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Der rastlose Optimist

Tim Vantol im Interview

Vor knapp zehn Jahren entschloss Tim Vantol ein Soloprojekt als Singer-Songwriter zu starten. »Burning Desires« ist mittlerweile seine dritte LP, und auch wenn sich der Niederländer musikalisch erneut einfacher Mittel bedient, überzeugt das Ergebnis auf ganzer Linie. Celia Woitas erzählte der Tim Vantol von seiner Sehnsucht nach einem minimalistischen Leben.
Geschrieben am

Interview:
Celia Woitas

Du bezeichnest dich selbst als einen »einfachen Musiker«. Starken Eindruck hinterlässt du aber schon, wie ich bei Instagram gesehen habe. Ein Fan schickte dir ein Bild von zwei Hochzeitsringen mit einer Gravur deiner Lyrics. Passiert dir sowas häufiger?
Einmal war ich nach einer Show in Münster noch in einer Kneipe, da kam einer aus dem Publikum auf mich zu und sagte: »Tim, kannst du mir den einen Satz von deinem Song auf den Zettel schreiben. Ich würde das gerne als Tattoo haben.« Das war ein ganz kleiner Zettel. Ein paar Wochen später schickte er mir dann ein Foto und hatte den Text breit auf seinen Körper tätowiert. Das war ziemlich krass.

Deine dritte LP »Burning Desires« wirkt in der Produktion deutlich glatter und sauberer als seine Vorgänger. Hat das etwas mit der Zusammenarbeit mit Adam Grahn von Royal Republic zu tun?
Auf jeden Fall! Mit der ganzen Recording-Sache kenne ich mich auch gar nicht groß aus. Ich habe meine Idee und meinen Song. »Burning Desires« ist durchdachter, weil ich nicht wie bei meiner letzten Platte einfach ins Studio gegangen bin und losgelegt habe. Mit Adam haben haben wir überlegt, was wir daraus noch machen können und wie jeder Song klingen soll. Bei »Let It Pour« wollten wir zum Beispiel, dass es so klingt, als würde jemand direkt vor dir sitzen und dir den Songs vorspielen. Wichtig war für mich nur, dass sich die Lieder am Ende noch nach mir anhören. 

Wie kam es überhaupt zu der Zusammenarbeit?
Wir haben das gleiche Management, sie hatten mich mit Adam zusammengebracht. So gut kannte ich ihn vorher gar nicht. Als er dann nach Berlin zu einer meiner Shows kam, haben wir zusammen gequatscht. Anschließend bin ich direkt von der Berlinshow mit nach Malmö gefahren und wir haben ausprobiert, ob es zusammen funktioniert. Das hat es! Von der Persönlichkeit her sind wir auch total verschieden: Er ist bei Royal Republic ein ziemlich krasser Frontmann und ich stehe ganz einfach mit meiner Gitarre auf der Bühne.
Geht es auf dem neuen Album »Burning Desires« um deine sehnlichsten Wünsche, oder wie kam es zu dem Titel?
Ich habe diese Platte geschrieben, weil sich in meinem Leben viel veränderte. Zuerst hatte ich alles, dann fast gar nichts mehr. Da habe ich überlegt: Was möchte ich jetzt? Meine größte Sehnsucht war wieder minimalistischer zu leben. Meine Platten erzählen immer die Geschichte der Zeit zwischen dem letzten und dem neuen Album, dadurch enthalten diese dann auch immer viele persönliche Erzählungen. 

Sehnsucht hört man auf den Songs weniger heraus, dafür aber viel Sommer, Sonne, Freiheit und Reisen, wie man in » Till The End« beispielsweise unschwer erkennen kann. Ziehst du dich für das Schreiben dann auch in ein Haus in den Bergen zurück?
Wichtig ist, dass ich meine Songs ganz allein schreibe, mit anderen Leuten um mich herum funktioniert das gar nicht. Ich kann auch auf Tour nicht schreiben, da würde nur Blödsinn bei rauskommen. Ich muss mich wirklich ganz allein in ein Zimmer setzen, am liebsten natürlich in einer Hütte in den Bergen, aber das hat leider noch nie geklappt. Da müsste man immerhin ewig weit mit der Gitarre klettern. Aber für Inspirationen sind die Berge sehr gut.

Unterwegs bist du also schon gern?
Ja, ich kann nicht so lange zu hause sitzen. Ich muss produktiv sein, sonst nervt mich das. Deswegen verstehe ich Serien auch überhaupt nicht. Alle meine Freunde sind so vernarrt in Serien. Ich kann mich einfach nicht hinsetzten und gar nichts machen.

Bist du so auch zu seinem Soloprojekt gekommen? Früher hast du noch in einer Post-Punk-Band gespielt. 
Ich wollte schon immer einfach spielen und Spaß dabei haben. Meine ehemaligen Bandkollegen wollten das zwar auch, aber ohne die dazugehörige Drecksarbeit. Ich war dann irgendwann in Rotterdam, sah Chuck Ragan auf der Bühne stehen und dachte mir: »Er hat total recht und macht alles richtig. Ich kaufe mir einfach eine Akustikgitarre, schreibe eine Platte und reise ein bisschen herum.« So habe ich es dann auch gemacht. Ich kündigte meinen Job, sparte Geld und sieben Jahre später bin ich hier.
Klingt sehr spontan. Trifft die besungene Rastlosigkeit im Song »Restless« also komplett auf dich zu?
Ich glaube schon. Ich habe das Lied geschrieben nachdem ich mit meiner Mutter in der Küche stand. Wir haben darüber geredet, was ich mit meinem Leben gern machen möchte, und ich wollte so viele Sachen: ein Haus bauen, nach Peru reisen, keine Ahnung warum. Sie sagte daraufhin: »Du bist so rastlos.« Damit hat sie recht. Unsere Generation ist einfach anders, in dem was wir machen. Meine Eltern haben geheiratet, mein Vater immer in der gleichen Firma gearbeitet. Da erkennt man einen Unterschied. Ich kann nicht so einfach mit dem zufrieden sein, was ich habe, denn ich kann noch so viel mehr machen. 

Pläne für die Zukunft hast du also schon!? Trifft das auch auf dein musikalisches Schaffen zu? 
Nein, erst mal möchte ich meine Platte herausbringen und dann im Herbst meine Headliner-Tour und ein paar Festivals spielen. Mal schauen, wie alles läuft, ich bin immer vorsichtig mit Plänen und Zielen. Alles step by step!

Tim Vantol

Burning Desires

Release: 21.04.2017

℗ 2017 OMN Label Services