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Highly Envolved

The Vines

Die letzten Nächte kaum geschlafen, der Kopf brummt, ich wirke desorientiert, fast völlig entrückt, sehe aus wie 20 Jahre Rock’n’Roll am Stück - so erkennt man mich (hoffentlich) gar nicht. Und das alles liegt nur an ... der Hitze der letzten Tage. Und dann auch noch The Vines. Als wären
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Die letzten Nächte kaum geschlafen, der Kopf brummt, ich wirke desorientiert, fast völlig entrückt, sehe aus wie 20 Jahre Rock’n’Roll am Stück - so erkennt man mich (hoffentlich) gar nicht. Und das alles liegt nur an ... der Hitze der letzten Tage. Und dann auch noch The Vines. Als wären 38°C nicht genug, brüte ich auch noch über der Frage, ob ich die nun groß oder uneingeschränkt riesig finde. Komme zu folgendem Ergebnis: als gefürchteter Pedant störe ich mich im Grunde nur an der Produktion. Denn einfach etwas mehr Keller- oder Garagensound - und die Platte wäre DAS Ding. Wer hat denn da wieder auf Major-Ebene Angst gekriegt und damit den Beck-, Foo-Fighters- und Guided-By-Voices-erprobten Produzenten dazu gebracht, die vier Australier latent nett, ja ein wenig zu perfekt klingen zu lassen? Ist schon erstaunlich, merkt man doch, wie die Jungs das letzte aus ihren Instrumenten und Stimmbändern herausholen. Und das Info erzählt nicht umsonst von einer “extrem belastungsfähigen Stimme”. Das Studio muss geradezu explodiert sein, die Songs sind roh, aber ich denke bisweilen auch mal: Tischfeuerwerk. Etwas mehr dirty Sound bitte – die Strokes haben es schließlich auch in die Charts geschafft! Apropos Strokes, würde ein Stand-up Comedian eurer Wahl jetzt sagen: The Vines haben wirklich recht wenig mit ihnen gemein, außer ihren Hot-Tipp-Status. Musikalisch geht’s deutlich vielseitiger zu Werke. Eine Sozialisation im Gitarrenpop-Sound der Sixties war schon durch Sänger Craig Nicholls’ Vater unvermeidlich, hatte der doch seinerzeit in einer Beat-Coverband namens – aha! – The Vines gespielt. Die Beatles sind so, insbesondere in ruhigeren Momenten, sehr präsent im traditionsreichen Vines-Werk, sei es im Arrangement oder bei den Gitarrenriffs. Besonders aber die Leidenschaft zur Melodie, die auch nicht schwindet, wenn sie’s richtig krachen lassen, ist dem ur-britischen Einfluss zu verdanken. Aber da lag noch viel mehr auf dem Plattenteller: Punk, Rock, Alternative, Stooges, My Bloody Valentine und natürlich Nirvana. Wahrlich eine unbändige Energie, die alle umhauen wird, die bei dreckigen Songs keinen dreckigen Sound vermissen – und das werden zum Glück verdammt viele sein!