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Ist weniger mehr?

The Tallest Man On Earth live in Köln

Schon im Mai kündigte The Tallest Man On Earth mit seinem neuen Album an, dass sich bei ihm einiges geändert hat. Die Frage, wie sich dieses neue Gewand nun bei den Konzerten trägt, wurde in Köln mit gemischten Gefühlen beantwortet. 
Geschrieben am
12.10.2015, Köln, E-Werk  

Ein leider nicht wirklich ausverkauftes Kölner E-Werk wartet an diesem Montagabend auf Kristian Matsson aus Schweden. Seit dem letzten Besuch des Tallest Man On Earth in der Domstadt sind einige Jahre verstrichen. Damals musste das Konzert noch vom Gebäude 9 in die deutlich größere Live Music Hall verlegt werden, um dem Ansturm auf die Tickets gerecht zu werden. Dem Kölner E-Werk ist der schwedische Folk-Sänger jetzt, drei Jahre später, noch nicht gewachsen.  

Noch? Es hat sich viel getan beim Tallest Man On Earth, das hat sich schon mit dem im Mai diesen Jahres erschienenen Album angekündigt. Auf »Dark Bird Is Home« hat Matsson seine Musik mit zahlriechen neuen Instrumenten und Sounds ausgeschmückt. Und genau diese Neuerungen dominieren auch das Konzert im Kölner E-Werk. Seit Jahren allein auf der Bühne, holt er sich nun Rückendeckung von einer vierköpfigen Band. Das verändert natürlich viel, viel mehr als erwartet.
Das Tempo einiger Songs wird angezogen, die Lautstärke steigt und anstatt einer ruhigen und überschaubaren Bühne, ist es auf dieser nun eher unruhig und wuselig. Ständig geht die Band ab und wieder auf, nach jedem Song wird eine neue Gitarre hereingebracht und Matsson wirft nach jedem – wirklich jedem – Stück übermütig seine Plektren über die Bühne oder direkt ins Publikum. Ab einem gewissen Punkt wirkt dieses Verhalten hin und wieder affektiert und übertrieben.  

Andererseits merkt man dem Tallest Man an, dass das Konzert mit Band in seinem Rücken ihm einfach unglaublich viel Spaß macht und er gar nicht so recht weiß, wohin mit dieser neuen Energie. Das was dabei rumkommt ist auch keineswegs schlecht. Ganz im Gegenteil bietet dieses fast schon bunte Konzert viele musikalische Highlights. Das neue Album dominiert wie erwartet den Abend und die Songs beweisen absolute Bühneneignung. Einige ältere Songs werden zur Freude des Publikums ebenfalls zum Besten gegeben, jedoch nicht immer in altbekannter Manier. Das sonst so intime »The Wild Hunt« reißt beispielsweise auf einmal insbesondere durch das stampfende Schlagzeug-Arrangement mit und beweist, dass auch einige der alten Songs in diesem neuen Gewand nicht unbedingt weniger hermachen. Wer jedoch auch die andere Seite kennt, nämlich ihn allein mit seiner Gitarre und der grandiosen Stimme, der hat eben mit etwas anderem gerechnet an diesem Abend.  

Bei der ersten Zugabe »Dreamer« erreicht die Energie und Verwandlung Matssons dann ihren völligen Höhepunkt. Der ursprünglich sehr ruhige Song seiner 2010er EP wird durch die Band in einen fast tanzbaren Song verwandelt, bei dem Matsson letztlich dann sogar ohne Gitarre über die Bühne eifert und all seine Energie auf seine Performance verwenden kann. Sein Markenzeichen gibt The Tallest Man On Earth mit diesen neuen musikalischen Zusätzen auf und rückt ein Stück weg vom Folk in Richtung Pop. Man hatte sich eigentlich weniger von diesem Konzert erhofft, und bekommt dann mehr, als man jemals wollte. Das ist zwar nicht schlecht, aber doch ein bisschen schade. Weniger ist eben doch manchmal mehr.