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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Das kleine Groove-Gespräch

The Teenage Idols

Warum Northern Soul purer Konstruktivismus ist? Weil Northern Soul eigentlich überhaupt keinen Musikstil beschreibt. Vielmehr wird die Zugehörigkeit eines Songs zum heiligen Gral der Community lediglich über die definitorische Kraft von deren Mitgliedern geschaffen. Northern Soul war und ist Abgrenz
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Warum Northern Soul purer Konstruktivismus ist? Weil Northern Soul eigentlich überhaupt keinen Musikstil beschreibt. Vielmehr wird die Zugehörigkeit eines Songs zum heiligen Gral der Community lediglich über die definitorische Kraft von deren Mitgliedern geschaffen. Northern Soul war und ist Abgrenzung. In den Sechzigerjahren grenzten sich die nordenglischen Clubs und DJs vom kommerziellen Soul der Londoner Szene ab. Im Norden spielte man lieber raren, harten und ursprünglichen Stoff. Dabei konnte Northern Soul durchaus auch andere Stile als Soul integrieren: Country, Rock’n’Roll, Reggae oder gar Salsa. Auch die Rock’n’Roll-Band The Teenage Idols aus Stockholm ist Konstruktivismus pur. Warum? Weil man selten eine Band hörte, deren Stil so eindeutig vom rauen Basiskatalog des Fifties-Rock’n’Roll geprägt ist – und spätestens mit den zarten Punk-Anfängen des Sechzigerjahre-Garage vollendet wird. Die Mitglieder sehen das freilich anders. Sie wähnen Einflüsse aus allen Jahrzehnten in ihrer Musik und bezeichnen diese letztlich sogar als Northern Soul. Ein kurzer Dialog mit der Rhythmusgruppe folgt:

Wo seht ihr die modernen Einflüsse in eurer Musik?

Tomas (drums): Hör dir den Beat von ›Here She Comes‹ an. Das ist ein Tanzbeat, fast wie beim Techno.
Caroline (bass): In ›Northern City‹ gibt es einen Break. Der klingt nach purem Hardrock. Nein, wir sind definitiv nicht aus den Sixties!

Hmm. Kennt ihr die Whyte Seeds? Mögt ihr die?

T: Ja, aus Göteborg. [klingt gelangweilt]
C: Das ist nicht meine Art von Musik.
T: Ich kenne den Keyboarder, ein netter Typ. Aber musikalisch, nein. Die klingen ja wie die Doors!
C: Das ist was ganz anderes. Die mögen Pop und 60s-Rock. Aber die haben nicht diesen Heartbeat, den wir haben.
T: Das ist eher Sing-along-Musik. Immer wollt ihr uns schwedische Bands in einen Topf werfen. Der schwedische Garagensound, wow!

Wer fing eigentlich an mit diesem Hype?

T: Im Zweifelsfall der NME. Nein, Quatsch! Aber es gibt diese Verbindung zwischen Skandinavien und England. Das hängt auch mit Creation-Boss Alan McGhee zusammen. Er unterstützte die Hives und hat sie auch sehr gut promotet.

Wie schafft ihr es, dass eure Songs so rau und energiegeladen rüberkommen? Los, verratet das Geheimnis!

C: Wir machen die Songs oft nachträglich einfacher, als sie zwischenzeitlich schon mal waren. Wir hören die Alarmglocken schrillen, wenn Songs zu kompliziert werden.

Woran merkt man, dass ein Song zu kompliziert wird?

T: Wenn man das Gefühl nicht mehr spürt, dieses tribal feeling. Das kommt ja fast immer von Schlagzeug und Bass. Wenn man das nicht mehr spürt, dann ist der Song zu kompliziert. Zu melodisch. Sing-along-Musik eben. Dann hast du es verloren.
C: Immer, wenn man Töne wegnehmen kann, sollte man das tun. Wenn die zusätzlichen Töne das Ergebnis nicht verbessern, nimm sie weg. Das machen wir ziemlich oft.