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Totgesagt und so

Therapy? live!

18.05.2006, Köln Prime Club. Drückende Hitze liegt an diesem Abend über Köln, ein Abend an dem Therapy? dem Prime Club kräftig einheizen sollten. Aber bevor die energiegeladene Show den kleinen Club fast auseinander nehmen sollte, ist die Zeit von The Go Faster Nuns gekommen. Vier Punkrocker der alt
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18.05.2006, Köln Prime Club. Drückende Hitze liegt an diesem Abend über Köln, ein Abend an dem Therapy? dem Prime Club kräftig einheizen sollten. Aber bevor die energiegeladene Show den kleinen Club fast auseinander nehmen sollte, ist die Zeit von The Go Faster Nuns gekommen. Vier Punkrocker der alten Schule aus dem fränkischen Bamberg. Dessen Altstadt ist zwar Weltkulturerbe, aber nicht gerade bekannt für den Export von Rockmusik - eher für feinstes Bier. Wer weiß, ob es nicht letztlich der gute fränkische Gerstensaft war, der die vier Musiker zusammen gebracht hat? Bei der Show verzichten D.D. Windisch, T. van Guzyfer, Mr. Spaceboy und Betty Pregnant jedenfalls auf Alkohol und widmen sich lieber ganz dem Publikum. Da es eine Vorgruppe in der Regel nicht einfach hat, bedienen sich The Go Faster Nuns eines altbewährten Mittels: Tempo! Mit ordentlich Punkrock im Arsch wird draufgehalten, was die Anlage hergibt - und das natürlich im passenden Dienstoutfit! Gitarrist T. van Guzyfer mit seinem schweißtreibenden Job einfach mit passender Bekleidung entgegen: Ein luftiger Schottenrock kombiniert nackten Oberkörper und abgeklebten Nippeln. Nicht weniger engagiert die anderen Bandmitglieder. Vorneweg Sänger D.D. Windisch, der sich als wahrer Animateur erweist. Glücklicherweise nicht im Ibiza-tauglichen Format, sondern mit Rockattitüde. An Gestik und Mimik merkt man dem Frontmann von The Go Faster Nuns deutlich an, wie viel ihm daran liegt, dass Bewegung in die Menge des schon ordentlich gefüllten Prime Clubs kam. Ein guter Start in einen lauten Abend.

Von solchem Publikum können die meisten Bands nur träumen. Kaum legen Therapy? mit "Sprung", dem ersten Lied des neuen Albums "One Cure Fits All" los, tobt schon der Saal. Überzeugen muss das Trio an diesem Abend niemanden; wer sich hier eingefunden hat, weiß, was ihn erwartet, und Therapy? enttäuschen nicht. Mit trockenem Humor und ordentlich Spaß an der Sache spielen sie sich zunächst durch eine Mischung brandneuer Tracks wie "Rain Hits Concrete" oder "Our White Noise" und alt gedienter Favoriten wie "Knives" und "Screamager". Beides wird gleichermaßen begeistert aufgenommen, und selbst anfängliche Soundprobleme und ein paar ziemlich schräge backing vocals tun der Stimmung keinen Abbruch. Die jüngere Bandgeschichte ist unter anderem mit "If It Kills Me" und einer verjazzten Version von "Rock You Monkeys" vertreten, aber auch uraltes wie "Teethgrinder" kommt in bewährter Spielfreude zum Einsatz, bevor die Band sich mit "Walk Through Darkness" vorläufig verabschiedet. Dass das der anwesenden Fangemeinde nicht reicht, ist klar, und so sind die Jungs alsbald wieder da und holen sich, weil Andy angeblich den Text nicht mehr weiß, für "Femtex" einen Freiwilligen auf die Bühne. Der kann zwar nicht singen, aber darum gehts ja auch gar nicht. Auf Augenhöhe mit ihrem Publikum sind Therapy? in ihrem Element. Ihre kategorische Weigerung, sich selbst übermäßig ernst zu nehmen, macht ihre Live-Auftritte zu einem Vergnügen - weit über das Musikalische hinaus. Und so müssen sie auch noch eine weitere Zugabe geben, bevor sie endlich in ihren Tourbus dürfen. Für eine so oft totgesagte Band ist hier noch eine Menge Leben drin.