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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Rules

The Whitest Boy Alive

Das Cover zeigt eine Warteschlange in Form des Buchstaben "R" (wie in "Rules"). Scheinbar ein Symbol für Verhaltensregeln, die auch in den Songs eine wichtige Rolle spielen.
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Das Cover zeigt eine Warteschlange in Form des Buchstaben "R" (wie in "Rules"). Scheinbar ein Symbol für Verhaltensregeln, die auch in den Songs auf diesem zweiten WBA-Album eine wichtige Rolle spielen.

Manieren erleichtern das Miteinander, aber gleichzeitig stehen sie oft in Kontrast zur menschlichen Natur. "Keep A Secret" heißt das erste Stück, das, wie könnte es anders sein, von der Schwierigkeit handelt, ein Geheimnis zu bewahren. Das Geheimnis als Scharnier, das zwei Menschen miteinander verbindet und Nähe herstellt. Nähe herzustellen ist eine der grundsätzlichen Qualitäten von WBA. Sie grenzen sich damit ab von zeitgemäßen, Distanz stiftenden Verwirrungsgesten, die eine Band wie Animal Collective kultiviert hat. Das macht diese nicht schlechter, aber es wird doch ein anderer Zugang evoziert. Von der Haltung her führen WBA mit zeitgemäßen Mitteln das fort, was Everything But The Girl in den 80ern initiierten, nämlich, eine Trost spendende Musik zu schaffen, die davon erzählt, wie Menschen miteinander umgehen. Häufig legen die Songs von WBA die Zwischentöne frei, die in der Kommunikation oft nur unterschwellig erkennbar sind. Die Texte betonen den Beziehungsaspekt zuungunsten des Inhaltsaspekts. So etwa den Umstand, dass man etwas erst dann haben will, wenn es nicht mehr da ist ("Intentions"). In jedem anderen Kontext als Popmusik könnte man diese Themen für Allgemeinplätze halten, aber Pop, wie WBA ihn verstehen, definiert sich ja gerade über Prägnanz und universale Zugänglichkeit. Die Beschreibung archetypischer Verhaltensmuster bringt außerdem ein hohes Maß an Vertrautheit hervor.

Die Musik, sie ist housiger geworden als auf dem ersten Album "Dreams", orientiert sich mehr an den tollen, energiesprühenden Konzerten der Band. Das bedeutet jedoch nicht, dass man jetzt auf undifferenzierten Ravesound setzen würde. Tatsächlich führt die an Metro Area und den gesamten Sound des Environ-Labels erinnernde Ausrichtung des Albums die Sensibilität fort, die auch Erlend Øyes Worte bestimmt. WBA haben eine anti-eskapistische Tanzplatte gemacht, die die Beweggründe, weshalb man tanzt, in den Texten gleich mitliefert. (Zu einem ohnehin schon super Stück wie "1517" tanzt man gleich noch mal so gern für die Zeile "Freedom is a possibility only if you're able to say no".) Und das Prinzip der Interaktion, das den Texten zugrunde liegt, ist natürlich auch konstitutiv dafür, wie der warme, geschliffene Sound der Band zustande kommt. Selten zuvor hat man einen Elektronik-Act erlebt, bei dem die einzelnen Musiker so sehr aufeinander eingehen.