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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Garage

The Thing

Cover-Versionen-Alben genießen häufig den Ruf des künstlerischen Ausverkaufs, was manchmal etwas ungerecht ist. Immerhin: Nick Cave, The More Extended Versions und Elvis Costello tun es, Caetano Veloso und Keith Jarrett tun es, Henry Kaiser und Wadada Leo Smith tun es, auch die Global Kryner und C
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Cover-Versionen-Alben genießen häufig den Ruf des künstlerischen Ausverkaufs, was manchmal etwas ungerecht ist. Immerhin: Nick Cave, The More Extended Versions und Elvis Costello tun es, Caetano Veloso und Keith Jarrett tun es, Henry Kaiser und Wadada Leo Smith tun es, auch die Global Kryner und Camper Van Beethoven tun es – Alben, die aus lauter Cover-Versionen bestehen, können artistische Verbeugungen, akademische Fingerübungen, biografische Erzählungen oder kulturtheoretische Kommentare sein. The Thing, dieses schwedisch-norwegische Allstar-Trio (Mats Gustafsson, Ingebrigt H. Flaten, Paal Nilssen-Love), sind von allem etwas, konfrontieren sie doch die Emphase des Free Jazz mit der auf den Punkt gebrachten Energie des Garagen Rock. Wieder einmal ist es ausgesprochen spannend zu hören, dass junge Jazzmusiker längst nicht mehr in einem Jazz-Ghetto musiksozialisiert werden (wie es nach dem Krieg einmal gewesen sein mag), sondern mit Jazz, Rock und Pop aufwachsen. Je nach Temperament kann das Resultat dann wie Till Brönner, Johannes Enders, Wolfgang Haffner oder eben wie The Thing klingen. Letztlich ist es eher ein Zugeständnis an die Hörer, dass sich Stücke mit hohem Wiedererkennungswert wie ›Have Love Will Travel‹ im Repertoire befinden, weil auch die zwei Eigenkompositionen den Hits an Intensität in nichts nachstehen. Darüber hinaus ist ja eine Band, die Free-Jazz-Stücke von Peter Brötzmann oder Don Cherry covert, natürlich per se sympathisch. 38 erschöpfende Minuten zeigen deutlich, dass Musik noch immer ungemein intensiv, ja gefährlich und rebellisch klingen kann. Wobei diese Adjektive selbstredend subjektiv gefärbt sind. Man kann sich ebenso gut die ›Holy Ghost‹-Box von Albert Ayler besorgen und die Töne von The Thing historisch vernetzen.