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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Killers und Fever live in Köln

They got problems!

14.07., Köln, Live Music Hall bzw. Underground Es war ein heißer, ein sehr heißer Tag, da ist man naturgemäß etwas träge und Entscheidungen fallen besonders schwer. Also habe ich mich einfach vor der Entscheidung, welches Konzert ich nun besuche, gedrückt und einfach beide mitgenommen. Das klappt
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14.07., Köln, Live Music Hall bzw. Underground

Es war ein heißer, ein sehr heißer Tag, da ist man naturgemäß etwas träge und Entscheidungen fallen besonders schwer. Also habe ich mich einfach vor der Entscheidung, welches Konzert ich nun besuche, gedrückt und einfach beide mitgenommen. Das klappte auch ganz gut, denn praktischerweise fanden sie in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander, dem Underground (Fever) und der Live Music Hall (Killers) statt.

Das Killers-Konzert war der Nachhol-Termin vom Februar, als die Band ihre Gigs nicht wie geplant spielen konnte, weil Sänger Brendan Flowers mit Stimmproblemen kämpfte. Der stetig steigenden Breitenwirkung dank, wurde der für den Primeclub angesetzte Gig in die mehr als doppelt so große Live Music Hall verlegt und die war auch sehr zeitig sehr voll. Doch das nützte gar nichts, denn nachdem die Killers mit großem Bahnhof einen zunächst auch angemessen fulminanten Konzertstart hingelegt hatten, musste Brendan bei Song #4, 'Somebody told me' bei den hohen Noten passen und verließ seinen Mikrostand zum Ende hin gar gänzlich.

Konfusion auf und vor der Bühne, die auch nicht mit der hilflosen Aussage "I’ve got problems" gelöst wurde. Die Lösung sollte dann sein, leiser zu spielen, was natürlich in einer Halle dieser Größe ganz in die Hose ging und nun auch noch die instrumentale Atmosphäre flöten war.

Hiernach wurde man nun Zeuge der regelrechten Dekonstruktion eines Popstars hin zum kleinen Jungen. Flowers rannte fahrig umher, von der Bühne und wieder hinauf, ließ schließlich seine sichtlich konsternierten Bandkollegen stehen, die dann wohl oder übel ihrem Sänger folgen mussten.

Ein ebenfalls ratloser Veranstaltungssprecher bat, der Band 10 Minuten Beratungspause einzuräumen - das bis dato erstaunlich gnädige Publikum murrte und machte bei der Rückkehr der Band auch erstmals wachsendem Unmut Luft.

Dass die hiernach folgenden drei Songs, 'Mr Brightside', 'Smile Like You Mean It' und 'All These Things That I’ve Done', noch halbwegs ok funktionierten, muss wohl an den durch nichts zu erschütternden Fans in den ersten Reihen gelegen haben, die gesanglich lauthals ihren Hero unterstützen. Doch der Vibe war einfach dahin, es wirkte, als ob da oben ein paar Jungs Killers’ Songs nachspielten. Ärger und Mitleid bestimmen schließlich das Bild und das ist es nun garantiert nicht, was die Killers erreichen wollten.

Zum Glück konnte ich vorher aber noch ein "richtiges" Konzert sehen. Es waren zwar nur sehr wenige Leute da (wären die Killers-Anhänger mal lieber eine Einfahrt vorher ins Underground abgebogen), doch die New Yorker The Fever geben Gas, als gäbe es kein Morgen. Ihre verquere Mischung aus New Wave, Rockabilly und 60er Garage-Sound geht unmittelbar ins Tanzbein, oder die Hüfte, je nach Veranlagung. Geremy Jaspers überdrehter Gesang (dagegen ist Pelle von den Hives direkt zahm) hat schwer mit dem dominierenden Instrument, dem Schlagzeug zu kämpfen, was aber gar nichts macht, denn die Drums sind von einem Typen namens Achilles so irrwitzig, komplex und sensationell gespielt, da hätten die anderen sogar mehrere Takte aussetzen können, ohne dass es langweilig geworden wäre. Dass er optisch irgendwie an Frank Zappa (mit vielen Haaren und Bart) erinnert, muss dabei keine besondere Bedeutung haben. Apropos Aussehen: der Fever-Basser/Keyboarder sah mal so was von wie aus einem schmierigen 70er Porno aus... unglaublich! Die ca. 25 Anwesenden machten bei jedem Song zum Dank Lärm für mindestens 30 und die Band stand, trotz eines Seitenhiebes in Richtung Killers, einfach über den Dingen – da war keine Spur von Attitude-Problemen. Ok, eine leere Halle lässt sich nicht direkt mit einer schwächelnden Stimme vergleichen, aber beides gehört zu den Tücken des Showgeschäfts und bei der Meisterung derer haben The Fever eindeutig die bessere Figur gemacht. Diese Quintessenz war trotz Hitze dann doch noch möglich.