Austrofred, Brother Grimm, Cocaine Piss, Dälek, Deerhunter, Eels, Fibel, Ibeyi, Klangstof, Kreisky, Lasse Matthiessen, Lirr, Mikaela Davis, Sam Vance-Law, Warmduscher, Yellow Days, Young Fathers
Juni 2018 15 Mannheim

Maifeld Derby

15.06.2018 bis 17.06.2018

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