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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Ich würde uns auch hassen

The Strokes

Über die Strokes ist mehr geschrieben worden, als die Band jemals Songtexte verfassen wird. Jeder hat seine Meinung zu ihnen. Und jeder denkt, er müsse bei der ganzen Sache irgendwie mitreden. Meistens kommt dabei nicht unbedingt was Positives raus. Und trotzdem sind die Konzert ausverkauft. Seltsam
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Über die Strokes ist mehr geschrieben worden, als die Band jemals Songtexte verfassen wird. Jeder hat seine Meinung zu ihnen. Und jeder denkt, er müsse bei der ganzen Sache irgendwie mitreden. Meistens kommt dabei nicht unbedingt was Positives raus. Und trotzdem sind die Konzert ausverkauft. Seltsam.

Als ich auf mein Interview mit Strokes-Gitarrist Albert Hammond Jr. warte, ist mir nicht ganz wohl. Wahrscheinlich hat der schon gar keinen Bock mehr auf das alte Frage-Antwort-Spiel. Oder ist zu cool, um einen zusammenhängenden Satz zu reden. Schließlich befinden sie sich mitten in der Tour, und es ist früher Nachmittag. Oder noch schlimmer: Er denkt womöglich, ich sei ein Groupie - soll ja vorkommen. Damit will man aber als Journalistin auf gar keinen Fall was zu tun haben. Man interessiert sich natürlich nur für die Musik. Wobei: Klar würde mich brennend interessieren, wie das denn so ist mit den Mädels, die in den Hotels der Jungs Schlange stehen. Aber lieber würde ich mir die Zunge abbeißen, als so eine Frage dann auch wirklich zu stellen. So ist es eben mit dem Erwartungsdruck von außen - man kann sich nicht ganz davon freimachen. Also lieber mit was anderem beginnen.

Nervt euch der ganze Rummel um eure Band eigentlich nicht?

Albert: Und wie. Aber ich hab' den Hype nicht gemacht, und ich kann ihn auch nicht kontrollieren oder aufhalten. Das ist schon komisch, aber die Medien reden echt viel über uns. Und meistens geht es noch nicht mal um die Musik, sondern nur um irgendeinen Bullshit, der nichts damit zu tun hat, warum wir fünf zusammen Musik machen. Letztendlich wird es wohl irgendwann aufhören, wenn wir weiter gute Musik machen. Und wenn wir keine gute Musik machen, dann hatten sie eben recht.

Bei euch reiten die Leute natürlich die ganze Zeit darauf rum, dass dein Vater ein bekannter Musiker und der Vater von Julian Casablancas Chef der Modelagentur Elite ist. Da vermuten viele, dass ihr durch die ganze Kohle in eurem Background nicht wirklich Mühe hattet, einen Plattenvertrag zu bekommen.

Albert: Wir haben niemals Beziehungen ausgespielt, damit sich Türen öffnen. Selbst wenn wir das gemacht hätten: Die Türen gehen sofort zu, wenn du nicht gut bist. Egal, wie berühmt deine Eltern sind.

Gitarrenmusik scheint im Moment in Amerika gut zu funktionieren. Da kamen und kommen lauter gute Sachen. In England dagegen passiert gar nichts mehr. Was glaubst du, warum das so ist?

Albert: Rock'n'Roll aus England ist nicht tot, aber irgendwie schwul. Zu viel Akustik. Da kann man ja gleich ins Bett gehen. Das hat keine Eier.

Jetzt wissen wir auch, dass Albert nicht nur Gitarre spielen kann, sondern auch die Sprache des Rock'n'Roll beherrscht. Der Liam Gallagher New Yorks. Schön. Und demnach kein Wunder, dass auf dem Cover der Strokes-Platte ein nackter Frauenhintern zu sehen ist. Wobei Albert meint, dass ihm das Cover gar nicht gefalle.

Albert: Ich mag's überhaupt nicht. Da wundern sich jetzt bestimmt die meisten. Es ist ein Eye-catcher und hat eben diesen Reiz, aber später wird man sich bestimmt an das amerikanische Cover erinnern. Da ist der Urknall drauf. Es ist cooler und sagt auch mehr aus.

Wie geht ihr eigentlich mit den ganzen Leuten um, die sich schon vorher ein ganz klares Bild von euch gemacht haben und euch nur deswegen scheiße finden, weil der Hype um euch so groß ist?

Albert: Ich würde uns auch hassen. Aber wenn ich uns einmal gehört hätte, fänd ich uns okay. Vielleicht ein bisschen viel übertriebene Geschichten. Das einzige, was die Leute interessieren sollte, ist letztendlich unsere Musik. Okay, bestimmte Magazine wollen über deine Klamotten oder über deine Frisur reden. Für uns ist das zweitrangig. Es spielt echt keine Rolle.

Urlaub mit den Strokes

Albert Hammond Junior: "Ich kann ja eigentlich gar nicht dann in Urlaub fahren, wenn ich will. Das geht nur, wenn die Band eine Pause macht. Aber Urlaub ist natürlich eine schöne Sache. Ich glaube, mein letzter Urlaub ... Ich merke gerade, das ist schon eine ganze Weile her. Ich war echt lange nicht mehr im Urlaub. Aber wir werden nach der Tour vier Monate pausieren, und dann fahre ich wahrscheinlich weg. Hört sich nach einer super Idee an. Ich möchte irgendwohin, wo es sehr ruhig und heiß ist, mit sehr warmem klaren Wasser. Bermudas! Auf jeden Fall muss es ruhig sein, ich kann diese Party-Orte nicht leiden. Ich will nichts machen außer einfach dasitzen, lesen und Gitarre spielen. Ich nehme auch immer ein Vierspur-Aufnahmegerät mit. Aber auf gar keinen Fall CDs. Das ist so eine Macke. Ich nehme meine CDs von zu Hause nie mit, sonst gehen sie kaputt. Ich achte sehr darauf, dass sie nicht beschädigt werden, das würde mich sehr ärgern. Also brenne ich mir zu Hause Mix-CDs. Ich kann sie einfach mitnehmen. Ich bin da vielleicht auch ein bisschen zu sehr besessen. Bei mir zu Hause hat auch alles seinen festen Platz und darf nicht verstellt werden. Würde ich eine CD mitnehmen in Urlaub, hätte ich die ganze Zeit nur die Frage im Kopf: Scheiße, wo hab' ich das Ding jetzt wieder liegen gelassen? Und außerdem gehen Sachen immer kaputt, wenn du sie irgendwohin mitnimmst."

Bonuskurzurlaub in Berlin. Die Strokes haben in der Berliner C-Halle gespielt und entern danach die Aftershowparty beim Echo.

Albert Hammond Junior: "Hast du die Jungs aus meiner Band gesehen? Ich hab' sie verloren. Was ist das hier eigentlich für eine Party? Ich hab' gehört, hier sollen ziemlich viele Models sein! Ist das eigentlich leicht, von hier ein Mädchen mitzunehmen? Ich glaub', ich muss mir jetzt mal ein Bier besorgen."