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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

In The Beginning (A Live Anthologie 1977-81)

THE SLITS

Wer in diesem Herbst SLEATER KINNEY live sah, muß sich bei dieser Live-CD wehmütig an die Zeiten erinnern, als Feminismus in der Rockmusik noch keine aus dem Internet herbeigezappte Sache war. Die SLITS stehen in kaum einem Rocklexikon, auch wenn sie mit "Cut" und "The Return Of the Giant Slits" Reg
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Autor: intro.de

Wer in diesem Herbst SLEATER KINNEY live sah, muß sich bei dieser Live-CD wehmütig an die Zeiten erinnern, als Feminismus in der Rockmusik noch keine aus dem Internet herbeigezappte Sache war. Die SLITS stehen in kaum einem Rocklexikon, auch wenn sie mit "Cut" und "The Return Of the Giant Slits" Reggae-Rockgeschichte geschrieben haben. Die Londoner Frauenband war schon 1977 mit CLASH auf Tour und steht heute nicht nur als spaßbetonte radikale Girl Group, sondern auch als Bindeglied von Punk und Reggae in den Annalen. Hier funktioniert auch das Unwort des Jahres, "Blueprint", ausnahmsweise perfekt: Aus den SLITS gingen nicht nur die Folk-Feministinnen von den RAINCOATS hervor, sondern auch die MODETTES.
Die Live-CD stützt sich auf zwei Hälften, über deren erste ich Krach- und Lo-Fi-technisch mal großzügig hinwegsehe, auch wenn hier '77 eine gewisse NINA HAGEN mit den SLITS wohlkehliert und beherzt um die Wette schrillt. Part II aber zeigt die SLITS nach ihrer kurzen Punkphase in Bestform: Niemand sang so aufreizend albern und gleichzeitig so bittersweet guttural wie Ari Up, und charmant kieksende Chöre und Rapeinlagen sorgten für eine optimale Darstellung weiblichen Funs. Die schönste Lilapause des Genres scharte für ihre Live-Gigs eine ganze Reihe der besten britischen Musiker um sich, allen voran den Drummer von MARK STEWARTs POP GROUP, Bruce Smith, und Steve Beresford, ein heute auch in Modekreisen geschätzter Avantgardemusiker. Und selbst NENEH CHERRY ist auf "In The Beginning" mit einem für diese Zeit typischen Free-Funk von 1981 verewigt. Ob "Typical Girls" oder "Newtown", die SLITS setzten sich nicht nur mit ihrem obzönen Namen, sondern auch mit dem Cover ihrer ersten LP "Cut" (an den Drums Budgie, bis heute bei SIOUXSIE & THE BANSHEES) in alle Nesseln: Darauf posierten sie im Stil afrikanischer Kriegerinnen oben ohne und mit Schlamm beschmiert im Lendenschurz. Obwohl der Band '81 alle Türen offenstanden, trennte sich der Prototyp des britischen Reggae-Punk, und Ari Up ging zu den "On-U Sound"-Allstars NEW AGE STEPPERS. Wer auf ausgelassenen Freestyle-Reggae-Rock steht, sollte sich die auch aufnahmetechnisch gute Raritätensammlung schleunigst besorgen.