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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Dreams

The Whitest Boy Alive

Erlend Øye hat in den letzten Jahren diverse Transformationen erlebt. Nachdem er die “Quiet is the new loud”-Bewegung mit den Kings Of Convenience ebenso schnell begründet wie auch wieder begraben hatte, gab es erst einmal ein Elektropop-Soloalbum, für dessen Produktion er immerhin Leute wie Morgan
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Erlend Øye hat in den letzten Jahren diverse Transformationen erlebt. Nachdem er die “Quiet is the new loud”-Bewegung mit den Kings Of Convenience ebenso schnell begründet wie auch wieder begraben hatte, gab es erst einmal ein Elektropop-Soloalbum, für dessen Produktion er immerhin Leute wie Morgan Geist, Schneider TM oder Prefuse 73 gewinnen konnte. Dann war er ja noch als singender DJ tätig. Ein Projekt, das im Endeffekt wohl eher von sympathischen Schrulligkeiten und Gespür für Hits getragen wurde denn von technischen Fertigkeiten. Wenn der auf einmal Sachen wie a-ha ausgrub und spielte, dann stand man eher so rum, knöpfte sein Hemd auf und dachte, man sei jetzt selbst Morten Harket – so wie ein Freund von mir damals, auf MDMA. Aber ein treibendes DJ-Set sah weiß Gott anders aus. In Sachen Gitarrenmusik hingegen war Erlend Øye immer mehr so der Typ Zupfer und eher gemütlich unterwegs. Es gibt Leute, die schwören, er habe noch nie auf einen Verzerrer getreten, und auch auf der Platte “Dreams” seiner neuen Band The Whitest Boy Alive wird diese Tradition beschwingt weitergeführt. Eigentlich als Elektroprojekt geplant, ergab sich schnell eine klassische Bandbesetzung, in der man nun konsequenterweise auch Gitarrenmusik feilbietet. Diese erinnert teilweise an die ersten Cure-Platten, die traurigen Momente wecken sogar Assoziationen zu Cat Power, wobei die Stimme von Erlend natürlich schon männlich ist, aber männlich in einem angenehmen Sinne: weich, fragil, behutsam eingesetzt. Vielleicht ist der Vergleich zu den frühen Cure gar nicht mal so dumm, auch wenn Erlends Gesangstimbre natürlich in eine komplett andere Richtung geht als das von Robert Smith. Wie “Boys Don’t Cry” schafft es aber auch “Dreams”, melancholisch-fröhlich vor sich hin zu flöten und diese Stimmung zehn Songs lang zu halten, wobei sich gerade der vermeintliche Clash zwischen trauriger Stimme und spartanischem, sommerlich-mäanderndem Soundkostüm als spannend erweist. Ohne jetzt die Geschmackspolizei spielen zu wollen, aber wer dieser Platte hier nichts abgewinnen kann, der hat echt überhaupt keine Ahnung.