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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

The Star Club

The Star Club

Mein momentaner Top-Favorit in der Kuriositäten-Hitparade: STAR CLUB, Japan. Wer hätte gedacht, daß dort noch "old school"-Punkrock englischer Prägung gespielt wird? Ich zumindest nicht. Obwohl - wieso eigentlich nicht? Egal, gehört habe ich solcherlei noch nicht, jedenfalls nicht mit japanischen Vo
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Autor: intro.de

Mein momentaner Top-Favorit in der Kuriositäten-Hitparade: STAR CLUB, Japan. Wer hätte gedacht, daß dort noch "old school"-Punkrock englischer Prägung gespielt wird? Ich zumindest nicht. Obwohl - wieso eigentlich nicht? Egal, gehört habe ich solcherlei noch nicht, jedenfalls nicht mit japanischen Vocals. Zwecks Internationalität werden dabei allerdings wichtige Schlüsselwörter in englischer Sprache herausgebrüllt. Es sind diese, in order of appearance: "mass action", "cool", "suck", schon wieder "cool", dann aber "prime minister". "Prime Minister", so heißt auch das dritte Stück, und die dazugehörige Refrainzeile heißt "Dear prime minister", die sich - von dem obligatorischen backing-Chor ausgesprochen - anhört wie "Mädchenmord", was im übrigen vortrefflich zu der dengelnden R&R-Gitarre passen würde, oi. Ach ja: Der Bassist nennt sich "A Killer", was noch viel vortrefflicher ist.
Gewalttätiger Punk'n'Roll gehört ja zu den schönsten zivilisatorischen Freuden. Hedonisten, die das Aggressive schätzen, sei daher das Stück "Bastards" empfohlen, in dem es, dem Geschrei nach zu urteilen, nur darum gehen kann, wie schön es ist, zur peer group irgendwelcher "Bastards" zu gehören, oder wie kacke es ist, von "Bastards" auf dem nächtlichen Weg zu McDonalds, das es sicher auch in Tokio gibt, überfallen zu werden, oder wie überfällig es ist, "Bastards" ins Gas zu schicken. Vermutlich geht es im weiteren Verlauf des Exzesses noch um Frauenvergewaltigung (netter Zeitvertreib), die Anforderungen der Arbeitswelt (okay), den Dritten Weltkrieg (soll nur kommen, dem zeigen wir's schon) und Tierversuche (der letzte Dreck).
Wenn man einmal hinwegsieht über die gelegentlichen Einsätze japanischer Technologie (Synthies) und die moralische Verwerflichkeit, Musik wirklich zu mögen, die falsches Gemeinschaftsgefühl provozieren möchte und sich um das Ausbrechen massenpsychotischer Phänomene (damit ist kein Pogo gemeint) verdient gemacht hat, handelt es sich um eine Platte, die vor allem eins ist: Heiter.