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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Klaus Walter zum Tod von Grant McLennan

The Wrong Road

Warum Grant? Warum Grant und nicht Robert? Robert war doch der Kandidat für so einen frühen Tod. Immer mehr am Rand, over the top, manchmal over the edge, in den 80ern. Bei den letzten Begegnungen wirkten beide so überzeugt und gewiss, zwei lebenslange Freunde, die wissen, was sie tun, was sie anein
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Warum Grant? Warum Grant und nicht Robert? Robert war doch der Kandidat für so einen frühen Tod. Immer mehr am Rand, over the top, manchmal over the edge, in den 80ern. Bei den letzten Begegnungen wirkten beide so überzeugt und gewiss, zwei lebenslange Freunde, die wissen, was sie tun, was sie aneinander haben, was sie gemeinsam können, die Freude haben an ihrer Musik und an ihrer Freundschaft. Um diese Freundschaft, erwachsen und kompostiert aus der Liebe zu den selben Platten, Filmen, Büchern, dann so produktiv für eine so lange Zeit, mit Krächen, Trennungen & Happy End, darum habe ich sie beneidet. Solche Gefühle gegenüber doch eigentlich Fremden kommen nur auf, wenn man eine gewisse biografische Nähe hat. So gesehen sind die Go-Betweens eine Art Band meines Lebens, fürchte ich, verbunden in Zeitgenossenschaft & Dress Sense of Humour (wenn´s den gibt). Jedenfalls könnte ich mein Leben seit 1978 erzählen mit Go-Betweens-Songs, „Karen“, „People say“, Forster-Songs, „Cattle and Cane“, Grants most loved Song, und „River of Money“ aus dem spukigen „Spring Hill Fair“Album. Nie haben sie „River of Money“ live gespielt, keiner mochte den Song. Grant spricht den langen Monolog eines verlassenen Mannes, der sich in die Victorian Alps zurückzieht, in der Hoffnung, „that geography might rescue me“. Als er erkennt, dass Schnee, den er zuvor nie gesehen hatte, doch nur gefrorenes Wasser ist, kehrt er zurück in die – nicht mehr – gemeinsame Wohnung. Sie hat ihren Reisewecker zurückgelassen, in der Annahme, er würde in einer anderen Zeitzone nicht funktionieren. „So the long vacant days of expensive sunlight were filled with the sound of her minutes, with the measuring of her hours.“

Als Robert Forster und Grant McLennan nach 12 Jahren Pause wieder unter dem so perfekt zu ihnen passenden Namen The Go-Betweens weitermachen, neu anfangen mit „The Friends of Rachel Worth“, frage ich Grant nach den sexuellen Ambiguitäten der Go-Betweens. Seine Antwort ist eine Coming of Age-Geschichte in 100 Sekunden, so einfach und so überzeugend, dass man dabeigewesen sein möchte: ”Robert und ich sind in Brisbane aufgewachsen, das war Mitte der 70er dominiert von einer Machokultur, langweilig, uninspiriert, junge Männer im Pub, Fußball, wie überall. Daran waren wir nicht interessiert, wir gingen lieber in den französischen Film Club, Godard-Filme sehen, wir hörten Velvet Underground, lasen Bücher. Diese Dinge brachten uns zusammen, weil es keine anderen Leute gab. Wir hingen dann in der neuen Musikszene herum, die meisten waren Punks und hielten uns für...(an dieser Stelle fällt er in einen tuntigen Sound:) blasiert, seltsam, und, vielleicht, sexuell uneindeutig.. (kurze Pause) Und all diese Dinge sind wahr.