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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»#2«

Thees Uhlmann

Der berühmteste Sohn Hemmoors, der Erneuerer des rockig sensiblen Singer/Songwritertums schenkt nun nachhaltiger auf den Solo-Entwurf ein. Lone Star statt Tomte. Uhlmann ist zweifellos der deutsche Bruce Springsteen. Bleibt nur die Frage: in guten oder schlechten Tagen?
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Pro: Der Sturm ist on. Man merkt es an dem digitalen Rauschen im Social-Media-Wald. Fans greifen sich zwischen die Beine, Haters an ihre Mistgabeln. Kann fast nur eines heißen: Thees Uhlmann ist zurück. Und was soll ich sagen? Ich mag diese Platte! Und wegen des ganzen Traras drum herum: An wenigen Leuten im deutschen Beinahe-Mainstream perlt doch das Checker-Genöle à la »Tomte fand ich besser« oder »Der Alte hält sich für den deutschen Springsteen« so bedenkenlos ab wie an dem letzten großen Rockstar der Post-Hosen-Generation. »Die Bomben meiner Stadt machen Boom, Boom, Boom!«, der stampfende Rhythmus des beinahe gleichnamigen Songs frisst sich perfekt ins Ohr. Uhlmann textet wieder sehr direkt und das trotzdem auf seine eigene umwegige Art und Weise. Einen großen Schritt nach vorne macht indes das Songwriting beziehungsweise machen die Kompositionen (erneut zusammen mit Tobias Kuhn umgesetzt). Die wirken ausgereifter und lässiger denn je, besitzen dabei durchweg orchestrales Pop-Breitwand-Appeal. Der Gallagher-Verweis ist dadurch nicht nichtig geworden, aber das hier ist einfach mal stärker als zum Beispiel Beady Eye. Westernhagen, Lindenberg, Muff Potter ... die kann »#2« auch gleich noch mit beerben. Kumpelkult Uhlmann ist und bleibt der »Hooligan der Herzen«. (Klaas Tigchelaar)

Conta: Ach, Thees, du hattest mich doch! Damals im Sommer 2007. Ich weinte während deines Auftritts, und mir kamen Tränen, als wir alle zusammen »Die Schönheit der Chance« in die untergehende Sonne hineinschrien. Das ist aber sechs Jahre her – und bei mir ist einiges passiert, bei dir leider nicht. Jetzt müsste ich eigentlich sagen: »Es liegt an mir, nicht an dir« – das wär aber gelogen. Immer dieses ewig gleiche Nölen (»Gesiacht« anstatt »Gesicht«) – allein verbirgt sich hinter dem Ziehen und Zerren der Wörter nicht Liam Gallagher, sondern eben bloß nur Thees Uhlmann. Und vielleicht wäre die Musik drum herum dabei sogar gern Chanson, doch es ist bloß Schlager, Indie-Schlager. Thees, das singende Bananenweizen! Und würde mir die Stimme nicht schon genügend auf die Nerven gehen, sind die Texte zumeist altklug und doof zugleich, was in der Kombination allerdings auch schon mal eine Leistung ist. Den Begriff »Oberstufenlyrik« selbst ins Spiel gebracht, passt er auf dieser Platte leider zu jedem Zeitpunkt. Wenn ich berührt war, dann nur peinlich. Man hätte Freunde werden können – aber die Zeit scheint wohl endgültig vorbei. (Lars Fleischmann)